EDELPAPAGEI: Er schwafelt und schwafelt

Ein grün gefiederter Vogel läuft den Löwen im Plättli Zoo Frauenfeld den Rang des Publikumsmagneten ab. Im Interview krächzt Sämu über Herkunft, Besucher und Zwischenrufe.

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Der Edelpapagei Sämu in seinem Gehege im Plättli Zoo Frauenfeld. (Bild: Samuel Koch)

Der Edelpapagei Sämu in seinem Gehege im Plättli Zoo Frauenfeld. (Bild: Samuel Koch)

Sämu, viele Gäste kommen nur wegen Dir in den Plättli Zoo. Das muss schmeicheln.
Sämu: Ja klar. Vor allem die Kinder haben viel Freude an mir und wollen ständig mit mir sprechen. 

Was sagen sie zu Dir?
Einige sind scheu und trauen sich nicht. Andere sagen "Hallo" oder fragen "Wie heisst Du"?

Und wie antwortest Du?
Hoi Sämu, natürlich. Man sollte kleine Kinder nie anlügen, auch nicht als grün gefiederter Papagei.

Dein Ruf eilt Dir voraus. Offenbar konkurrenzierst Du im Zoo die mächtigen Löwen.
Es liegt in der Natur, dass ich sprechen will. Löwen sind zwar mächtig, stolz und stark. Aber was die können, kann ich schon lange. Und zum Glück bin ich in meinem Käfig sicher vor Louis und seinen Freunden.

Manchmal störst Du mit Deinem Geschwätz Führungen oder Pressekonferenzen, wie etwa diejenige zum Olma-Motto des Kantons Thurgau letzten Herbst.
Wääwuuwääwuu Wääwuuwääwuu. Das ist doch nicht weiter schlimm. Ich bin ein glücklicher Papagei, der den Besuchern im Zoo Freude bereiten will. Wer das nicht kapiert, ist selber schuld.

Die sieben Mitarbeiter des Plättli Zoos haben aber nicht nur Freude an Dir.
Wenn sie eine Gruppe durch den Zoo führen und ihnen etwas erklären, will ich ihren fachkundigen Aussagen mit "ja, ja" etwas Nachdruck verleihen. Offenbar verstehen sie es aber falsch, als würde ich sie als unglaubwürdig darstellen. Dafür kann ich nichts.

Wie reagieren dann die Mitarbeiter?
Das ist ja das Schöne. Sowohl die Angestellten als auch alle Besucher lachen und finden es auch noch mega lustig. Vielleicht liegt das ja auch an meinem auffallend glänzend grünen Gefieder.



Lässt Du Dich mit Futter bestechen, dass Du eine Zeit lang Deinen Schnabel hältst?
Das kommt ganz auf den Einsatz drauf an. Gibst Du mir eine feine Erdnuss, dann kann ich schon ruhig sein.

Bestechung gehört sich aber nicht für ein solch stolzes Tier wie Dich.
Das ist doch wie beim Menschen. Gibst Du ihm fürs Falschparkieren mit dem Auto jedes Mal 50 Franken, parkiert er auch immer wieder falsch. So ist das Leben.

Wie bedankst Du Dich für Futter von Besuchern?
Ich zwinkere mit einem meiner Augen zu. Danke muss ich zuerst noch in mein Vokabular aufnehmen.

Welche Wörter befinden sich aktuell in Deinem Wortschatz?
Hmmm. Da muss ich zuerst überlegen. Es müssten ungefähr fünf sein.

Zählst Du sie auf?
Hoi, Sämu, wääwuuwääwuu, nei und ja ja. Die Mimik wie das Augenzwinkern ist aber nicht zu vergessen.

Sprichst Du auch im Schlaf?
Nein, dann ruhe ich mich und meine Stimmbänder aus.

Fühlst Du Dich wohl im Plättli Zoo?
Klar. Viele Leute kommen nur wegen mir hierher. Ich muss nicht meinem Futter nachjagen und die lieben und hilfsbereiten Mitarbeiter räumen täglich meinen Dreck weg. Was gibt es besseres, als im Zoo zu leben?

Sehnst Du Dich nicht nach Deiner Heimat Indonesien?
Nein. Ich bin mir das Leben hier schon derart gewöhnt. In der freien Wildnis würde ich gar keine Freunde mehr finden und hier habe ich auch meine Partnerin im rot-blauen Gewand für mich alleine. Einzig die längeren Flugstrecken über dem Regenwald vermisse ich manchmal.

Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?
Dann übernehme ich die organisatorische Führung des Plättli Zoos und dann gibt es jeden Tag so viele Erdnüsse für alle, wie die Welt zu bieten hat. (sko)