Eclat wegen Fördergeldern

Im Hinterthurgau nehmen unterdurchschnittlich wenig Schüler Musikunterricht. Das liegt an den mangelnden Fördergeldern, sagt Schulleiter Daniel Kamm. Paul Roth vom Kanton widerspricht. Die Beiträge seien sogar gestiegen.

Tanja von Arx
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Daniel Kamm Leiter Musik- und Kulturschule Hinterthurgau (Bild: Christoph Heer)

Daniel Kamm Leiter Musik- und Kulturschule Hinterthurgau (Bild: Christoph Heer)

BRAUNAU. «79 Prozent der Braunauer Primarschüler nehmen bei uns Unterricht», sagt Claudia Hinder, Vorstandsmitglied der Musik- und Kulturschule Hinterthurgau (MKS-HTG). «Braunau ist im Vergleich mit den anderen Schulgemeinden der absolute Spitzenreiter.» Der Abstand nach unten ist jedoch gross.

Die restlichen neun Hinterthurgauer Schulgemeinden, an denen die MKS-HTG eine instrumentale und musikalische Grundausbildung anbietet (siehe Kasten), fallen im Schnitt weit unter 50 Prozent – wobei 50 Prozent den Schweizer Durchschnitt bildet.

Einerseits liegt das an der Nähe des Wohnortes zur Schule, sagt Daniel Kamm, Leiter der MKS-HTG. «Aus den Nachbargemeinden kommt ein grosser Teil der Schüler.» Andererseits bestimmt die Schulgemeinde-Stufe den Anteil. So nehmen auf der Oberstufe weniger Schüler Unterricht als in der Primarschule. Zudem stecke die MKS-HTG mit 20 Jahren noch in den Kinderschuhen.

«Nach wie vor zu teuer»

Vor allem aber ist der Unterricht «zu teuer» und «die Eltern können sich diesen nach wie vor nicht leisten», sagt Kamm. Das unter anderem deshalb, weil die kantonalen Fördergelder für die musikalische Grundausbildung verhältnismässig tief ausfallen.

Dieser Einschätzung widerspricht Paul Roth, Generalsekretär am Departement für Erziehung und Kultur des Kantons Thurgau (DEK). «Der Kanton misst der Förderung des Musikunterrichts grosse Bedeutung zu.» Der Thurgau unterstütze die MKS-HTG «mit 50 Prozent an den Betriebsaufwand», sagt Generalsekretär Roth. Der Finanzierungsbeitrag sei 2011 mit dem angepassten Gesetz über die Volksschule gar um 10 Prozent angestiegen.

Kanton zahlt 9,2 Millionen

Der Betrag, mit dem der Kanton anerkannte Jugendmusikschulen unterstützt, stieg zwischen 2010 und 2013 von 6,5 auf 9,2 Millionen Franken, hält Roth mit Blick auf die Statistik fest. Pro musizierendem Jugendlichen nahmen die Kantonsbeiträge im selben Zeitraum gar um 23 Prozent zu. Der DEK-Generalsekretär sagt, die Auszahlung in Form einer Pauschale ermögliche der Musikschule Hinterthurgau darüber hinaus ein «hohes Mass an Planbarkeit» und «Freiheiten im Mitteleinsatz».

Guter Kontakt entscheidend

Sowohl Claudia Hinder als auch Daniel Kamm heben für die emsige Nutzung des Musikunterrichts denn auch andere Gründe hervor. So sei bei der Primarschule Braunau, sagt Hinder, der «gute Kontakt» mit der Musikschule entscheidend. Kamm betont die «beiderseitig gute Zusammenarbeit». Ausserdem lobt er die Schüler, die «längerfristig voll dabei sind», wie auch die «tollen Mitarbeiter» und die «offene Schulbehörde». Einig sind sich Claudia Hinder und Daniel Kamm, dass es schön wäre, wenn die Primarschule Braunau als gutes Beispiel für die anderen Hinterthurgauer Schulgemeinden vorangehen würde.

Paul Roth Generalsekretär Departement für Erziehung und Kultur (Bild: Nana do Carmo)

Paul Roth Generalsekretär Departement für Erziehung und Kultur (Bild: Nana do Carmo)

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