Eberle will Brücken bauen

TÄGERWILEN. Die SVP-Delegierten schickten gestern abend Roland Eberle ins Rennen für den Ständerat. Wie sein unterlegener Konkurrent Urs Schneider warb er vor den Delegierten für eine lösungsorientierte Politik in Bern.

Christof Widmer/Marc Haltiner
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Stütze für den Unterlegenen Roland Eberle (r) dankt Urs Schneider für den fairen parteiinternen Wahlkampf. (Bild: Nana do Carmo)

Stütze für den Unterlegenen Roland Eberle (r) dankt Urs Schneider für den fairen parteiinternen Wahlkampf. (Bild: Nana do Carmo)

Einen solchen Aufmarsch gab es schon seit Jahren nicht mehr an einer SVP-Delegiertenversammlung. Eine lange Schlange bildete sich gestern abend vor der Tägerwiler Bürgerhalle, SVP-Delegierte aus allen Bezirken warteten vor dem Eingang, weil sie sich zuerst registrieren lassen mussten. Die Rekordzahl von 298 stimmberechtigten Delegierten vermeldete SVP-Kantonalpräsident Walter Marty schliesslich, der die Delegiertenversammlung mit 25 Minuten Verspätung eröffnete.

Unter den Delegierten waren auch viele bekannte SVP-Gesichter auszumachen. Die drei Nationalräte J. Alexander Baumann, Peter Spuhler und Hansjörg Walter, Regierungsrätin Monika Knill und Regierungspräsident Jakob Stark, aber auch etliche Kantonsrätinnen und -räte.

Verzicht auf Zweierticket

Einen ersten Vorentscheid gab es, gleich nachdem Marty die Spielregeln bekanntgegeben hatte. «Parteileitung und Vorstand sind klar für eine Einerkandidatur.» Ziel der SVP sei es, die drei Nationalratssitze und das Mandat im Ständerat zu verteidigen. Eine Doppelkandidatur für die kleine Kammer könne eine Gefahr für die SVP darstellen. Nach Martys Worten folgte Schweigen, auf einen Antrag für ein Zweierticket verzichteten die Delegierten.

Mässigung in Fraktion bringen

Die beiden Kandidaten Roland Eberle und Urs Schneider hatten je zehn Minuten Zeit, sich den Delegierten vorzustellen. Alt Regierungsrat Eberle, bis vor kurzem CEO der Sia Abrasives, führte seine Erfahrung in Politik und Wirtschaft ins Feld. Bei allen inhaltlichen Übereinstimmungen distanzierte er sich vom Hardliner-Stil der SVP Schweiz. «Ich sehe mich als Brückenbauer», sagte er. Er sei es gewohnt, Lösungen zu suchen, mitzugestalten und durchzusetzen. Als SVP-Vertreter im Ständerat wolle er Mässigung in die Fraktion einbringen. «Nein sagen ist einfach», sagte Eberle. Er stehe für eine «konstruktive Politik, die uns weiterbringt.» Er wolle sich für den Kanton und besonders für den Mittelstand einsetzen. Dazu zählte er neben Gewerbe und Industrie ausdrücklich auch die Landwirtschaft.

Er sei ein klarer EU-Gegner, korrigierte er Darstellungen, die im internen Wahlkampf offenbar über ihn gemacht wurden. Er bekannte sich zu den Bilateralen Verträgen. Er sei aber gegen den Agrarfreihandel, wenn dieser den Schweizer Bauern schade.

Nicht nur Bauernvertreter

Wie Eberle präsentierte sich auch Schneider als ein über die Parteigrenzen hinweg abgestützter Politiker. Bei der Umsetzung der SVP-Positionen setze er auf den bewährten Thurgauer Stil. Schneider, Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbands, bemühte sich, nicht als reiner Vertreter der Landwirtschaft dazustehen: «Ich bin Bauernvertreter – aber nicht nur.» Der Verband sei ein Dienstleistungsunternehmen, das von ihm täglich unternehmerische Entscheide verlange. Als Präsident des Verbandes der Thurgauer Raiffeisen-Banken und Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz habe er sich grosses Wissen in Wirtschafts- und Finanzfragen angeeignet. Zudem verfüge er über ein breites nationales Beziehungsnetz.

Nach den Referaten waren die Meinungen gemacht. Kein Delegierter benützte die Gelegenheit zur Diskussion. In geheimer Wahl erhielt Eberle 181 Stimmen, Schneider 114. Schneider nahm das Ergebnis sportlich und rief seine Unterstützer auf, sich nun für Eberles Wahl in den Ständerat einzusetzen. Der Wahlkampf werden kein Spaziergang, sagte Eberle. Andere Parteien hätten starke Mitbewerber nominiert.

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