Drogerie öffnet provisorisch

STECKBORN. Gut eine Woche nach dem Grossbrand in Steckborn wird weiter aufgeräumt. Drogist Matthias Brunnschweiler, der Wohnung und Geschäft verloren hat, sagt: «Wir machen bald wieder auf.»

Gudrun Enders
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Ein Notdach schützt das, was von der Drogerie geblieben ist. (Bild: Gudrun Enders)

Ein Notdach schützt das, was von der Drogerie geblieben ist. (Bild: Gudrun Enders)

«Die Betroffenen sind stabil, positiv eingestellt und sehr dankbar.» Das sagt der Steckborner Stadtpräsident Roger Forrer gestern nach einem erneuten Treffen mit den 33 Menschen, deren Hab und Gut Raub der Flammen wurde. Bei jedem dieser Treffen drückt er ihnen einen Umschlag mit einem Notgroschen in die Hand, das vom Spendenkonto stammt.

Bislang ist Forrer mit den Betroffenen im Zweitages-Rhythmus zusammengekommen. «Das ist wichtig», sagt er. «Dann kann ich mit jedem reden und schauen, wer Hilfe braucht.»

Stadtpräsident Roger Forrer hilft den Betroffenen, wo er kann. (Bild: Reto Martin)

Stadtpräsident Roger Forrer hilft den Betroffenen, wo er kann. (Bild: Reto Martin)

Zurzeit sind laut Forrer die Verhandlungen mit den Versicherungen im Gange. Etwa ein Drittel der Betroffenen verfüge allerdings über keine Hausratversicherung. Der Stadtpräsident hilft, wenn nötig. Die Versicherungen selbst reagierten sehr unterschiedlich, das Spektrum reiche von kulant bis derart unkooperativ, so dass ein Anwalt eingeschaltet werden müsse.

Drogist gibt nicht auf

Drogist Matthias Brunnschweiler, der beim Brand seine Wohnung und sein Geschäft verloren hat, kann dank seiner Versicherung schon bald ein Provisorium beziehen. «Am 15. oder am 28. Januar machen wir wieder auf», sagt er. Mehrere Standorte kämen zurzeit in Frage. Am liebsten will er wieder ein Lokal mitten im Städtli beziehen, nicht weit von seinem ehemaligen Geschäft entfernt. «Meine Familie liebt Steckborn», sagt Brunnschweiler.

Drogist Matthias Brunnschweiler hat gestern ein bisschen Sonne auf der Stedi getankt. (Bild: Gudrun Enders)

Drogist Matthias Brunnschweiler hat gestern ein bisschen Sonne auf der Stedi getankt. (Bild: Gudrun Enders)

Er ist weitherum für seine selbst hergestellten Produkte bekannt, wie etwa die Kosmetikserie, die ein Serum einer Thurgauer Apfelsorte enthält. Doch die lieferbereite Ware befand sich in der Drogerie und ist verloren. Das Labor und die Rohstoffe blieben unversehrt. «Wir können unsere Produkte wieder herstellen, aber das braucht Fachpersonal und viel Zeit», sagt Brunnschweiler. Der 67-Jährige packt den Wiederaufbau seiner Drogerie nicht für sich selbst an. «Es geht um meine Tochter und ihre Zukunft.»

Kunden in Steckborn halten

In Steckborn wird kolportiert, dass die Apotheke zur Rose ihr Angebot um Drogerie-Produkte erweitern will. Geschäftsführer Volker Ebert weiss nichts davon: «Wir werden sicher aus dieser Tragödie kein Kapital schlagen.» Im Einzelfall bestelle die Apotheke zurzeit Drogerie-übliche Präparate auf konkrete Nachfrage. Ebert sagt: «Wir wollen nicht, dass die Kunden aus Steckborn abwandern.» Das ist eine der Sorgen, die die Steckborner plagt, weil der Grossbrand drei gutgehende Geschäfte ausradiert hat.

Schon 140'000 Franken stehen auf dem Konto

Die Brandopfer in Steckborn erfahren grosse Solidarität. Auf dem Spendenkonto haben sich laut Gemeindepräsident Roger Forrer 140'000 Franken angesammelt. Die Helfer sind erfindungsreich: Martin Sigg etwa, der in seinem Garten in Steckborn eine Miniatur-Dampfbahn betreibt, hat am Sonntag mit Dampfbahnfahrten fast 1500 Franken gesammelt. Das schreibt er auf Facebook. (red.)
Postkonto 89-957198-6, Gemeinde Steckborn, Spenden Brand Altstadt, (IBAN CH6209000000899571986)

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