Drogerie öffnet nach Brand wieder

STECKBORN. Drogist Matthias Brunnschweiler hat bei dem Altstadtbrand vor Weihnachten alles verloren. Um nicht auch noch seine Kunden zu verlieren, eröffnete er seine Drogerie schon gestern wieder in der ehemaligen Migros in Steckborn.

Gudrun Enders
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Drogistin Stéphanie Brunnschweiler und Vater Matthias Brunnschweiler überprüfen die frisch aufgefüllten Regale. (Bild: Donato Caspari)

Drogistin Stéphanie Brunnschweiler und Vater Matthias Brunnschweiler überprüfen die frisch aufgefüllten Regale. (Bild: Donato Caspari)

«Ich habe das für meine Tochter und meine Angestellten gemacht.» Der 67jährige Matthias Brunnschweiler, von Freunden Vulkan genannt, hätte kein Geschäft mehr eröffnet, wäre es allein um seine Person gegangen. Aber seine Tochter würde gerne die Drogerie weiterführen. Auch die beiden Angestellten schätzen, dass ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt. «Wir hatten nur wenige Tage Ungewissheit», sagt Drogistin Silvia Seehofer aus Ermatingen, die schon ihre Lehre bei Brunnschweiler absolviert hat.

Auf den Brand folgte eine arbeitsreiche Zeit. Die alten Produkte mussten entsorgt, die Hausspezialitäten neu hergestellt und einsortiert werden. «Wir haben sechs Tage die Woche gearbeitet und abends länger», sagt Seehofer. Hilfe kam auch von anderen Drogerien, hat doch Brunnschweiler mit seinem Bruder den Verband Swidro mit gegründet. Heute gehören der Vereinigung 88 Drogerien an.

Lieber Drogistin als Designerin

Am Abend vor der Eröffnung schauten ungefähr 80 Freunde und Bekannte auf einen Apéro vorbei. «Ich bin unglaublich zufrieden. Unser Geschäft sieht gar nicht nach Provisorium aus», sagt Stéphanie Brunnschweiler. Sie ist 30 Jahre alt und hat die Höhere Fachschule für Drogisten im vergangenen Sommer abgeschlossen. Es ist ihr zweiter Beruf.

Silvia Seehofer (Bild: Gudrun Enders)

Silvia Seehofer (Bild: Gudrun Enders)

«Ich hatte echt Manschetten vor der Drogisten-Ausbildung», sagt sie. Ausserdem träumte sie zunächst davon, als Mode-Designerin zu arbeiten. «Dann habe ich gemerkt, dass ich Sicherheit schätze.» Also arbeitete Stéphanie Brunnschweiler als Schneiderin zu einem überschaubaren Lohn. «Ich war nicht glücklich.» Deshalb nahm sie ihre zweite Ausbildung in Angriff. Nun arbeitet sie als Drogistin in der Drogerie ihres Vaters.

Der Kundenmagnet bleibt

Die Eröffnung der Drogerie fünf Wochen nach dem Brand ging unglaublich schnell. Stadtpräsident Roger Forrer freut das: «Damit bedeutet der Brand nicht der Tod für unsere Geschäfte in der Altstadt.» Denn die Steckborner Drogerie mit ihren Hausspezialitäten zieht viele Kunden aus der Region an. «Bei uns kaufen sogar Zürcher», sagt Stéphanie Brunnschweiler.

Die provisorische Drogerie ging gestern im Stadtladen auf. Der Betreiber des Stadtladens hatte von sich aus Ladenfläche angeboten. Es handelt sich dabei um die ehemalige Migros, die sich inzwischen im Besitz der Stadt befindet. Stadtpräsident Forrer arbeitete zwei Mietverträge aus, so dass kein Streit aufkommen kann.

Brunnschweiler hat beim Brand auch seine Wohnung verloren mitsamt Erbstücken aus seiner Appenzeller Heimat. Letzteres schmerzt ihn besonders. Seine Geschwister haben ihn getröstet und ihm zu Weihnachten einen Teil ihrer Erbstücke geschenkt.

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