Dresscode für den Chindsgi

Regenschirme sind nichts für Kindergartenkinder. Sie sind unpraktisch und die Kleinen können sich damit sogar verletzen. Die Investition in ein Paar gute Outdoor-Schuhe lohnt sich. Manche Kindergärten verteilen sogar Briefe an die Eltern mit Anziehtips.

Ida Sandl
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Mit Lackschuhen und Regenschirm: So sollen die Kinder bei strubem Herbstwetter nicht in den Chindsgi. (Bild: Nana do Carmo)

Mit Lackschuhen und Regenschirm: So sollen die Kinder bei strubem Herbstwetter nicht in den Chindsgi. (Bild: Nana do Carmo)

Wenn es blinkt und funkelt, dann schlagen die Herzen kleiner Mädchen höher. Rosa Schühchen mit glänzenden Blümchen und Schleifen begeistern das Kind. Sie sind aber oft nicht sehr praktisch. Und vor allem nicht zum Spielen bei Wind und Wetter geeignet. Bei den meisten Kindergärten im Thurgau geht es nämlich jeden Tag hinaus ins Freie. Egal, ob es nass ist oder die Sonne scheint.

«Kinder sind gerne draussen, wenn es regnet», sagt Susanne Mötteli, die Geschäftsführerin vom Kindergarten Mühlebach in Amriswil. Auch, weil dann die Luft ganz anders rieche als sonst. «Das ist ein sinnliches Erlebnis für die Kinder.»

Es gibt also kein schlechtes Wetter, wohl aber unpassende Kleidung. Etwa drei Viertel ihrer Kinder seien gut angezogen, sagt Susanne Mötteli. Bei denen, die es nicht sind, spreche sie die Eltern direkt an. «Manchmal liegt es auch am Geld.» Denn gute, wetterfeste Schuhe sind nun mal nicht billig.

Weniger, dafür gute Qualität

Doch die Investition lohne sich in jedem Fall, meint Julia Stuck vom Kindergarten Wehrli in Kreuzlingen. Im besten Fall sind die Outdoor-Schuhe wasserdicht und atmungsaktiv und mit einem Fussbett ausgerüstet. «Lieber zwei Paar weniger und dafür gute Qualität», sagt Julia Stuck. Neben ihrer Arbeit im Kindergarten leitet sie eine Spielgruppe in Ermatingen, ausserdem ist sie zweifache Mami. Sie sagt: «Es ist manchmal schon eine Herausforderung, Kinder richtig anzuziehen.»

Dunkel kann gefährlich sein

Das kann auch bedeuten, dass zwischendrin mal ein Machtwort gesprochen werden muss. Etwa, wenn das Kind im Winter unbedingt das Sommerkleidchen tragen möchte. Julia Stuck fällt auf, dass viele Kinder dunkel angezogen sind. Das ist gefährlich. Gerade im Herbst und Winter, wenn das Wetter grau in grau ist, werden sie von Autofahrern schlecht gesehen. Leuchtbändel sind deshalb Pflicht.

Ideal ist eine Kleidung für Kindergärtler, wenn sie die Kleinen beim Herumtoben nicht behindert. Röhrlihosen sind deshalb nicht unbedingt die erste Wahl. «Eine Hose darf nicht so eng sein, dass sich das Kind nicht mehr richtig bewegen kann.» Das Outfit sollte bequem und zweckmässig sein. So tragen die Kinder im Kindergarten Wehrli gummierte Haussocken statt Finkli.

Der Schichtenlook funktioniere fast immer, weiss Julia Stuck. Das könnte zum Beispiel ein langärmeliges T-Shirt sein, dazu ein Faserpelz und darüber eine wasserfeste Regenjacke. Es habe sich bewährt, eine wasserfeste Hose – extra für nasses Wetter – im Kindergarten zu deponieren. Die kann dann bei Bedarf angezogen werden und die Kleidung darunter bleibt schön trocken.

Susanne Mötteli erzählt von einer tamilischen Mutter, die eine Tasche mit Kleidern für ihre Tochter im Kindergarten abgegeben habe. Eine gute Lösung, da die Frau weder mit den Schweizer Gewohnheiten noch mit den Wetterverhältnissen vertraut war.

Besser Kapuze als Schirm

Die Kindergärtnerinnen von St. Johann in Frauenfeld haben sich zum Herbstanfang sogar mit einem kurzen Brief an die Eltern gewandt. «Liebe Eltern», schreiben sie, «bitte ziehen Sie Ihr Kind immer wettergerecht an.»

Eine Regenjacke mit Kapuze und dazu vielleicht eine Regenhose seien auf jeden Fall besser als ein Regenschirm. Schirme gehen nämlich leicht kaputt. Die Kinder könnten sich damit verletzen.

Ausserdem seien Regenschirme unpraktisch, sagt Praktikantin Julia Hug. «Kleine Kinder sollten die Hände frei haben.» Auch im Kindergarten St. Johann gehen die Buben und Mädchen möglichst jeden Tag an die frische Luft. Manche Kinder hätten nur Strickjacken dabei, die dann bei Regen nass werden. Im schlimmsten Fall könne das Kind dann nicht mit nach draussen. Aber das komme sehr selten vor. Der Brief sei vor allem als Erinnerung an die Eltern gedacht gewesen.

Zumindest im Chindsgi zählt der praktische Aspekt also mehr als schönes Aussehen. Die modische Seite kommt später ja noch oft genug zum Zug.

Stiefel, helle Farben und regendicht: Bei schlechtem Wetter geht Quirin aus Frauenfeld so in den Chindsgi. (Bilder: Nana do Carmo)

Stiefel, helle Farben und regendicht: Bei schlechtem Wetter geht Quirin aus Frauenfeld so in den Chindsgi. (Bilder: Nana do Carmo)

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