Dreimal Herzog auf einen Streich

Knapp zwei Jahre nach dem Architekturwettbewerb für die Stadtsiedlung Lindenweg geht es nun vorwärts auf dem Areal der Ernst Herzog AG im Frauenfelder Zentrum. Derzeit liegt der Gestaltungsplan für die Überbauung auf.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Das Gelände der Herzog AG. Im Hintergrund der Murg entlang der Lindenweg. (Bild: Nana do Carmo)

Das Gelände der Herzog AG. Im Hintergrund der Murg entlang der Lindenweg. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Es geht etwas im Murgbogen. Das zentral gelegene Gebiet der Murg entlang gilt als attraktive Wohnlage. Mit einem Gestaltungsplan wollen die Frauenfelder Bauunternehmer Samuel und Urs Herzog den nächsten Schritt machen bei der Stadtsiedlung Lindenweg. Die Überbauung ist auf dem Firmenareal der Ernst Herzog AG geplant.

Viel Veränderung

Nur einen Steinwurf entfernt, auf dem SBB-Parkplatz Nord, stehen mittlerweile die Visiere für eine weitere Überbauung mit Wohnungen und Gewerbe. Auch die Tage des städtischen Werkhofs am gegenüberliegenden Murgufer dürften früher oder später gezählt sein. Der Werkhof dürfte an den Stadtrand zügeln und im Zentrum Raum frei machen für Wohnungen.

Die konkret werdenden Planungen am Lindenweg ziehen ihre Kreise über das Stadtzentrum hinaus. «Es ist wie ein Dominospiel: Wenn der erste Stein in Bewegung kommt, stösst er so den nächsten um», zieht Samuel Herzog einen treffenden Vergleich. Denn die auch im Holzbau tätige Bauunternehmung Ernst Herzog hat bei der Zuckerfabrik einen neuen Werkhofstandort gefunden (siehe Zweittext). So wird Baugrund im Bereich Lindenweg/Sägestrasse frei. Der neue Firmenstandort führt dazu, dass auch das zweite Herzog-Areal an der Ulmenstrasse aufgehoben wird. Dort entstehen Reihenhäuser.

80 bis 84 Wohnungen

Zurück an den Lindenweg: Im April 2013 stand fest, dass aus einem Wettbewerb mit fünf Projekten jenes des Winterthurer Architekturbüros Stutz+Bolt+Partner weiterverfolgt werden soll. Geplant sind auf dem inselartigen Gelände ein Längsbau der Bahnlinie entlang sowie drei sogenannte Punktbauten, die parallel zueinander gegen das Murgufer hin zu stehen kommen sollen. Die Bauten sind vier- bis fünfgeschossig geplant.

«Wir dachten, dass es schneller geht», sagt Samuel Herzog. Gleichwohl sei man immer noch gut im Zeitplan. Bis in drei Jahren sollen die 80 bis 84 Miet- und Eigentumswohnungen – laut Herzog abhängig von den konkreten Raumgrössen – einzugsbereit sein. Einerseits musste das Projekt auf die aktuelle Gesetzgebung abgestimmt werden. Denn der Wettbewerb wurde noch vor der kantonalen Abstimmung über das neue Planungs- und Baugesetz durchgeführt. Zum anderen wurden schon mehr Vorabklärungen gemacht als nötig wären für einen Gestaltungsplan. Samuel Herzog rechnet denn auch mit der Baubewilligung bis Ende Jahr. Mitte 2016 soll der Abbruch der bestehenden Bauten beginnen.

Pfähle gegen Luftmatratze

Weil sich die damaligen Tiefbauarbeiten am Schlossberg für den Bahnhof 2000 mittels Erschütterungen auf dem Herzog-Areal bemerkbar machten, wurden Bodensondierungen gemacht. «Der Boden in diesem Bereich ist wie eine Luftmatratze: zuerst eine dünne Kiesschicht, dann schlechter Baugrund, dann Sandstein», erklärt Samuel Herzog. Zur Verstärkung seien deshalb Pfähle bis auf die 20 Meter tiefe Sandsteinplatte notwendig. Auch der Hochwasserschutz wurde im Vergleich zum Vorprojekt verstärkt. Zudem wurden Bauten leicht umpositioniert, vor allem aufgrund des Schattenwurfs.

Tiefe Elektrosmog-Belastung

Bei der Erarbeitung des Gestaltungsplans gab es auch erstmals Messungen der elektrischen Immissionen durch den Bahnbetrieb in nächster Nähe. Das Resultat: Die Belastung ist einiges tiefer als bisher angenommen. Zudem wurde die Tiefgarageneinfahrt verlagert. Und es wurden breitere Parkplätze geplant. Aufgrund der verhältnismässig detaillierten Planungen für den Gestaltungsplan konnte schon eine erste Kostenschätzung erstellt werden. Er rechne mit «rund 65 Millionen Franken», erklärt Samuel Herzog. Durch die Projektanpassungen hätten sich aber kaum Mehrkosten ergeben.

Ein Modell der Stadtsiedlung Lindenweg mit dem Längsbau und den drei Punktbauten. (Bild: Mathias Frei)

Ein Modell der Stadtsiedlung Lindenweg mit dem Längsbau und den drei Punktbauten. (Bild: Mathias Frei)

Samuel Herzog Bauunternehmer und Inhaber Herzog AG, Frauenfeld (Archivbild: Susann Basler)

Samuel Herzog Bauunternehmer und Inhaber Herzog AG, Frauenfeld (Archivbild: Susann Basler)

Urs Herzog Bauunternehmer und Inhaber Herzog AG, Frauenfeld (Bild: Nana do Carmo)

Urs Herzog Bauunternehmer und Inhaber Herzog AG, Frauenfeld (Bild: Nana do Carmo)