Dreimal drei gleich Streit

Südsicht

Olaf Kühne
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Es begab sich zu einer Zeit, damals in den wilden ­Neunzigern, als die Schweiz in eine neoliberale AG umgebaut wurde. Die Politik hatte die schlaue Idee, man könnte ja mal die Telekommunikation privatisieren. Eine Supersache, wie sich alsbald herausstellen sollte. Fortan konnten wir endlich im Auto telefonieren, mussten uns nicht mehr mit dem Verkehr um uns herum langweilen. Chinesische Wanderarbeiter hatten eine sinnvolle Beschäftigung. Sie durften die Billig­handys zusammenschrauben, mit welchen uns die Telekomanbieter im Jahresrhythmus beglückten. Und Teenager mussten sich ihre Pornos nicht mehr mühsam im Altpapier zusammensuchen, sondern erhielten sie frei Haus aufs Smartphone geliefert.

Eine makellose Erfolgs­geschichte also? Nicht ganz! Irgendjemand (Name der Redaktion nicht bekannt) hatte damals die nicht ganz so schlaue Idee, man könnte ja auch gleich – wo man schon mal dabei ist – die Netze privatisieren. Ein leider erst später absolvierter Rechenkurs hat uns dann gelehrt: Drei Netze gleich drei Antennen gleich drei Einsprachen gleich zweimal drei Gutachten. Für Juristen, Bauunternehmer, Inge­nieure und Journalisten eine tolle Sache. Für Anwohner und Lokal­politiker eher weniger. Immerhin bleibt den Busswilern, die derzeit an einer neuen Antenne wenig Freude haben, ein Trost: Sie schaffen Arbeitsplätze.

Und vielleicht, aber nur vielleicht, kommt ja doch einmal noch jemand auf die Idee, die Sache mit diesen obskuren Handystrahlen ­endgültig abzuklären. Den ­Nobelpreis gibt’s dafür zwar wahrscheinlich nicht. Einen Blumenstrauss vom Sirnacher Gemeinderat hat diese Person aber auf sicher.

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch