Dominique, Niklaus und Isabella räumen bei den Tieren auf

Sechs Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten vor laufenden Kameras im Plättli-Zoo in Frauenfeld. Mit Fleiss, Witz und viel Herzblut bewältigen sie tierisch strenge Herausforderungen.

Gjon David
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Morgen-Besprechung mit dem Zoo-Chef: Walter Mauerhofer erklärt Isabella, Manuel, Niklaus, Yvonne, Remo und Dominique die Arbeit. (Bilder: Nana do Carmo)

Morgen-Besprechung mit dem Zoo-Chef: Walter Mauerhofer erklärt Isabella, Manuel, Niklaus, Yvonne, Remo und Dominique die Arbeit. (Bilder: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. «Häsch au scho Leue gfüetteret? Da bruchsch denn viel Muet», sagt Remo. Der 46-Jährige wischt gerade die letzten «schwarze Chüggeli» der Ziegen auf. Zusammen mit Yvonne, Isabella, Manuel, Dominique und Niklaus kümmert sich Remo, hoch über Frauenfeld, um die Bewohner im Plättli-Zoo.

«Alles geht etwas langsamer»

Die sechs Protagonisten mit geistiger Behinderung greifen nun seit mehr als drei Wochen den Zoomitarbeitern bei der täglichen Arbeit tatkräftig unter die Arme. Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) begleitet sie dabei. Das Konzept der Sendung sei das gleiche wie vor drei Jahren in der Reihe «Üsi Badi», sagt Tom Schmidlin, Bereichsleiter Volkskultur bei SRF. «Wir wollten sie wieder dabei begleiten, wie sie den Arbeitsalltag in einer Freizeiteinrichtung bewältigen.» So seien sie auf den Plättli-Zoo gekommen. «Das ist ein Familienbetrieb, und die Protagonisten haben sich für einige Wochen der Familie angeschlossen.» Elisabeth Engeler-Mauerhofer und ihr Bruder Walter Mauerhofer führen den Zoo in zweiter Generation. «Sie arbeiten sehr gerne», sagt Walter Mauerhofer über die neuen Mitarbeiter. Er sei richtig erstaunt, wie gut sie das machen würden. «Natürlich geht alles etwas langsamer, aber das habe ich erwartet.»

Niklaus, der Künstler

Nebenan füttern Isabella und Yvonne die Ziegen. «Sultan, komm her, mein Lieber!», ruft Yvonne der Ziege zu. Die 48-Jährige hat sich in den drei Wochen so sehr mit dem Zoo angefreundet, dass sie am Sonntag ihren Geburtstag dort feierte. «Mein Mann Peter und die ganze Familie sind dafür extra nach Frauenfeld gefahren. Es war eine tolle Feier», sagt sie, und Manuel bestätigt es mit einem Kopfnicken. Der 37-Jährige fotografiert gleich nebenan die Pferde in ihrem Gehege. Er möchte seine Erfahrungen und Erlebnisse im Zoo in Reportagen festhalten. «Vielleicht kann ich mal später als Journalist arbeiten», sagt er selbstbewusst. «Die Arbeit im Zoo macht mir grossen Spass.»

Dominique relativiert: «Es ist aber auch anstrengend.» Die 21-Jährige ist die Jüngste in der Gruppe, spricht Spanisch und kann sich nicht entscheiden, welches Tier im Zoo ihr Lieblingstier ist: «Ich mag Lamas, Papageien, Pferde und Ziegen.» – «Ich mag Schildkröten», sagt Niklaus. Der 46-Jährige wirkt schüchtern, zurückhaltend und nachdenklich. Niklaus ist leidenschaftlicher Maler. Als er über helle Farben und die Kraft der Landschaftsbilder spricht, merkt man schnell, hier spricht ein wahrer Meister.

Dominique und Niklaus füttern die Lamas. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Dominique und Niklaus füttern die Lamas. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Isabella streichelt liebevoll die Ziegen. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Isabella streichelt liebevoll die Ziegen. (Bild: Nana do Carmo / TZ)