Doktortitel als Türöffner

Wenn die Bedeutung eines Doktortitels immer unwichtiger wird - warum werden heute trotzdem noch Dissertationen geschrieben? Zwei «Doktoren» mit unterschiedlichen Berufen nehmen dazu Stellung und sprechen über ihre Erfahrungen mit dem Titel.

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Wenn die Bedeutung eines Doktortitels immer unwichtiger wird – warum werden heute trotzdem noch Dissertationen geschrieben? Zwei «Doktoren» mit unterschiedlichen Berufen nehmen dazu Stellung und sprechen über ihre Erfahrungen mit dem Titel.

Wissenschaftlich arbeiten

«Der Doktortitel dient mir hauptsächlich als Leistungsausweis», sagt Claudius Luterbacher, Kirchenrechtler in der Bistumsleitung St. Gallen.

«Er belegt, dass ich mir in einem bestimmten Bereich ein besonders tiefes Wissen erarbeitet habe», sagt Luterbacher, der in Wirtschaftsethik promoviert hat. Generell habe er im Verfassen einer Dissertation aber die einmalige Chance gesehen, über längere Zeit vertieft an einem Thema wissenschaftlich arbeiten zu können.

Luterbacher merkt an, dass im Ausland – vor allem in Österreich und Italien – viel grösserer Wert auf den Titel gelegt werde. «In der deutschsprachigen Schweiz sprechen mich weniger Leute mit Herr Doktor an.

Halte ich mich jedoch im Tessin oder im nahegelegenen Ausland auf, wird beinahe ausschliesslich der Titel als Anrede verwendet.»

«Würde es nochmals tun»

Der Geschäftsführer eines grossen Ostschweizer Unternehmens sieht den Wert seines Doktortitels ähnlich: «Er verleiht mir zusätzliche Glaubwürdigkeit. Der Titel dient vor allem in Deutschland auch als Türöffner», sagt er. Seine Doktorarbeit habe er aber nicht primär wegen des Titels gemacht.

Vielmehr reizte ihn die Aussicht, drei Jahre zu einem spezifischen Thema forschen zu können: «Die Arbeitsmethodik und das Selbstmanagement werden dadurch trainiert.»

«Im englischsprachigen Raum nützt mir der Titel kaum etwas. Trotzdem würde ich nochmals eine Dissertation schreiben.» (mlu)