Dörfer fordern Anerkennung

Nicht nur die Städte hätten ihre Aufgaben und Lasten, auch die kleinen Dörfer haben solche. Das sagen die Gemeindeoberhäupter der IG Dörfer und Weiler im Thurgau und fordern Anerkennung.

Kaspar Enz
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Die kleinen Landgemeinden im Thurgau wollen nicht mehr übersehen werden. (Archivbild: Rudolf Steiner)

Die kleinen Landgemeinden im Thurgau wollen nicht mehr übersehen werden. (Archivbild: Rudolf Steiner)

sommeri. Im Sozialen, in der Kultur oder dem Sport, da hätten die Zentren ihre Aufgaben und Lasten zu tragen. Das bestreitet der Güttinger Gemeindeammann Eugen Staub nicht. «Doch diese sind anerkannt», sagt er. Kaum anerkannt aber seien die Lasten der kleinen Gemeinden auf dem Land. «Woher haben denn die Städte das Wasser, das Holz oder die Luft?», fragt er. «Wer pflegt den Wald oder die Seeufer?» An sommerlichen Sonntagnachmittagen gingen die Güttinger nicht in ihr Seebad, sagt Staub. «Denn da sind schon alle andern.

» Im Sommer haben sich 21 kleine Gemeinden zur IG Dörfer und Weiler im Thurgau zusammengeschlossen, Staub ist deren Präsident. Gestern traf sie sich in der Bildungsstätte in Sommeri, der zweitkleinsten Gemeinde im Kanton.

Sorgen wegen Richtplan

Zwei Papiere diskutierte die Versammlung, die ihre Anliegen zusammenfassen. Die Landgemeinden fürchten um ihre Lebensqualität.

Geht es nach dem neuen kantonalen Richtplan, sollten Fabriken oder Häuserblöcke dort gebaut werden, wo es schon viele davon hat: In den Zentren. Die Kleinen fürchten Einschränkungen. «Für die kleinen Gemeinden heisst es im Richtplan, ihr Wert liege in der zurückhaltenden baulichen Entwicklung», sagt Eugen Staub. «Doch was sind die Konsequenzen?» Fehlen die Kinder, muss die Schule schliessen, fehlen die Kunden, der Dorfladen.

Das geschieht allerdings auch ohne den Richtplan. In Bussnang hat die Stadler Rail ihren Hauptsitz. Aber «wir haben keinen Laden mehr im Dorf», wie der Bussnanger Gemeindeammann Ruedi Zbinden an der Versammlung sagte. «Dafür haben wir Skaterstrecken und viel Wald, ein regelrechtes Freizeitparadies.»

Umgebungsfunktionen müssten auch abgegolten werden, nicht nur Zentrumsfunktionen, heisst es in einem der Papiere. Nicht zwingend finanziell, betonten einige Gemeindeammänner an der Versammlung.

«Wir lassen uns nicht auf Geld reduzieren», sagte der Verfasser der Zeilen, der Kesswiler Gemeindeammann Hermann Haffter. «Es geht darum, dass man uns als gleichwertig anschaut.»

Umdenken beim Kanton

«Wir sind kein Protesthaufen», sagt Eugen Staub. Trotzdem fordert er ein Umdenken bei der kantonalen Verwaltung. Beim Departement für Bau und Umwelt müsse man die Landgemeinden umfassender wahrnehmen, sagt Staub.

Auch beim Amt für Wirtschaft und Arbeit könne man mehr für die wirtschaftliche Förderung der Landgemeinden tun. Der Thurgau sei ein ländlicher Kanton, sagt Staub. «Das ist auch eine Herausforderung.»

Die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinden seien allerdings unterschiedlich, räumt er ein. Eines hätten sie aber gemeinsam. In Landgemeinden müssten die Bewohner mehr Engagement zeigen als in der Stadt.

«Die Integration von Ausländern zum Beispiel können wir nicht mit professionellen Teams machen», sagt Staub. Dafür brauche es Freiwillige – die motiviert sein müssten.

Noch kein Rezept

Wie die IG Dörfer und Weiler ihre Ziele erreichen will, ist noch unklar. «Im Moment haben wir das Rezept noch nicht», sagt Eugen Staub. Wichtig war es der IG gestern, dass sie im Vorstand des Verbands Thurgauer Gemeinden gut vertreten ist. «Wenn man zusammensteht, wird einem eher geholfen», sagt er.

Der erste Schritt ist getan. «Vor ein paar Monaten gab es noch nicht einmal die IG.»

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