Diskussionen zur Thurgauer Zeitung

WEINFELDEN. Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch über die Thurgauer Zeitung (TZ) diskutiert. Der Abbau von Stellen und Leistungen bei der einzigen verbliebenen Tageszeitung im Kanton dürfe nicht weiter gehen. Die Regierung will sich bei der NZZ-Gruppe für die Zeitung einsetzen.

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Die TZ ist die einzige verbliebene Tageszeitung im Kanton Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Die TZ ist die einzige verbliebene Tageszeitung im Kanton Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Der Rat diskutierte über die Interpellation "Unzufriedenheit mit der Thurgauer Zeitung" von Andrea Vonlanthen (SVP) und Patrick Hug (CVP). In den Zuschauerreihen sassen auch der Chefredaktor des St.Galler Tagblatts, Philipp Landmark, und der Redaktionsleiter der Thurgauer Zeitung, David Angst.

Nach der Integration in die Tagblatt Medien vor vier Jahren sei die TZ für viele Leserinnen und Leser zum täglichen Fragezeichen, für manche gar zum Ärgernis geworden. 500 Stellenprozente seien abgebaut, das Redaktionsbüro in Kreuzlingen geschlossen und der Regionalteil massiv reduziert worden. Der Preis hingegen sei um 16 Prozent gestiegen, sagte der Interpellant.

Die Zahl der Abonnenten sei auf 34'000 gesunken, erwartet wurden über 40'000 Exemplare. Der Verlag rühme sich zwar, dass die Zahl der Leser auf 90'000 gestiegen sei. Für einen Kanton mit 260'000 Einwohnern sei diese Zahl jedoch bescheiden, sagte Vonlanthen. Immer mehr Leser teilten sich ein Abonnement, weil sie nicht mehr bereit seien, für ein Produkt zu zahlen, mit dem sie nicht zufrieden seien.

TZ kein Einzelfall
Zwar gebe es im Thurgau eine gewisse Unzufriedenheit mit der TZ, sagten verschiedene Rednerinnen und Redner. Rezepte gegen den Strukturwandel hatte jedoch niemand. Die Thurgauer Zeitung sei kein Einzelfall. Der Qualitäts-Journalismus werde auf dem Altar pekuniärer Interessen der Verlage geopfert, sagte eine Rednerin.

Es gebe Zeitungs-Ausgaben, in denen man über Arbon keine Zeile lese, sagte Patrick Hug. Eine starke Regionalpresse sei wichtig, weitere Abstriche müssten vermieden werden. Die Interpellation richte sich nicht gegen die TZ-Redaktion und deren gute Arbeit, sondern gegen die NZZ-Verlagsleitung in Zürich, die die redaktionelle Zusammenarbeit zwischen dem St.Gallen und Luzern intensivieren wolle.

Treffen mit NZZ-Geschäftsleitung
Der Thurgauer Regierungsrat habe sich vergangene Woche mit der Geschäftsleitung der NZZ getroffen und zwei klare Forderungen gestellt, sagte Regierungsrat Jakob Stark: "Es darf keinen weiteren Abbau geben und keinen Einheitsbrei im geplanten gemeinsamen Mantel."

Die NZZ sei sich der Bedeutung der einzigen Thurgauer Tageszeitung bewusst, sagte Stark. Jürg Weber, der nach dem Abgang von Daniel Ehrat als Verlagsleiter für die NZZ-Regionalzeitungen zuständig ist, habe einen Bezug zum Thurgau, da seine Grosseltern in Arbon wohnten. Er habe zugesichert, dass es bei der TZ vorläufig keinen weiteren Abbau gebe. Langfristig hänge jedoch alles von den Abonnenten− und Inseratezahlen ab.

Seit 2011 nur noch eine Zeitung
Die Zürcher Mediengruppe Tamedia hatte im Frühling 2010 überraschend die TZ der NZZ-Gruppe im Tausch gegen Zürcher Landzeitungen abgetreten. Die Thurgauer Zeitung und das Thurgauer Kopfblatt des "Tagblatts" wurden Anfang 2011 zu einer Zeitung, der Thurgauer Zeitung, zusammengelegt. (sda)