DIREKT AN DEN GLEISEN: DER NEUE 20GI-PLATZ: Teerplatz für Ideen

Hinter dem städtischen Jugendbüro laufen Bauarbeiten. Ein multifunktional nutzbarer Platz für Jugendliche entsteht an den Gleisen. Aus Rücksicht auf die Anwohner in der Trio-Überbauung gibt es klare Regeln.

Mathias Frei
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Auf der Baustelle: Der stellvertretende Werkhofchef Daniel Weishaupt, Eve­line Götsch, Fachstellenleiterin Jugend, und Markus Kutter, Amtsleiter Gesellschaft und Integration, im Gespräch, wie der Jugendplatz dereinst aussehen soll. (Bild: Mathias Frei)

Auf der Baustelle: Der stellvertretende Werkhofchef Daniel Weishaupt, Eve­line Götsch, Fachstellenleiterin Jugend, und Markus Kutter, Amtsleiter Gesellschaft und Integration, im Gespräch, wie der Jugendplatz dereinst aussehen soll. (Bild: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Es brauchte Anlaufzeit. Vor knapp acht Jahren war der Platz hinter dem Jugendbüro 20gi erstmals Thema an einem Jugend-mit-Wirkung-Workshop. Die Ideen sind geblieben, die Jugendlichen von damals mittlerweile erwachsen. Nächster Anlauf: Februar 2014. Und wieder dauerte es. Dann wurde das Projekt im Budget auch noch um ein Jahr geschoben. Aber nun, im Sommer 2017, wird gebaut. Vor kurzem sind Baumaschinen aufgefahren. Mitte September sind die baulichen Massnahmen der Platzgestaltung abgeschlossen, wie der stellvertretende Werkhofchef Daniel Weishaupt sagt. Danach folgen die Bepflanzungen.

Da ist ein grosser Teerplatz, gegen das Tunnelportal des unterirdischen Kreisels hin durch zwei lange Betonwände im 90-Grad-Winkel. An der einen Wand gibt es einen einfachen, offenen Unterstand mit einem kleinen abschliessbaren Materialraum, daneben die Graffiti-Wand. Früher konnte hier eine Holzwand besprüht werden. An der anderen Wand steigen Betonstufen hoch, es sieht aus wie eine kleine Arena. Zwei Meter weiter steht ein Trinkbrunnen. Der Fussweg, der zur Trio-Überbauung hinunterführt, ist durch Bepflanzungen abgetrennt. So in etwa soll der Platz in Zukunft aussehen. Im Rahmen eines Projekts werden Jugendliche zudem später noch Möbel bauen.

Multifunktional ist das Stichwort

Der Jugendplatz hat eine Facebook-Seite und eine Mailadresse. In Frauenfeld gibt es einige Outdoorplätze für Jugendliche, seien es der Skatepark oder auch verschiedene Basketballcourts und Fussballfelder. Das sind Orte, die primär einem spezifischen Zweck dienen. Der Platz hinter dem «20gi» soll genau in die andere Richtung gehen. «Uns ist wichtig, dass die Platzgestaltung und -nutzung nicht schon komplett vordefiniert ist», sagt Eveline Götsch, Fachstellenleiterin Jugend. Stichwort: multifunktional. Man kann hier vieles machen oder auch einfach nur sein. Der Platz soll für alle Gruppen von Jugendlichen bespielbar sein, explizit auch für Mädchen und junge Frauen. Denn Sportplätze orientierten sich oft eher an den Interessen von Buben und männlichen Jugendlichen, erklärt Götsch. In dieser Form werde der neue Platz einer der wenigen, wenn nicht der einzige Jugendplatz im Thurgau sein.

«Der Platz ist öffentlich, wird aber vor allem von der Jugendarbeit genutzt», sagt Götsch. Eine Platzordnung wäre sowieso geplant gewesen. Mit der neuen, keinen Steinwurf entfernten Überbauung Trio ist dieser Aspekt noch wichtiger geworden. Die Nutzungsregeln sehen vor, dass die neuen Nachbarn über organisierte Anlässe im Voraus Bescheid wissen. Nachtruhe gilt grundsätzlich ab 22 Uhr. In den Jugendtreff Gleis 4 auf der anderen Strassenseite des Jugendbüros kommen bis zu 30 Jugendliche, bei Projekten machen auch schon mal 50 mit. Nutzer der Angebote der Jugendarbeit seien jünger geworden, sagt Götsch.

Mühlen von Verwaltung und Politik mahlen langsam

Laut Daniel Weishaupt liegt das Kostendach für den Platz bei 115000 Franken. Markus Kutter, Leiter Amt für Gesellschaft und Integration, lobt das Projekt als Paradebeispiel für die gute amts- und departementübergreifende Zusammenarbeit bei der Stadt. «Aber es zeigt sich auch, dass die Mühlen der Politik und Verwaltung länger mahlen, als es initiativen Jugendlichen lieb ist.»