Dinner in der Autowerkstatt

Das Restaurant Popup eröffnet für vier Wochen seine Tore in einer Autogarage. Die Veranstalter aus Ermatingen versprechen ein einzigartiges Ambiente. Verwunderte Bürger besichtigten die Räume schon im voraus.

Gjon David
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Claudine Nyaguy aus Ermatingen sitzt in einem Oldtimer in der Garage 64 und freut sich über die Eröffnung des Restaurants Lieb-ess-Bar. (Bild: Gjon David)

Claudine Nyaguy aus Ermatingen sitzt in einem Oldtimer in der Garage 64 und freut sich über die Eröffnung des Restaurants Lieb-ess-Bar. (Bild: Gjon David)

ERMATINGEN. «Verführen, verzaubern und in andere Welten versinken lassen», dies hätte sie mit ihren Gästen vor, erzählt Claudine Nyaguy, Geschäftsführerin von Ars in Vitro. Sie sei eines Morgens mit ihrer Hündin Aisha die Bahnhofstrasse in Ermatingen entlang gelaufen und auf eine Idee gekommen. «Mir fiel diese grosse Halle auf und ich dachte mir, hier drin eröffne ich mein erstes Popup», sagt Nyaguy. Der Name Popup beschreibt «etwas Dynamisches, nicht Statisches wie die Popups im Computer, die plötzlich am Bildschirm erscheinen und gleich wieder verschwinden», erklärt Nyaguy.

Wie die Idee Popup entstand

Damit sie Popup umsetzen konnte, musste sie zuerst die Bewilligung zur Führung einer Gelegenheitswirtschaft mit Alkoholausschank in der Gemeinde einholen. Nach gründlicher Prüfung der eingereichten Unterlagen bekam Nyaguy die Genehmigung.

Was aber ist Popup? «Eine Restaurant, das als Ereignis inszeniert wird, für eine begrenzte Zeit an unterschiedlichen Orten», sagt der Ehemann Oliver Nyaguy. «Fünf Jahre Cateringarbeit und Organisation gingen voraus, bis das Konzept von Popup geboren war», sagt Claudine Nyaguy. An einem Abend, nach einer grossen Cateringveranstaltung, seien sie und ihre Mitarbeiter so erschöpft gewesen, dass sie sich sagten: Unsere Arbeit soll für länger als einen Tag dauern, bei dem grossen Aufwand, den wir jedesmal betreiben. «So kamen wir auf die zündende Idee, ein Restaurant zu eröffnen, mit eigenem Cateringmaterial einzurichten und der Öffentlichkeit einen Monat lang zugänglich zu machen.»

Neben Oldtimern speisen

In der grossen Halle, in der Nyaguy spontan ihr erstes Popup eröffnet, stehen Oldtimer. Uli Mack, Inhaber der Garage 64, ist von Nyaguys Idee überwältigt. «Ihre Idee hat mich sofort überzeugt, einfach sensationell.» Sie hätten Kunden mit einem speziellen Hobby: Oldtimer. «Da passt die aussergewöhnliche Gastronomie.»

Auch Bürger aus Ermatingen schauten in der Garage vorbei und erkundigten sich nach dem besonderen Restaurant, sagt Mack. «Ihnen gefällt die Idee, innerhalb des rauhen Charmes einer Werkstatt zu speisen und gleichzeitig die Oldtimer anzuschauen.» Sonst müssten die Leute, um die Autos zu sehen, extra ins Museum gehen, meint Mack. Sie arbeiten in der Garage wie gewohnt bis am Abend. Dann würden einige Werkzeuge beiseite gelegt und der Raum für das Essen hergerichtet. «Was dazu kommt sind die Tische, Stühle, eine Bar wird eingerichtet und die ganze Werkstatt speziell beleuchtet – so entsteht die Lieb-Ess-Bar», erklärt Oliver Nyaguy. Dann wollen sie bei den Gästen die sinnlichen Genüsse wecken. «Unsere Köche haben sich dafür extra den aphrodisierenden Wirkungen der Speisen und Gewürze gewidmet», sagt Nyaguy.

Besteck nur für Männer

Die Frauen könnten sich beim Essen ganz zurücklehnen, denn: «Nur die männlichen Gäste erhalten Besteck», sagt Claudine Nyaguy. Natürlich gelte das nur bei Paaren, stellt Nyaguy klar. Die Leute müssten sich aber beeilen bei der Organisation. Nach vier Wochen ist der Zauber vorbei, und Popup zieht dann weiter in die nächste Stadt, mit der nächsten Idee, zum nächsten Event.