«Digitaler Tsunami» trifft alle Bereiche

Kreuzlingen Die Digitalisierung werde die Berufswelt verändern und verlange in Zukunft die Abkehr von festen Berufsbegriffen. Gefordert seien Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

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Kreuzlingen Die Digitalisierung werde die Berufswelt verändern und verlange in Zukunft die Abkehr von festen Berufsbegriffen. Gefordert seien Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dies sind die Resultate einer Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich, die Think Tank Thurgau (TTT) am Donnerstag im Planetarium Kreuzlingen vorstellte. «Die Digitalisierung aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und dabei verschiedene Themen zu diskutieren wird Think Tank Thurgau in den kommenden Jahren beschäftigen», erklärte Stiftungspräsident Matthias Mölleney. Die Resultate des TTT-Wissenschaftskongresses und der Zürcher Hochschule zum Thema «Folgen der Digitalisierung für kaufmännische Berufsbilder» wurden von Claude Meier und Sybille Sachs präsentiert.

Bereits zu Beginn des Jahres sei publiziert worden, dass im kaufmännischen Bereich durch die Digitalisierung Arbeitsplätze wegfallen würden, erklärte Claude Meier zu Beginn seines Referates. Prognosen über die Zahl anzustellen, sei hingegen schwierig. «Bei der Digitalisierung handelt es sich um einen Tsunami-Effekt: Die Welle kommt, vielleicht nicht so schnell, aber sie kommt und trifft alle Bereiche», sagte Meier.

Digitalisierung bedeute eine neue Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, die Auflösung der Unternehmens- und Branchengrenzen und die Verflachung der Hierarchien. Immer mehr Arbeitnehmer würden sogenanntes «Portfolioworking» leisten. Das heisse, in Projekten auf Zeit, statt fix angestellt zu arbeiten. Berufsbilder würden in Zukunft nicht mehr starr ausgelegt werden, sondern es gehe um Berufsfelder mit entsprechenden Kompetenzen.

Gefragt sind Generalisten mit einem Fachbereich

Im kaufmännischen Bereich sei mit einer zunehmenden Bedeutung von Kommunikation zu rechnen, der Umgang mit sozialen Medien werde wichtiger. Die Stellung von Rechnungswesen, Controlling und Personalabteilung werde geschwächt. «Gefragt sind Generalisten mit Spezialisierung in einem Fachbereich», sagte Meier. Er nannte dies eine «wandelfähige Spezialisierung von der Branchenkenntnis zur fachlichen Vertiefung». Managerkompetenzen seien in Zukunft gefragt, da routinierte Aufgaben wegfallen würden. Das habe Folgen für die Bildung: «Es gilt, Digitalisierungsgewinner zu fördern und Digitalisierungsverlierer zu unterstützen.» Der Austausch zwischen Bildung und Praxis solle verstärkt werden, Dozierende müssten verschiedene Rollen wahrnehmen und sich vermehrt zu «Beratern und Coaches wandeln». (kp)