Diessenhofer Problemlöser

«Warum sorgt Diessenhofen kaum für negative Schlagzeilen?» Das will mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, von mir wissen. «Wir haben eben den besten Problemlöser. Komm, ich zeige dir, wie er arbeitet.» Gemeinsam flattern wir zum Rathaus und setzen uns auf den Fenstersims des Sitzungszimmers.

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«Warum sorgt Diessenhofen kaum für negative Schlagzeilen?» Das will mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, von mir wissen. «Wir haben eben den besten Problemlöser. Komm, ich zeige dir, wie er arbeitet.» Gemeinsam flattern wir zum Rathaus und setzen uns auf den Fenstersims des Sitzungszimmers. «Was soll ich bloss tun», jammert der Stadtpräsident gerade. «Probleme?», fragt ein gut gekleideter Mann. «Weiss nicht so recht», murmelt der Präsident und zuckt mit den Schultern. «Kein Geld in der Stadtkasse?» «Sicher nicht, die Steuern sprudeln nur so.» «Hat es vielleicht zu wenig Arbeit?» «Hier hat jeder zu tun.» «Was ist mit der Wohnsituation?» «Die Lage des Städtchens ist phantastisch.» Der Mann verdreht die Augen. «Sport und Freizeit?» «Es gibt für jedes Interesse einen passenden Verein. Wassersportler und Fischer haben den Rhein vor der Haustüre, die umliegenden Hügel locken Spaziergänger, Jogger und Biker.» «Machen Sie sich etwa Sorgen, weil Diessenhofen im Moment kaum Probleme hat?», will der Mann wissen. Der Präsident nickt. «Genau. Dieser Zustand macht mich nervös. An der satten Zufriedenheit ist schon das Römische Reich zugrunde gegangen, ich brauche Aufbruchsstimmung.» «Diessenhofen ist wirklich ein schwerer Fall.» Der Mann legt ein Mäppchen auf den Tisch. «Aber es gibt die Lösung für Ihre Probleme. Mit diesem Konzept polieren wir das Image des Städtchens auf.» «Gut. Was bringt das?» Die Laune des Stadtpräsidenten bessert sich schlagartig. «Die Politiker und die Bevölkerung beschäftigen sich mit etwas, die Stadtkasse wird erleichtert, denn die Experten arbeiten ja nicht gratis, am Schluss bleibt alles beim Alten und die Leute sind glücklich, weil sie mitreden konnten.» «Was sagst du nun?», frage ich meinen Cousin. «Ihr Diessenhofer», tschilpt er bewundernd, «seid wirklich die besten Problemlöser, die man sich denken kann.»

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