Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

DIESSENHOFEN: Stadtrat fordert Stopp der Geothermiebohrung

Nach der Ölverschmutzung im Rhein fordert der Stadtrat von Diessenhofen einen definitiven Stopp der Zuleitung von belastetem Wasser aus der Tiefenbohrung eines Gemüsebauern in den Rhein. In seinem Schreiben an die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag wird auch das Bewilligungsverfahren kritisiert.
Bei der Riiwis in Diessenhofen musste wegen des Ölunfalls eine Ölsperre errichtet werden. (Bild: Reto Martin)

Bei der Riiwis in Diessenhofen musste wegen des Ölunfalls eine Ölsperre errichtet werden. (Bild: Reto Martin)

DIESSENHOFEN. Im Rahmen von Pumpversuchen in der Geothermieanlage in Schlattingen bei Diessenhofen ist am 21. Februar aus noch unbekannten Gründen über eine Leitung, die abgekühltes Tiefenwasser aus der Bohrung in den Rhein ableiten soll, Öl ins Wasser gelangt. Um sicherzustellen, dass kein weiteres Öl in den Rhein gelangt, wurden Leitungsschächte mit Schiebern erstellt. Bis Klarheit herrscht, hat der Kanton weitere Pumpversuche verboten.

Die massive Gewässerverschmutzung zeige, dass weitere fahrlässig, vorsätzlich oder durch Drittverschulden verursachte Umweltschäden niemals ausgeschlossen werden können, hält der Stadtrat von Diessenhofen in seinem Schreiben fest.

Gesundheit der Bevölkerung gefährdet
Die Gesundheit der Bevölkerung sei gefährdet. So befände sich im Tiefenbohrungs-Schmutzwasser immer Schwefel und möglicherweise andere, die Gesundheit beeinträchtigende Stoffe. Nur einige hundert Meter unterhalb der beiden Einleitschächte im Rhein werde aus dem Grundwassersee das Trinkwasser für Diessenhofen gepumpt.

Auch in Schaffhausen und andernorts werde das Trinkwasser gleich am Rheinufer gefördert und mithin wären Zehntausende von Menschen vom kontaminierten Einlauf betroffen.

Äusserst unzufrieden ist der Stadtrat mit dem Ablauf des Bewilligungsverfahrens durch die kantonalen Instanzen. Die Stadtbehörde kritisiert am bisherigen Verfahren insbesondere, dass das Landratsamt Konstanz beziehungsweise das Regierungspräsidium in Freiburg bezüglich einer wasserrechtlichen Erlaubnis nach deutschem Recht über die Einleitung von betrieblich genutztem Wasser nicht angehört wurden. Die deutschen Amtsstellen seien auch nicht über den Ölunfall in Kenntnis gesetzt worden.

Mangelnde Information
Zudem habe auch die Öffentlichkeit einen Anspruch auf Bekanntgabe der jüngsten chemischen Analysen des belasteten Schmutzwassers. Ferner fordert der Stadtrat eine Kopie des schriftlichen Bewilligungsentscheids des Chefs des Amtes für Umwelt (AfU) für den Versuchsbetrieb vom 19. Februar 2016.

Es sei auch fraglich, ob für die Einleitung des Abwassers nicht von Anfang an das offizielle Konzessionsverfahren hätte eingeleitet werden müssen. Die Rechtsgrundlagen, belastete Flüssigkeit im Rahmen eines Probebetriebs versuchsweise in ein öffentliches Gewässer einzuleiten, seien nach Wissen des Stadtrats nicht vorhanden.

Das ursprüngliche Projekt habe ein geschlossenes Kreislaufsystem des genutzten Tiefenbohrungswassers vorgesehen, heisst es weiter. Nun liege ein ganz anderes Projekt unter Nutzung eines öffentlichen Gewässers vor, bislang ohne jede gültige Bewilligung. Das neue Projekt müsse zwingend ausgeschrieben und im Rahmen eines Konzessionsverfahrens nach dem Wassernutzungsgesetz samt baurechtlicher Prüfung beurteilt werden. Der Stadtpräsident von Diessenhofen hat der Bauherrschaft eine kurze Frist gesetzt, um das erforderliche Gesuch einzureichen, und auch einen Bau− und Nutzungsstopp für die Leitung erlassen.
Treibhäuser mit heissem Wasser heizen

Zwei Bohrungen
Ein Gemüsebauer betreibt in Schlattingen bei Diessenhofen einen grossen Gemüseproduktionsbetrieb mit ausgedehnten Treibhäusern. Statt mit Erdgas und Erdöl heizt der Gemüsebauer seine Gewächshäuser mit Geothermiewärme. Seit dem Projektstart im Dezember 2010 wurden zwei Bohrungen durchgeführt. Bei beiden Bohrungen wurde im Untergrund 65 Grad heisses Wasser gefunden, welches für die Beheizung der Treibhäuser hochgepumpt werden kann.

Um ein definitives Nutzungskonzept sowie ein Konzessionsgesuch zu erarbeiten, ist ein Langzeitpumpversuch ausstehend. Während den Vorbereitungsarbeiten für diesen Pumpversuch ist am 21. Februar mit Öl verunreinigtes Wasser in den Rhein gelangt. (sda)

"Vorwürfe erstaunen"

Wie das Departement für Bau und Umwelt (DBU) mitteilt, haben die Verantwortlichen vom Schreiben der Stadt Diessenhofen vom 9. März an das Departement betreffend Ölunfall vom 21. Februar durch die Medien erfahren. "Dieses Vorgehen befremdet und entspricht nicht der traditionell guten Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und dem Kanton", heisst es in der Stellungnahme des DBU.

"Die im Schreiben erhobenen Vorwürfe erstaunen, zumal an der gemeinsamen Sitzung vom 25. Februar auch die Stadt Diessenhofen über alle Details des Falls informiert wurde. Dabei wurde das konkrete weitere Vorgehen gemeinsam festgelegt und von der Stadt ausdrücklich begrüsst." Die Stadt habe sich im Nachgang zur Sitzung für das schnelle und transparente Handeln bedankt.

An der erwähnten Sitzung sei gewünscht und in der Folge auch festgelegt worden, dass alle Beteiligten regelmässig über die weitere Entwicklung informiert würden. Dies sei gemäss DBU bislang auch so gelebt worden. Dass die Stadt diese einvernehmlich festgelegten Schritte nun als "Instrumentalisierung" bezeichnet, enttäusche.

Weiter heisst es im Communiqué, dass das DBU das Schreiben nach den erfolgten Abklärungen schriftlich beantworten werde. Dabei werde es auch den direkten Kontakt mit der Stadt suchen. Über den weiteren Verlauf werde zu gegebenem Zeitpunkt informiert. (pd/red.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.