Diessenhofen – Stadt der Narren

Der frühe Vogel fängt den Wurm: in Diessenhofen findet die Fasnacht etwas früher als andernorts statt. Am Sonntag war die Altstadt fest in der Hand von Monstern, Elfen und Konfetti-Kanonen.

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Fast schon grimmig blickt der Clown. Eine bunte Gruppe von grossen und kleinen Bööggen – mit beeindruckendem Konfettivorrat. (Bilder: Benjamin Manser)

Fast schon grimmig blickt der Clown. Eine bunte Gruppe von grossen und kleinen Bööggen – mit beeindruckendem Konfettivorrat. (Bilder: Benjamin Manser)

Der frühe Vogel fängt den Wurm: in Diessenhofen findet die Fasnacht etwas früher als andernorts statt. Am Sonntag war die Altstadt fest in der Hand von Monstern, Elfen und Konfetti-Kanonen.

Es riecht nach Glühwein unter dem Siegelturm in Diessenhofen, die Altstadt ist voller Menschen. Kinder, Jugendliche, junge Eltern stehen dicht an dicht; vereinzelt ein grauer Haarschopf in der Menge. Dazwischen hier ein Pirat, dort ein Cowboy, eine kleine Fee mit wallendem Kleid und Glitzer im Haar, die auf Papas Schultern sitzt. Wer das Mittagessen verpasst hat, kann jetzt noch rasch einen Cervelat einwerfen, ein Teenager mit knallgelber Brille nutzt die Zeit, um vor den ihn umgebenden Damen besonders cool auszusehen. Das Wetter spielt mit, ein Lüftchen irgendwo zwischen frisch und kalt kriecht durch die Gassen, aber es ist trocken und eigentlich ganz angenehm. Dann Böllerschüsse über der Stadt, der Klang von Treicheln zwischen den Häusern. Die Menge weicht zurück, die Gasse wird breiter, denn jetzt kommt er: der Diessenhofer Fasnachtsumzug. Ein kleiner Knirps an seiner Spitze, er lässt die Peitsche knallen. Die Grossen kommen hinter ihm, schwingen rhythmisch ihre Treicheln, es dröhnt in den Ohren.

Rhy-Gusler als Zombies

Nur wenig später kommen die ersten Monster: in der Gestalt von Ritter-Zombies marschieren die Rhy-Gusler aus Schaffhausen durch die Menge, verteilen Bonbons an die ganz Kleinen und erschrecken mit plötzlichem Gebrüll die nicht mehr ganz so Kleinen. Mehr als ein Gesicht, auf dem kurz blanker Schreck zu sehen ist, bevor das Gelächter kommt. Denn obwohl man weiss, dass es nur Masken sind, so ganz kann ihre Wirkung nicht verleugnet werden. Eine grässliche Fratze, ein Unbekannter dahinter, und dann noch eine rasche Bewegung direkt vor dem eigenen Gesicht: da erschreckt man schneller, als einem lieb ist. Hinter den Rittern kommen die Chällenwaldtüfel aus Schübelbach, die heuer das erste Mal am Umzug mit dabei sind. Riesige Hörner auf den Köpfen, Fratzen und teuflisches Fell sind ihr Markenzeichen, immer wieder schnappen sie sich ein überraschtes Opfer aus der Zuschauermenge und ruinieren dessen Frisur. Die Kinder lachen, gruseln sich und schmeissen Konfetti, die Erwachsenen versuchen hinter den Masken bekannte Gesichter auszumachen. «Das ist er doch, oder? - Nein, der daneben, das ist der Peter.»

Guggen kommen mit Getöse

Nicht fehlen darf natürlich die Guggenmusik. Mehrere Formationen ziehen mit viel Getöse durch die Stadt, darunter auch solche aus dem Ausland. Die Wildmandli-Gugge ist aus dem Fürstentum Liechtenstein angereist, andere Gäste kommen aus Luzern, mehrere aus dem nahen Deutschland. Narren sind bekannterweise frei, da zählen Grenzen nicht viel. Überhaupt beweisen die insgesamt 40 Narrengruppen, dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Abenteuerliche Gefährte werden aufgefahren, ein Uralt-Saurer etwa oder ein Motorboot. Dazu so mancher Einachser, der unter der Last eines halben Chalets ächzt. Es regnet Konfetti, die Trepsä-Hudler schenken Freibier aus, es stinkt nach Holzfeuer, Weihrauch und Abgasen.

Nach etwas über einer Stunde dann das Schlusslicht des Zuges, die Brächtele Bröögge aus Rafz, die noch einmal ordentlich Lärm machen. Die Menge löst sich rasch auf, manch einer spürt jetzt doch die Kälte. Hartgesottene folgen dem letzten Wagen, vor dem Siegelturm formiert sich eine Guggenmusik spontan zu einer Zugabe. Und dann bleibt nur noch eine Altstadt voller Konfetti zurück.

Severin Schwendener

Gugge in Rot. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Gugge in Rot. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Von hier oben hat man den Überblick. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Von hier oben hat man den Überblick. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Es schneit Konfetti. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Es schneit Konfetti. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

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