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DIESSENHOFEN: Sozialarbeit ohne Schwelle

Die Familien Forster und Jäggi führen an der Bahnhofstrasse eine Anlaufstelle für Flüchtlinge und Arbeitssuchende. Sie laden montags zum Mittagstisch ein und bieten Job-Coaching und Deutschkurse an.
Therese Schurter
Chris Forster übt Deutsch mit Asylsuchenden, die in der Region Diessenhofen wohnen. (Bild: Theres Schurter)

Chris Forster übt Deutsch mit Asylsuchenden, die in der Region Diessenhofen wohnen. (Bild: Theres Schurter)

Therese Schurter

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

An der Bahnhofstrasse 3 in Diessenhofen ist neues Leben eingekehrt. Dort, wo sich bis Ende der 70er-Jahre Menschen im Kino Urban trafen und dann bis vor einigen Jahren die Chrischona-Gemeinde einquartiert war, ist heute eine Begegnungsstätte der besonderen Art. Die im Saal aufgereihten Tische sind mit Servietten und Schoggiherzen dekoriert. Es ist Montagvormittag. Offenbar werden viele Leute zum Essen erwartet.

In der kleinen Küche zaubern Frauen auf drei alten, elektrischen Herdplatten ein einfaches Menü für rund dreissig Personen. Ab halb zwölf erscheint ein Gast nach dem anderen. Meist junge, ausländisch aussehende Männer, aber auch zwei junge Eritreerinnen sowie ein älteres Paar, ein paar Schulkinder und einzelne Einheimische setzen sich an die Tische und freuen sich auf ein geselliges Mittagessen. Jeder darf am Buffet selber schöpfen.

Angebot wächst mit den Notwendigkeiten

Vor drei Jahren haben zwei Diessenhofer Familien den Verein Venue gegründet. Mit vielen Ideen im Kopf haben sie diesen Gebäudeteil von den Besitzern, dem Verein Chrischona Schweiz, gemietet. «Venue» bedeutet, ein Ort zu sein, an dem etwas passiert. Ein Ort, der offen bleiben darf und sich nach Bedarf verändert. Ideen wie etwa ein Indoor-Spielplatz wurden noch nicht verwirklicht, einfach weil anderes wichtiger war. «Man wächst in Notwendigkeiten hinein», erklärt Vereinspräsident Chris Forster. Er ist freischaffender Grafiker. Ehefrau Damaris Forster arbeitet als Pflegefachfrau. Die Familie von Barbara und David Jäggi mit ihren drei Kindern ist der andere Teil der Venue-Crew. Barbara Jäggi ist Familienfrau und kocht jeden Montag im «Open Office». Ihre Kinder kommen über Mittag von der Schule zum Essen und bringen oft auch Gspänli mit.

David Jäggi und Chris Forster sind Theologen, freischaffende Pfarrer und Geschäftspartner. Im Oktober 2015 hatten sie die Idee der niederschwelligen Sozialfachstelle «Open Office» mit Schwerpunkt Job-Coaching und stellten das erstmals der Stadt Diessenhofen vor. Einen Monat später starteten sie mit ihrem Projekt. Es begegnete ihnen sehr viel Wohlwollen und Wertschätzung seitens der Stadtbehörde und der Mitglieder der Kommission für Soziales. Angefangen mit einem halben Tag pro Woche, wurde bald klar, dass die vielschichtigen Bedürfnisse der Kunden eine Ausweitung des Angebots sinnvoll machten. Es besteht ein grosses Bedürfnis, bei der Arbeitssuche Hilfestellung zu bekommen. Dazu stellt der Verein in einem Nebenraum drei Computer zur Verfügung, hier stehen die Jobsuche und der Bewerbungsprozess im Vordergrund. Punkto Job-Coaching ist «Open Office» offizieller Partner der Gemeinde und wird von ihr unterstützt.

Eine provisorische Heimat für Flüchtlinge

Aus dem Bedürfnis heraus hat sich ein weiterer Einsatzschwerpunkt ergeben: Asylsuchende von Diessenhofen, Schlatt und Basadingen finden im Saal des ehemaligen Kinos einen Ort der Begegnung. Der Mittagstisch jeden Montag ist wichtig geworden, sind diese Menschen doch aus ihrem Familiengefüge herausgerissen worden. Hier finden sie eine Art Familienersatz, erleben ein bisschen das Gefühl vom Daheimsein. Die Familien Jäggi und Forster und viele weitere Freiwillige engagieren sich sichtlich mit viel Herzblut für die Allgemeinheit. «Die ungewohnten Namen, die Herkunft aus ganz verschiedenen Ländern ist und bleibt eine spannende Herausforderung», sagt Chris Forster. Das Essen ist einfach, es steht nur ein kleines Budget zur Verfügung. Doch es geht hauptsächlich ums Zusammensein, um die Gemeinschaft. Das Ziel sei, das Mittagessen auch weiterhin gratis servieren zu können. Nach dem Essen wird oft spontan zusammen gesungen oder gespielt.

Am Tisch im Obergeschoss findet Deutschunterricht statt. Im oberen Stock befindet sich auch das Fotoatelier von Chris Forster, wo für die Bewerbungen Passfotos gemacht werden können. Ebenfalls seit Sommer 2016 ist ein Raum der Stille eingerichtet. Hier kann man sich für ein ruhiges Gespräch unter vier Augen oder einen Augenblick der Ruhe oder des Gebetes zurückziehen.

Weitere Infos unter www.venue.zone

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