DIESSENHOFEN: Langsam rieseln Kies und Sand

Mit Bagger und Booten sind die Schaffhauser Kraftwerke momentan damit beschäftigt, den Uferbereich entlang des Rheins zu renaturieren. Denn im Winter ist der Wasserstand optimal niedrig.

Ernst Hunkeler
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Vom Ufer aus wird das Transportfloss von Kapitän Peter Hunziker mit Kies beladen. (Bild: Ernst Hunkeler)

Vom Ufer aus wird das Transportfloss von Kapitän Peter Hunziker mit Kies beladen. (Bild: Ernst Hunkeler)

Ernst Hunkeler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Die Schaffhauser Stromproduzenten sind im gesamten Rückstaubereich ihres Kraftwerks bis zur Untergrenze des Campingplatzes beim Schupfen für die Instandhaltung beider Ufer zuständig. So haben sie die Sicherheit der Ufer zu gewährleisten und sind seit einigen Jahren mit deren Renaturierung beschäftigt. Noch in den 1930er-Jahren sind auf der Schweizer Seite zwecks Arbeitsbeschaffung und zur Behinderung von reichsdeutschen Übersetzmanövern streckenweise Betonverbauungen gebaut worden. Diese verbietet das Bundesgesetz heute, so dass keine «starren» Uferbefestigungen mehr verbaut werden. Vielmehr werden sie mit Kiesflachufern und Grünverbau renaturiert. An geeigneten Stellen wird der Beton nur abgebrochen, entsorgt und das Ufer der Strömung überlassen.

Über eine Länge von 150 Metern

Momentan ist die Equipe damit unterhalb des St. Katharinentals beschäftigt. Oben an der Uferböschung ist ein Förderband installiert, das weit über den bewaldeten Abhang hinausragt. Lastwagen führen laufend Kies heran, den das Band über das aufzufüllende Ufer hinabrieseln lässt. Auf dem langsam wachsenden Uferstreifen verteilen zwei Bagger und ein Dumper den Kies auf einer Länge von 150 Metern.

Als Flachufer gilt, sobald es im vertikal-horizontalen Verhältnis 1:5 aufgeschüttet ist. Will heissen: Ein zehn Meter breiter Streifen fällt um zwei Meter zum Fluss hin ab. Das freut auch die Fische, denn entlang von Betonmauern ist die Strömung für sie viel zu stark.

Vom Zwölf-Meter-Arbeitsboot mit Schiebefloss aus arbeitet Peter Hunziker als Leiter der ganzen Renaturierungsmassnahmen. Ein Bagger belädt sein Boot mit Kies, das es mit 170 PS zur zweiten Baustelle bugsiert. Diese liegt ein paar hundert Meter stromabwärts und ist vom Land her unzugänglich. Dort wiederum lädt ein weiterer Bagger die sandige Fracht vom Floss und verteilt sie auf einer Strecke von rund 100 Metern. Dieser Abschnitt wird abschliessend mit Weidenspreitlagen verbaut, die im Hang wurzeln, sich verbreiten und sowohl den Uferweg wie auch den neuen Kieshang vor Erosion schützen. Alle in Frage kommenden Partien hinab bis zum Schaaren sind bereits renaturiert worden.

Die Dimensionen der Renaturierungsflächen sind so bemessen, dass sie bei einer Abflussmenge von 900 m3/s immer noch einen halben Meter aus dem Wasser ragen.