DIESSENHOFEN: Hickhack im Vorstand

Bei der Gemeinnützigen Gesellschaft herrscht Unfriede. Nach dem Rücktritt der Präsidentin soll eine ausserordentliche Versammlung einen Ausweg eröffnen.

Stefan Hilzinger
Drucken
Teilen
Anfang Jahr hatte die GGD den Musikkabarettisten Daniel Ziegler zu Gast, (Bild: Dieter Ritter (25. Februar 2017, Diessenhofen))

Anfang Jahr hatte die GGD den Musikkabarettisten Daniel Ziegler zu Gast, (Bild: Dieter Ritter (25. Februar 2017, Diessenhofen))

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Es ist fast wie auf dem Pausenplatz: Alle reiben sich die Nase, aber keiner weiss mehr so genau, wer warum wen gehauen hat. So sieht es derzeit bei der Gemeinnützigen Gesellschaft Diessenhofen (GGD) aus. Im Vorstand des Vereins hängt der Haussegen gründlich schief.

Gegenseitige Vorwürfe und ihre Dementi

In einem Schreiben an die Mitglieder erklärte Anne Seiterle, dass sie als Präsidentin zurücktrete, nach acht Jahren im Amt. Sie habe sich in vielen ehrenamtlichen Stunden für den Verein engagiert, und nun sehe sie sich mit Vorwürfen konfrontiert, die ihr und dem Vorstand Bereicherung unterstellten. «Das stimmt schlicht nicht», sagt Seiterle. In ihrem Schreiben an die Mitglieder von Ende Juni wirft sie im Gegenzug dem langjährigen Kassier Peter Wägli in zwei Fällen vor, andere Gagen ausbezahlt zu haben, als vom Vorstand beschlossen. «Das stimmt nicht», sagt Wägli. Er könne das belegen. Es sei auch nicht so, dass er dem Vorstand Bereicherung vorwerfe. Er kritisiere aber die Gagen, welche vorstandsnahe Personen für Literaturanlässe erhalten hätten.

Der Konflikt schwelt offenbar schon länger. Nach der Mitgliederversammlung vom vergangenen Dezember ist er eskaliert. Es ging unter anderem um die Nachfolge von Wägli als Kassier. Ein GGD-Mitglied pochte auf die Statuten, die eine Amtszeitbeschränkung vorsehen.

Wägli hätte nicht mehr länger im Amt sein dürfen, wäre aber bereit gewesen, noch ein Jahr weiterzumachen, um die damals gewählte – aber mittlerweile wieder zurückgetretene – Nachfolgerin einzuarbeiten. Der Verwirrung nicht genug: Über den Ausgang einer weiteren Wahl an diesem Abend herrscht Uneinigkeit. Seiterle und ein Teil der Versammlung sehen die Person als gewählt an. Wägli und der andere Teil finden, die Wahl sei zumindest unklar. Wägli sagt: «Die Versammlung endete chaotisch.»

Jedenfalls haben er und ein weiteres GGD-Mitglied in der Folge Unterschriften gesammelt, um eine ausserordentliche GV zu erwirken, so wie es die Statuten vorsehen «Die Versammlung hätte bis Anfang Juli stattfinden sollen, hat sie aber nicht», sagt Wägli. Es sei dem Vorstand nicht möglich gewesen, zu überprüfen, ob die Unterzeichenenden wirklich Mitglieder und damit stimmberechtigt seien, entgegnet Seiterle.

Chance auf einen Neuanfang

Nach ihrem Rücktritt wird nun aber ohnehin eine ausserordentliche Versammlung fällig. Diese dürfte Ende August stattfinden. Seiterle hofft, dass die Zusammenkunft die Chance für einen Neuanfang eröffnet. Die gleiche Hoffnung hegt auch Wägli.