DIESSENHOFEN: Für die schönste Spaltfurche

Auf dem Acker beim St. Katharinental ziehen bald Traktoren schnurgerade Furchen in die Erde. Beim Wettpflügen messen sich zuerst die besten Landwirte der Schweiz, wenige Tage später die besten Europas.

Dieter Ritter
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Einer von zwei Schweizer Teilnehmern der bevorstehenden EM im Wettpflügen: der Basellbieter Beat Sprenger mit Traktor und Pflug. (Bild: Dieter Ritter)

Einer von zwei Schweizer Teilnehmern der bevorstehenden EM im Wettpflügen: der Basellbieter Beat Sprenger mit Traktor und Pflug. (Bild: Dieter Ritter)

Dieter Ritter

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

45 Hektaren Stoppelfeld stehen bereit. Denn in einer Woche beginnt auf der Domäne St. Katharinental ein Grossereignis, das mit den Schweizer Meisterschaften startet und dem darauffolgenden Wochenende mit einem noch grösseren Höhepunkt endet. Dann wetteifern Pflüger aus ganz Europa um den begehrten Europameistertitel. Jeder Teilnehmer reist mit seinem eigenen Traktor und Pflug an. Zwölf Länder mit je zwei Teams sind vertreten, aus der Schweiz sind es Beat Sprenger aus Wintersingen BL und Peter Ulrich aus dem zürcherischen Neerach.

Gestern informierte das OK über die Wettkämpfe unter der Leitung von Roman Engeler, Vizedirektor des Schweizerischen Verbandes für Landtechnik. Als OK-Präsident amtet SVP-Nationalrat Hansjörg Walter. Er bewirtschaftet als Landwirt mit Meisterprüfung seinen Hof in Wängi. Er orientierte über den Ablauf. Am Freitag nach den Schweizer Meisterschaften trainieren die EM-Teilnehmer auf Feldern in der Nachbarschaft. Mitgereisten Angehörigen und Fans wird ein Rahmenprogramm geboten. Sie erleben den Rheinfall oder den Säntis. Musikalische Unterhaltung auf dem Festplatz bieten das Alphorn-Trio Stam­mertal, der Jodlerclub Edelwyss und der Musikverein Schlattingen. Marktstände, eine Ausstellung mit alten Landmaschinen und ein Kinderparadies machen den Wettkampf zu einem Fest für die ganze Familie. Laut Walter sei das Pflügen wichtig, um Ernterückstände in die Erde zu mischen und Unkrautbefall zu reduzieren.

Mehrfacher Meister erklärt die Spielregeln

Meisterlandwirt Willi Zollinger orientierte über das Wettkampf-Reglement. Sieger wird, dessen Furchen gerade verlaufen und eine konstante Tiefe aufweisen. In dieser Kunst wurde Zollinger mehrfach Schweizer Meister und Weltmeister. Pächter Urban Dörig stellte die Stoppelfelder und das Grasland zwischen den Feldscheunen bis zum Scharenwald nicht nur zur Verfügung, sondern bereitete es auch vor. «Wir sind gerne Gastgeber für diese Meisterschaften», sagte er. Er musste die Fruchtfolge für den Anlass anpassen, damit genügend Land bereit ist. «Mein Plan sieht aus wie ein Schachbrett. Es war eine spannende Herausforderung», betonte er. Die Fruchtfolge sei für den Schweizer Ackerbau typisch. Damit gebe es gegenüber Monokulturen weniger Krankheiten. Dörig betreibt Ackerbau und züchtet Angus-Rinder.

Später erzählte Teilnehmer Beat Sprenger von seiner Vorbereitung. Er tritt mit einem Gespann aus Traktor und Pflug an. Sein Gefährt der Marke Same mit 70 PS ist rund dreissig Jahre alt. «Ein neuer Traktor bietet keinen Vorteil. Wichtig ist, dass er gut in der Hand liegt. Ohne gute Technik ist man auf das Glück angewiesen.» Beim Training läuft ein Helfer hinter dem Pflug, um die letzten Feinheiten zu beobachten. Das sei vom Traktorsitz aus nicht möglich, sagte Sprenger. Er muss es wissen, wurde er doch siebenmal in Serie Schweizer Meister und im Jahr 2014 Vize-Weltmeister.