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DIESSENHOFEN: Fotos als Faktoren für soziale Netzwerke

Seit Kurzem stellt Fritz Franz Vogel in der ehemaligen Tigerfinkli-Fabrik eine Palette alter Fotos aus. Er besitzt mehrere Tausend Bilder aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Ausstellung dauert noch bis Ende April.
Bilder, die Fritz Franz Vogel keiner szenischen Darstellung zuordnen kann, zeigt er aufgehängt an langen Stangen. (Bild: Dieter Ritter)

Bilder, die Fritz Franz Vogel keiner szenischen Darstellung zuordnen kann, zeigt er aufgehängt an langen Stangen. (Bild: Dieter Ritter)

Etwa 250 Gruppenaufnahmen aus der Zeit von 1890 bis 1930 sind ausgestellt, inszeniert mit passenden Requisiten. Ein Schülerpult mit Schiefertafel ist Hintergrund für die Klassenfotos, ein altes Harmonium für Aufnahmen von Musikvereinen und eine improvisierte Bühne mit Scheinwerfern weist auf Theaterbilder hin. Gruppenfotos sind auch Ausdruck des sozialen Zusammenhaltes. Diesen Aspekt betont Fritz Franz Vogel kürzlich an seiner Vernissage, in dem er seinen Gästen in Sitzgruppen Getränke und Knabbereien anbietet. Als besonderen Spass fotografierte Vogel seine Gäste als Gruppenbild im traditionellen Stil.

Vogel besitzt eine Sammlung von geschätzten dreitausend Gruppenbildern, die meisten aus der Zeit um 1920. «Das war die goldene Zeit der Gruppenbilder» sagte er. Im Unterschied zur heutigen Fotografie wurden damals nur gestellte Situationen aufgenommen, und die Leute schauten ernst in die Kamera. Das liege daran, dass die damaligen Kameras auf lange Belichtungszeiten angewiesen waren, erklärte er.

Vogel sammelt und katalogisiert nicht nur, er forscht auch nach der Bedeutung, welche die Bilder für die Leute in der entsprechenden Zeit hatten. In kurzen Referaten erklärte er den Vernissagegästen, dass die Fotografie ein wichtiger Faktor im sozialen Netzwerk war. Vereine und Familien liessen sich mit schmückenden Objekten und in vielfältigen Anordnungen fotografieren, zum Beispiel als Pyramide oder auf Fahrzeugen. Handwerker posierten mit ihren Werkzeugen und bewiesen damit ihren Berufsstolz. Nebst Selbstdarstellung ging es auch darum, den gesellschaftlichen Status zu repräsentieren. Fotos von Familienfeiern seien visuelle Verstärker der Verwandtschaft und Bilder von militärischen Formationen stellten Macht dar, erklärte er.

Ein Leben für die Kultur

Als Vergleich der damaligen zur heutigen Fotografie zeigt Vogel in seiner Ausstellung auch zahlreiche Zeitungsausschnitte. Die moderne Technik macht es möglich, auch Momentaufnahmen von Ereignissen zu machen, zum Beispiel von Leuten in Bewegung. «Den Gruppenbildern früher und heute ist gemeinsam, dass sie der Schwarmlogik folgen», erklärte Vogel. Das bedeute, dass alle das Gleiche tun, wobei jeder das Gefühl habe, er mache etwas Eigenes. Fritz Franz Vogel ist Kultur- und Bildwissenschaftler. Er veröffentlicht Sachbücher und lehrt an verschiedenen Fachhochschulen. Seine Sammlungen mit mehreren Tausend alten Postkarten und Fotos macht er mit Ausstellungen und Bildbänden einem grösseren Publikum zugänglich. Er wohnt mit seiner Partnerin Andrea Buck, Textil-Designerin, in der ehemaligen Tigerfinkli-Fabrik an der Steinerstrasse. Vogel setzt sich als Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft für das kulturelle Leben ein.

Dieter Ritter

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Hinweis

Die Ausstellung dauert bis Ende April. Sie kann täglich nach Voranmeldung per E-Mail fritzfranzvogel@bluewin.ch oder Telefon 044 780 07 1 besucht werden.

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