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DIESSENHOFEN: Die gekrönten Löwen feiern sich

Die Zunft zum Grimmen Löwen feiert ihr 600-jähriges Bestehen. Hierfür hat der Zunftschreiber Hermann Sieber ein Buch zu ihrer Geschichte verfasst. An der Jubiläumsfeier im Unterhof stellte er es vor.
Rahel Haag
Zunftschreiber Hermann Sieber gibt an der Jubiläumsfeier im Unterhof Anekdoten aus seinem Buch zum Besten. (Bild: Donato Caspari)

Zunftschreiber Hermann Sieber gibt an der Jubiläumsfeier im Unterhof Anekdoten aus seinem Buch zum Besten. (Bild: Donato Caspari)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Der Gründer der Zunft zum Grimmen Löwen, Truchsess Molli, war eine Art Vogt und ein eigenwilliger, teilweise gar gewalttätiger Mann. Vielleicht komme daher das Attribut «grimm» im Namen, sagt Zunftschreiber Hermann Sieber.

Am Samstag hat im Unterhof die Jubiläumsfeier zum 600-jährigen Bestehen der Zunft stattgefunden. «Tradition pflegen heisst nicht Asche aufbewahren, sondern das Feuer in die Zukunft tragen», sagt Zunftmeister Willi Itel zur Begrüssung. Das Jubiläum mache ihn stolz. «Viel stolzer dürfen wir sein, dass wir heute die Vernissage eines Zunftbuches feiern können.»

«Zünfter sein, ist gesund»

Strahlend stellt sich der 74-jährige Sieber vor das Rednerpult. Laut Programm mit einer halben Stunde Verspätung, «aber bei 600 Jahren kommt es nicht darauf an», sagt er und erntet bereits die ersten Lacher. Rund 100 Gäste lauschen im Rittersaal aufmerksam seinen Anekdoten. Die 50 Zunftherren tragen das Abzeichen, das die gekrönten Löwen auf rotem Grund zeigt. Unter ihnen der ehemalige Stadtpräsident Walter Sommer. «In der guten, alten Zeit ging es in der Zunft mehr und direkter zur Sache, als in der heutigen», sagt Sieber. Die Wappenscheibe zeige das Zunftessen im Pestjahr 1627. «Während die einen durch Andacht und Kasteiung Gottes Zorn zu besänftigen suchten, erheiterten andere lieber durch Freudengenuss ihre letzten Tage», zitiert Sieber aus der Geschichte von Diessenhofen aus dem Jahr 1838, die Friedrich Hurter geschrieben hat. «Und Zünfter sein, ist auch gesund», fügt Sieber an. An der Monatsversammlung vom 1. Dezember 1918, am Ende der Epidemie der spanischen Grippe, die 25000 Todesopfer forderte, habe der Zunftmeister festhalten können, dass keines der Mitglieder von der Krankheit heimgesucht worden war.

Stadtpräsident Markus Birk, sagt in seiner Ansprache, dass es ihn freue, dass die Stadt das Buch finanziell unterstützt habe. «Es wäre schade, wenn die Anekdoten in Vergessenheit geraten würden.» Besonders interessant habe er das Kapitel «Aufnahme und Ausschluss von Mitgliedern» gefunden. Unter dem Titel «Nicht Aufgenommene» heisst es dort unter anderem, dass ein Kandidat die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht habe, weil wahrscheinlich dessen politische Haltung nicht bürgerlich genug war.

Die beste Tat des Truchsessen Molli

Ein spezieller Programmpunkt folgt nach dem Hauptgang. Dann nämlich betritt der Gründer selbst den Rittersaal. Verkörpert wird Truchsess Molli von Autor Henry Gerlach, der gemeinsam mit der Autorin Monika Küble den Roman «Das Geheimnis der Ordensfrau» geschrieben hat. Vor dem Auftritt liest Küble aus dem Roman vor. Dort gibt es eine Szene, in der Truchsess Molli zwei Gäste im Rittersaal im Unterhof empfängt. Er trinkt zu viel Wein und will anschliessend auf der Leier des anwesenden Musikers spielen. Der ziert sich, weil er fürchtet, sein Instrument könnte zu Bruch gehen. Daraufhin jagt ihn Molli davon. Bei seinem Auftritt beteuert der Truchsess dann, ein friedfertiger Mann zu sein und sagt: «Das beste, was ich als friedliebender Mann gemacht habe, ist die Gründung der Zunft zum Grimmen Löwen.»

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