Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DIESSENHOFEN: Das Städtchen ist sein Schicksal

Noch ein Jahr ist er im Amt. Doch Ende Juni 2017 ist Schluss. Der Diessenhofer Stadtpräsident Walter Sommer tritt nach 30 Jahren zurück. Seinen Abschied aus der Politik verkündet er mit einer Spur Wehmut.
Stefan Hilzinger
Walter Sommer, hinter ihm der Rhein. Der Stadtpräsident ist noch ein Jahr «mit Begeisterung im Amt». (Bild: Donato Gaspari)

Walter Sommer, hinter ihm der Rhein. Der Stadtpräsident ist noch ein Jahr «mit Begeisterung im Amt». (Bild: Donato Gaspari)

DIESSENHOFEN. Unten auf dem Rhein fährt gerade das Kursschiff "Arenenberg" vorbei. "Die 'Schaffhausen' würde für uns Diessenhofer auch passen", sagt Walter Sommer. Gestern gab der Diessenhofer Stadtpräsident bekannt, dass er im Juni nächsten Jahres von seinem Amt zurücktritt – nach 30 Jahren als Stadtpräsident und 34 Jahren als Mitglied der Stadtregierung.

"Diessenhofen gehört nirgendwohin, es ist umgeben", zitiert Sommer sich selbst aus einem Aufsatz, den er einst für die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb. Das Städtchen im "weiten, wilden Westen des Thurgaus" ist dem Juristen in den vergangenen drei Jahrzehnten zum Schicksal geworden. "Aber ich hadere nicht. Im Gegenteil, ich gehe mit einem Gefühl von Befriedigung und Wohlbefinden", sagt Sommer.

Vom Juristen zum Coach

Ein grauses Städtchen sei Diessenhofen gewesen, Mitte der 80er-Jahre, halb so viele Einwohner zählte der Ort damals. "Und schauen Sie sich die Stadt heute an. Millionen haben die Diessenhofer in die Bausubstanz gesteckt." Das sei sicher nicht allein das Verdienst des Stadtpräsidenten, der bis vor zwei Jahren noch Stadtammann hiess. Aus dem Juristen ist über die Jahre ein Politiker geworden, "ein Coach und Moderator", wie er sagt – mit einem Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen und für das, was die Menschen im Moment brauchen. "Wenn wir gute Argumente haben für etwas und diese offen darlegen, brauche ich nicht in die Gesetzbücher zu schauen", sagt Sommer. Besonders wichtig für ihn seien Lagebeurteilungen, Lagebeurteilungen und Lagebeurteilungen, sagt er als Generalstabsoffizier. In den 90er-Jahren versuchte Sommer, Thurgauer Regierungsrat zu werden. Doch seine Parteikollegen von der FDP nominierten den Weinfelder Hermann Lei. "Noch nie gab es einen Regierungsrat aus dem Unterthurgau", sagt Sommer. So blieb er seinen Diessenhofern treu. Mit Anfang/Mitte 50 fragte er sich zwar: "Soll ich nun Personalchef irgendeiner Bude werden?" Doch die Arbeit im Rathaus am Rhein gefiel ihm weiterhin. "Ich ziehe das jetzt durch" – bis zur Pensionierung. Kommendes Jahr wird Sommer 66. "Es gibt keine Papabile, die in den Startlöchern stecken." Der Rücktritt mit einem Jahr Vorankündigung entspricht seinem vorausschauenden Naturell.

Werkleitungen sind wichtig

Mit der Ankündigung des Rücktritts setze bei ihm schon etwas Wehmut ein. Im Rückblick erzählt er von der Sanierung des Unterhofs, dem Bau der Lettenhalle oder der Ansiedlung des internationalen Finanz-Rechenzentrums Swift. "Wissen Sie, es ist hier wie anderswo: Entscheidend ist doch eigentlich, wo und wie Sie Strassen oder Werkleitungen erneuern." Walter Sommer hinterlässt in Diessenhofen seine Spuren, "ohne einen Eiffelturm zu bauen". Die Erneuerungswahl findet am 12. Februar 2017 statt. Die Bewerbungsfrist läuft bis 19. Dezember.

Sommer hat nun Zeit, sich mit dem Ruhestand zu befassen. Er weiss vom Loch, das einen zu verschlucken droht, wenn plötzlich täglich zehn Stunden nicht mehr durchstrukturiert sind. Eine Harley wird er sich nicht anschaffen. "Ich kann mir aber vorstellen, das eine oder andere Buch zu schreiben."

Am Zunftmeisterempfang an der Diessenhofer Fasnacht 2005. (Archivbild: Margrith Pfister-Kübler)

Am Zunftmeisterempfang an der Diessenhofer Fasnacht 2005. (Archivbild: Margrith Pfister-Kübler)

Als Präsident der Thurgauer Elektrizitätswerke setzt er sich 2002 für die Liberalisierung des Strommarktes ein. (Archivbild: Reto Martin)

Als Präsident der Thurgauer Elektrizitätswerke setzt er sich 2002 für die Liberalisierung des Strommarktes ein. (Archivbild: Reto Martin)

1986 als Chef Rechtsdienst im Departement für Inneres und Volkswirtschaft, ein Jahr später wird Walter Sommer Stadtammann. (Archivbild: TZ)

1986 als Chef Rechtsdienst im Departement für Inneres und Volkswirtschaft, ein Jahr später wird Walter Sommer Stadtammann. (Archivbild: TZ)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.