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DIESSENHOFEN: Auf der Mauer, auf der Lauer

Die einen wollen die Ufermauer stürzen, die anderen wollen sie schützen. Nun hat das Thurgauer Departement für Bau und Umwelt die Revitalisierung des Ufers von der Badi bis zur Läui vorerst zurückgestellt.
Stefan Hilzinger
Der befestigte Rheinuferweg oberhalb Diessenhofens, mit Blick flussabwärts. (Bild: Mathias Frei)

Der befestigte Rheinuferweg oberhalb Diessenhofens, mit Blick flussabwärts. (Bild: Mathias Frei)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Was in der Rezession den 1930er-Jahre aus einer Beschäftigungsmassnahme entstanden ist, beschäftigt Diessenhofen heute noch immer: Der gut zwei Kilometer lange Ufermauerweg von der Badi Rodenbrunnen bis zum Campingplatz Läui. Vor einem Jahr unterzeichneten 1738 Diessenhoferinnen und Diessenhofer eine Petition zur Rettung der Ufermauer. Nun hat die Gruppierung für den Erhalt unserer Rheinlandschaft einen Etappensieg erzielt: «Nach sorgfältiger Prüfung hat sich der Kanton zwischenzeitlich entschieden, die Revitalisierung zwischen Badi und Campingplatz zurückzustellen», teilt die Gruppierung mit. Dies ist das Ergebnis eines runden Tisches mit Baudirektorin Carmen Haag von Mitte Februar.

«Ein Kulturgut, das geschützt gehört»

Für die Gruppierung ist klar, dass «der Uferweg auf der bestehenden Mauer in voller Länge unverändert» zu erhalten ist. «Der Weg ist ein Kulturgut», sagt Gerold Brütsch als Sprecher der Gruppierung. Er gehöre zur Diessenhofer Badekultur, sei als Wanderweg direkt am Wasser einmalig und diene dem Schutz von Ufer und Kulturland. Ausserdem erlaube der befestigte Weg den Pontonieren das Treidlen. Treidlen bezeichnet das Schleppen der Fährboote an Seilen vom Land aus gegen den Strom.

Anlass für die Petition boten die Pläne des Kantons, den Abschnitt in ein naturnahes Flachufer umzuwandeln. Die Ufermauer hätte dazu abgebrochen werden müssen. Hintergrund ist das eidgenössische Gewässerschutzgesetz, dass eine Revitalisierung der Flussufer vorschreibt (siehe Kasten). Das Rheinufer bei Diessenhofen ist von nationaler Bedeutung. Die Aufwertung geniesst beim Kanton hohe Priorität und sollte in den nächsten zwanzig Jahren realisiert werden.

«Ein Flachufer nützt den Menschen und der Umwelt»

Auch die Interessengemeinschaft Rheinuferaufwertung (Igra)nahm im Februar am runden Tisch teil. Sie steht im Grundsatz hinter dem Ansinnen des Kantons, die Mauer durch Flachuferzonen zu ersetzen und dem Wasserlauf mehr Platz zu machen. «Die Revitalisierung hätte einen unmittelbaren Nutzen für Mensch und Umwelt», sagt Günter Rieker, Präsident der Igra. Der Weg würde keineswegs verschwinden, sondern würde weiterhin am Rand der neu geschaffenen Uferzone entlangführen. Nutzniesser eines breiten Flachufers wären auch die Jungäschen. Der Bestand der ohnehin raren Fischart ist seit dem Hitzesommer 2003 äusserst fragil. Die Vorteile von Flachufern zeigten sich beim Kloster St. Katharinetal, wo Kinder unbeschwert im flachen Wasser spielen, sagt Rieker. «Kaum jemand erinnert sich an die Mauer, die da mal stand.»

Laut Kanton soll für die Revitalisierung nun ein Abschnitt oberhalb der Läui vorgezogen werden (siehe Interview). Das ist ganz im Sinne der IGRA. «Wir haben dem Kanton diese in Etappen unterteilte Kompromisslösung vorgeschlagen», sagt Rieker. Die Etappierung ermögliche, Methoden der Renaturierung zu erproben. Sie lässt es sogar offen, dass ein kurzer Abschnitt der Ufermauer erhalten bleiben könnte.

Für die Gruppierung für den Erhalt unserer Rheinlandschaft um Gerold Brütsch ist jedoch der integrale Erhalt des Ufermauerwegs das einzig ökonomisch und ökologisch Sinnvolle: «Der Weg ist ein kulturelles Kapital für einen sanften Tourismus.»

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