Dieses Navi kennt kein Funkloch

Das gab es bislang noch nicht: ein Navigationsgerät, das auch in Gebäuden funktioniert. Tim Anliker und Pascal Klingelhöfer haben es entwickelt. Dafür erhielten die beiden Thurgauer Absolventen der Winterthurer Fachhochschule ZHAW höchste Auszeichnungen.

Evi Biedermann
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Pascal Klingelhöfer und Tim Anliker präsentieren auf dem Laptop den Prototyp ihres Ortungssystems. (Bild: Evi Biedermann)

Pascal Klingelhöfer und Tim Anliker präsentieren auf dem Laptop den Prototyp ihres Ortungssystems. (Bild: Evi Biedermann)

WEININGEN. Die Note 6 ist das eine, der Preis das andere. Beides zusammen war die absolute Überraschung für die Elektrotechnik-Studenten Tim Anliker aus Weiningen und Pascal Klingelhöfer aus Sulgen.

Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur (ZHAW) haben die beiden ein Indoor-Navigationssystem entwickelt. Der Prototyp ist in der Lage, Positionswechsel im Innern von Gebäuden oder in Tunnel zuverlässig zu erfassen, auszuwerten und zu visualisieren. Dafür wurden die beiden Studenten der ZHAW-School of Engineering mit dem «Siemens Excellence Award» ausgezeichnet. Der Preis wird jedes Jahr an fünf Schweizer Fachhochschulen vergeben. Prämiert wird jeweils die herausragendste Arbeit in jeder dieser technischen Hochschulen. Pro Hochschule beträgt das Preisgeld 4000 Franken.

Vom eigenen Erfolg überrascht

Die Freude sei gross und die Überraschung an der Diplomfeier perfekt gewesen, erzählt der Weininger Tim Anliker. Die Note hätten sie gekannt, «einen Preis haben wir nicht erwartet». Sagen das nicht alle, die Erfolg haben? Die Antwort widerspricht der Vermutung. «Wir wussten gar nicht, dass wir für den Preis angemeldet waren», stellt Pascal Klingelhöfer lachend klar. Und der Geldsegen könnte sich noch ausweiten. Denn nun sind die beiden Jungforscher für den nationalen «Siemens Excellence Award» nominiert, der ebenfalls jährlich unter den Siegern der fünf Fachhochschulen vergeben wird. Es winken nochmals 10 000 Franken Preisgeld.

Im Einsatz für die Feuerwehr

Wie das Gerät funktioniert, präsentiert Anliker auf seinem Laptop. Der Kurzfilm zeigt ihn mit einem rollatorähnlichen Transporter, wie er um Tische und Regale herumfährt. Die Aufzeichnung des zurückgelegten Wegs erinnert an eine Strassenkarte, auf der eine etwas zittrige Linie kreuz und quer durch ein kleines Quartier führt. Von Nutzen sein könnte das System in Fällen, wo die Position bekannt sein soll, jedoch kein Empfang des globalen Navigationssystems GPS möglich ist – zum Beispiel bei Löscheinsätzen der Feuerwehr in brennenden Gebäuden oder Tunnel. Der Unterschied zum GPS-System besteht darin, dass GPS Sichtverbindung zu Satelliten braucht, während das Indoor-Navigationsgerät ohne dies auskommt.

Spannend und chaotisch

Für die beiden Studenten war die Arbeit ein grosses Experiment. Das sei so in der Forschung. «Man weiss nie genau, was herauskommt», sagt Klingelhöfer. Doch genau dies sei das Spannende. «Unser Hauptziel war nicht das fertige Produkt, sondern etwas zu versuchen.» Dass der Weg manchmal steinig war, verschweigen beide nicht. «Es gab Momente, wo wir ziemlich im Chaos sassen.» Erfolg bedeute jedoch nicht nur, eine vorgegebene Vision zu verwirklichen. Es könne auch sein, dass etwas gar nicht machbar sei. «Eine solche Erkenntnis muss man aber überzeugend begründen», sagt Anliker.

Studenten sind der 23- und der 24-Jährige nun nicht mehr. Anliker hat sich für ein Jahr an einem Institut der ZHAW verpflichtet. Klingelhöfer weiss noch nicht, wohin sein Weg führen wird. So verhält es sich auch mit dem Gerät, das sie entwickelt haben. «Es wird wohl irgendwo im Archiv der Hochschule liegen», mutmasst Anliker. Auch das gehört zur Forschung: viele kleine Schritte von ebenso vielen klugen Köpfen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.