Dieses Haus ist ihr Schicksal

Der Architekt Bernard Roth und die Arztsekretärin Doris Tanner leben in Kreuzlingen, in einem Haus, das Roth selber gebaut hat und in dem es nur bunte Wände gibt. Dass sie dort einziehen, war gar nicht geplant.

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Grün wie die Hoffnung: Doris Tanner und Bernard Roth in ihrem Wohnzimmer mit den farbigen Wänden. (Bilder: Nana do Carmo)

Grün wie die Hoffnung: Doris Tanner und Bernard Roth in ihrem Wohnzimmer mit den farbigen Wänden. (Bilder: Nana do Carmo)

Bernard Roth: «Dieses Haus ist so etwas wie unser Schicksal. Es ist eines von vier Häusern, die ich gebaut habe, alle im gleichen Stil. Der Käufer ist während der Bauzeit tödlich verunglückt. Danach gab es zwar immer Interessenten, aber mit dem Verkauf hat es irgendwie nicht geklappt. Doris und ich lebten damals in einer 31/2-Zimmer-Wohnung in Tägerwilen. Wir haben uns dort wohl gefühlt. Kurz bevor das Haus fertig wurde, haben wir dann aber doch beschlossen, dass wir selber einziehen.»

Drei Farben

Doris Tanner: «Ja, und dann stand auch schon der Maler da und wollte wissen, wie er die Wände streichen soll. Wir haben uns für kräftige Farben entschieden, im Erdgeschoss Grün, oben Blau und im Untergeschoss Orange. Alles andere war so gut wie fertig. Das war super. Wir mussten keine Plättli aussuchen, keinen Bodenbelag. Wir dachten zuerst, wir müssen jetzt viele Möbel kaufen. Aber wir haben gar nichts mehr gebraucht. Jetzt ist einfach alles nicht mehr so vollgestellt wie in der Wohnung.»

Bilder keiner Ausstellung

Bernard Roth: «Die grossen Bilder im Wohnzimmer hat Roland Dostal gemalt, ein Thurgauer Künstler. Ich mag seinen Stil, auch das andere Bild hier ist von ihm. Als wir eingezogen sind, habe ich ihn gefragt, ob er etwas für diese Wand malen könne. Wir haben fast ein Jahr gewartet, bis die Bilder fertig waren. Als er sie brachte, hat er uns noch ein viertes dazugegeben. Quasi eine Dreingabe. Ich glaube, das war die Verzinsung, wir hatten ihn nämlich gleich nach dem Auftrag bezahlt.»

Doris Tanner: «Was ich besonders mag, ist das Gefühl von Wärme, das dieses Haus ausstrahlt. Es ist aus Holz, und das spürt man. Die Terrasse ist fast wie ein zweites Wohnzimmer. Der grosse Baum in der Mitte ist ein gefächerter Spitzahorn, er sieht auch im Winter schön aus, wenn der Reif auf den feinen Ästen liegt. Der Aussenbereich ist sehr wichtig für uns, weil wir keine Aussicht haben, keine Berge, keinen See. Wir wohnen sehr abgeschlossen, aber dennoch offen. Den Brunnen hat Bernard selber entworfen.

Das Plätschern höre ich wahnsinnig gern, es ist so entspannend.»

Bernard Roth: «Die Küche ist einer meiner Lieblingsplätze. Sie ist eine Massanfertigung. Kochen ist mein Hobby. In meinem Beruf als Architekt dauert alles so wahnsinnig lang. Es gibt Projekte, die ziehen sich über 20 Jahre hin. Beim Kochen dagegen hat man einen schnellen Erfolg. Du kaufst ein, du bereitest zu und dann siehst du an den Gesichtern der Gäste ziemlich schnell, ob es ihnen schmeckt. Wir haben zwei Backöfen.

Das ist praktisch, wenn Besuch da sind. Man schiebt den Topf mit dem vorbereiteten Essen in den Backofen, und während es brät, kann man sich entspannt mit den Gästen unterhalten.»

Doris Tanner: «Ich koche überhaupt nicht gerne. Kochen bedeutet für mich Stress. Dafür liebe ich Blumen. Man nennt es wohl einen grünen Daumen. Aus Apulien habe ich vor eineinhalb Jahren eine Pflanze mitgebracht, eigentlich war es mehr ein Stengel. Aber sie ist jetzt schon ziemlich gross geworden.

Ich liebe sie heiss und innig. Oft verschenke ich Pflanzen, weil die Töpfe sonst überhandnehmen. Im Keller habe ich mir eine Blumenwerkstatt eingerichtet. Es macht mir Spass, Dinge zu gestalten. Das Regal vor dem Eingang habe ich selber zusammengeschweisst.»

Bernard Roth: «Das Haus ist ungemein flexibel, es passt zu uns und unserem Lebensstil. Wir haben so viele Sitz- und Liegeplätze, drinnen wie draussen. Das Studio im Untergeschoss ist ideal, weil wir oft Besuch von unseren Kindern haben.

Es ist, als hätten sie ihre eigene Wohnung.»

Aufgezeichnet von Ida Sandl

Die Küche ist offen und hat zwei Backöfen.

Die Küche ist offen und hat zwei Backöfen.

Das Holzhaus von der Terrasse aus gesehen.

Das Holzhaus von der Terrasse aus gesehen.

Den Brunnen aus Eisen hat Bernard Roth selber entworfen.

Den Brunnen aus Eisen hat Bernard Roth selber entworfen.