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Die wunderbar süffige Welt des Biers

Es eignet sich zum Zähneputzen, lässt sich zu Chips verarbeiten, riecht nach Eichenholz oder Orangen, hat den Geschmack reifer Bananen und muss schäumen – oder auch nicht: Bier.
Mathias Frei
Mathias Oeschger von der Glarner Brauerei Adler schenkt eine Probierportion Vrenelisgärtli-Bier ein. (Bilder: Andrea Stalder)

Mathias Oeschger von der Glarner Brauerei Adler schenkt eine Probierportion Vrenelisgärtli-Bier ein. (Bilder: Andrea Stalder)

Es eignet sich zum Zähneputzen, lässt sich zu Chips verarbeiten, riecht nach Eichenholz oder Orangen, hat den Geschmack reifer Bananen und muss schäumen – oder auch nicht: Bier. Neun von zehn getrunkenen Bierli in der Schweiz sind entweder eine Stange, also ein helles Lagerbier, oder ein Spezli. Allerweltsbiere. Am ersten Frauenfelder Bierfestival geht es um die anderen zehn Prozent. Die Getränke Hahn AG hat dazu am Freitagabend und Samstag eingeladen.

Gastgeber ist Stefan Hahn. In der Getränkehandlung führt der diplomierte Biersommelier knapp 200 Biere. Für den zweitägigen Degustations-Event hat er befreundete Brauereien und Bierimporteure eingeladen. So kann man sich in der Getränke-Lagerhalle durch hundert verschiedene Biersorten probieren. Bei Stefan Hahn gibt's die Fischinger Pilgrim-Biere zu degustieren. Drei, vier Schlucke, ein wenig gefachsimpelt – und weiter geht's zum nächsten Bier.

Bier statt Wein zum Essen

Hahn bezeichnet sich selber als Genussbiertrinker. Lagerbier trinkt er nur noch selten, dafür ein gutes Bier zu einem guten Essen anstatt Wein. Hahns Vorgabe für das Bierfestival war: kein Lagerbier, keine Spezli. «Bei einem Testessen tischt der Koch ja auch nicht Schnitzel/Pommes auf.»

Kein Schni-Po, dafür die riesige Facette von hochwertigen Bieren. Das zieht Publikum an. Am späteren Samstagnachmittag wird es fast schon ein wenig eng in der kühlen Halle zwischen den zwölf Ständen. Wo es etwas zu probieren gibt, bilden sich kleine Menschentrauben.

Chips aus Bierabfällen

«Hat es da auch Alkohol drin?», fragt ein Besucher und zeigt auf die Gerstenmalz-Chips. Franz Grob von der Brauerei Locher aus Appenzell lacht. Das Gerstenmalz als Abfallprodukt aus dem Brauprozess wird wiederverwendet. Die Chips sind lecker, dazu passt ein Indian Pale Ale (IPA) namens Birra Artigianale aus Appenzell.

IPA-Biere liegen im Trend. Die Brauerei Adler aus dem glarnerischen Schwanden hat vergangenes Jahr eine neue Produktelinie mit drei hochwertigen Bieren lanciert: ein IPA, ein belgisches Blanche und ein Bockbier. Die Biere heissen Vrenelisgärtli, Rufelihund und Geisser, benannt nach Glarner Sagen. Das Rufelihund schmeckt ähnlich wie das Appenzeller IPA. «Bier wird immer interessanter», sagt Mathias Oeschger von Adler Bräu.

Vor drei Jahren gingen bei der Winterthurer Brauwerkstatt Doppelleu die ersten Biere raus. Wie René Stutz erklärt, hat die Brauwerkstatt von Anfang an auf obergäriges Bier gesetzt, «als Ergänzung zu den Lagerbieren der Grossen». Stutz schenkt unter anderem ein Doppelleu-Bier Oak Wood Red Ale zum Probieren aus. Es sei ein wenig zu kalt, entschuldigt er sich. Es gelte: mindestens ein Grad Celsius pro Volumenprozent Alkohol. Das auf Eichenholz gereifte Bier schmeckt gleichwohl spannend und nach Caramel.

Gegenüber ist der Stand des Hüttlinger Schlossbiers. In dieser Mikrobrauerei werden einmal monatlich rund 200 Liter gebraut, wie Mitbetreiber Manuel Hollenstein sagt. «Wir machen noch alles von Hand.»

Weiter geht es bei Schützengarten aus St. Gallen. Im Vergleich zu amerikanischen Brauereien ebenfalls eine Mikrobrauerei, in der Schweiz aber einer der grössten Bierproduzenten, wie Biersommelier Markus Walter erklärt. «Mikrobrauereien tun der Bierkultur gut», sagt er und schenkt zuerst ein Gallus Old Style Ale (perfekt zu dunklem Fleisch) aus, danach ein Weisser-Engel-Weissbier, das im Abgang nach Banane schmeckt. Die hohe Kunst des Brauens sei es, immer höchste Qualität zu produzieren, sagt Walter und rät, bei möglicherweise verschmutztem Wasser mit Bier die Zähne zu putzen.

Weinsommelier mit Sauerbier

Zum Schluss noch Stephan Zwahlen vom grössten unabhängigen Schweizer Bierimporteur Amstein. Er ist Weinsommelier, nach eigenen Angaben ein Bierexot, der findet, dass Bier beim Einschenken schäumen muss. Sein saures Cuvées des Jacobins aus Belgien hat Zitrusnoten und ist höchst erfrischend. Zum Glück schliesst das Bierfestival bald. Sonst würde man hier verhocken. Aber aller Voraussicht gibt gibt es nächstes Jahr ja eine Fortsetzung, sagt Stefan Hahn.

Stefan Hahn Biersommelier und VR-Mitglied Getränke Hahn AG (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Stefan Hahn Biersommelier und VR-Mitglied Getränke Hahn AG (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

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