«Die wollen Mehrertrag verhindern»

FRAUENFELD. Die aktuellen Vorschriften für Förderbeiträge bei umweltfreundlichem Güllen werden im Thurgau noch immer kritisiert. Landwirt und Kantonsrat Moritz Tanner vermisst eine Kantonsregierung, die sich in Bundesbern für bessere Bedingungen starkmacht.

Silvan Meile
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Umweltschonender und weniger stinkend: Durch Güllen mit Schleppschläuchen entweicht weniger Ammoniak in die Luft. (Bild: Donato Caspari)

Umweltschonender und weniger stinkend: Durch Güllen mit Schleppschläuchen entweicht weniger Ammoniak in die Luft. (Bild: Donato Caspari)

Umweltschonendes und weniger stinkendes Güllen sorgt im Thurgau weiterhin für dicke Luft. Bereits zweimal gelangte SVP-Kantonsrat Moritz Tanner aus Winden mit einer Anfrage an den Regierungsrat. In seiner Interpellation «Fragwürdige Weisung bezüglich Schleppschlaucheinsatzes» will Tanner unter anderem wissen, was der Regierungsrat unternehme, um den Ausstoss von Ammoniak beim Güllen weiter zu verringern.

Tanner fühlt sich bestraft

Grund für Tanners Unmut ist, dass sich die Bedingungen verschlechterten. Die Thurgauer Landwirte nahmen beim Ressourcen-Projekt Ammoniak eine Vorreiterrolle ein. Der Bund wählte den Thurgau als Pilotkanton aus. Weniger Ammoniak soll beim Güllen in die Luft abgegeben werden, dadurch stinkt es beim Güllen auch weniger in der Nachbarschaft. Der Erfolg bringen die sogenannten Schleppschläuche. Dank ihnen kann die Gülle direkt in den Boden ausgetragen werden, statt sie durch die Luft zu spritzen. Das findet überall Anklang.

Doch einige Thurgauer Bauern fühlten sich hintergangen, als sich für sie die Bedingungen nach dem Ablauf des Pilotprojekts zu ihren Ungunsten änderten: Sie erhielten weniger Fördergelder und durften aufgrund eines Stickstoffabzugs rund zehn Prozent weniger Gülle über die Schleppschläuche austragen, um noch von der finanziellen Unterstützung profitieren zu können.

Spitzenreiter bei Bundesgelder

Es sei kein kantonales Programm zur zusätzlichen Förderung der Schleppschläuche geplant, hält der Regierungsrat in seiner Antwort fest. Zwar hätte nach Abschluss des Pilotprojekts im Thurgau die Zahl beteiligter Bauern tatsächlich von 865 auf 613 abgenommen. Im laufenden Jahr sei ihre Zahl jedoch bereits wieder auf knapp 700 gestiegen. Bezüglich Bundesbeiträge, die für emissionsminderndes Güllen ausbezahlt werden, sei der Thurgau im schweizweiten Vergleich «noch immer absoluter Spitzenreiter».

«Die wollen Ertrag verhindern»

Moritz Tanner stinkt diese Entwicklung des sogenannten Ressource-Projekts Ammoniak dennoch gewaltig. Und mit der Beantwortung seiner Interpellation ist er überhaupt nicht zufrieden. Er hätte erwartet, dass sich der Thurgau in Bern stark-macht, damit wenigstens der Stickstoffabzug gestrichen wird.

Weil weniger davon in die Luft abgehe, müsse auch weniger in den Boden einfliessen, so die Begründung des Bundes. «Diese Begründung ist völlig stupid und nicht bewiesen», sagt Tanner: «Die wollen verhindern, dass man auf diesem Boden nicht mehr Ertrag erzielen kann.»

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