Die Wahl liegt bei den Schülern

FRAUENFELD. BDP-Kantonsrat Roland A. Huber will die akademische Bildung fördern und die Maturaquote erhöhen. SVP-Kantonsrat Daniel Vetterli hat kein Verständnis dafür. Denn damit produziere man lediglich Arbeitslose.

Michèle Vaterlaus
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Maturaquote erhöhen oder senken? Die Meinungen gehen auseinander. (Bild: Reto Martin)

Maturaquote erhöhen oder senken? Die Meinungen gehen auseinander. (Bild: Reto Martin)

Kanti oder Lehre? Lehre mit oder ohne Matura? Im Thurgau entscheiden sich die meisten Jugendlichen gegen die Kantonsschule. Rund 14 Prozent machen schliesslich die gymnasiale Matura. Für BDP-Kantonsrat Roland A. Huber (Frauenfeld) ist diese Quote an der unteren Grenze. Er ist der Meinung, dass die akademische Bildung gestärkt werden soll. Das hat er in einem Vorstoss geschrieben, in dem er vom Regierungsrat ein Konzept für die Thurgauer Mittelschulen (Ausgabe vom 14. November) fordert. «Auf keinen Fall darf die Quote sinken», sagt er.

Klar für eine Erhöhung der Quote spricht sich Stefan Schneider, Rektor der Kantonsschule Romanshorn, aus. «Der Thurgau bildet mit dem Kanton St. Gallen das Schlusslicht der Quoten in der Schweiz. Wir könnten uns dem Durchschnitt anpassen.» Der Durchschnitt liegt bei knapp 20 Prozent. Er begründet dies damit, dass der Thurgau schliesslich auch auf Akademiker wie Ingenieure oder Ärzte angewiesen sei, und diese solle er aus der eigenen Bevölkerung rekrutieren.

Quote bringt Arbeitslose

Gegen eine Erhöhung der Quote ist SVP-Kantonsrat Daniel Vetterli (Rheinklingen). Zwar hat er nichts gegen die akademische Ausbildung im naturwissenschaftlichen Bereich. Denn Ingenieure werden gebraucht, sagt er. Aber er stört sich daran, dass einige Maturanden schliesslich ein «Regenbogenfach» studieren, wie beispielsweise Germanistik oder Philosophie. «Das braucht die Wirtschaft nicht.» Er kritisiert, dass erst die Matura einen Haufen Geld koste, dann das Studium, und am Schluss seien die Absolventen noch arbeitslos. «Mit der akademischen Ausbildung produziert man nur Arbeitslose. Denn eine höhere Maturaquote geht mit einer höheren Arbeitslosenquote einher», sagt er.

Genau gleich wie Kantonsrat Vetterli argumentiert Richard Nägeli, Präsident der Berufsbildungskommission Thurgau. «Es gibt wissenschaftliche Studien, die diesen Zusammenhang belegen», sagt er und fügt an, dass des weiteren Tests belegen, dass ein Absolvent der Berufslehre in seiner persönlicher Reife weiter entwickelt ist als ein Maturand. Er spreche sich vor allem für das duale Bildungssystem aus. «Entscheidend ist nämlich nicht eine Quote, sondern wie viele Jugendliche wir erfolgreich ins Arbeitsleben bringen können.»

Qualität vor Quantität

In den Regierungsrichtlinien 2012 bis 2016 ist jedoch festgehalten, dass die Quote der beruflichen und gymnasialen Maturität moderat gesteigert wird. «Dagegen habe ich mich damals schon gewehrt», hält Nägeli fest.

Die zuständige Regierungsrätin Monika Knill erklärt, dass der Fokus nicht auf der Quote liege. Sie habe sowieso wenig Verständnis für eine reine Quotendiskussion. «Vielmehr geht es darum, das brachliegende Potenzial der Schüler zu nutzen, indem ihnen die Möglichkeiten aufgezeigt werden», sagt sie. Das könne natürlich einen Einfluss auf die Maturitätsquote haben. Aber sie stehe nicht im Vordergrund. Vor allem will Knill vermeiden, dass die Quote auf Kosten der Qualität erhöht wird. «Das erschwert den Maturanden nur den Übergang an die Hochschulen. Doch wir wollen vermeiden, dass eines Tages Aufnahmeprüfungen für die Hochschulen eingeführt werden.»

Die Diskussion sei vielleicht auch ein Kampf um Schüler. Denn in den vergangenen Jahren haben die Schülerzahlen abgenommen. Die Unternehmen brauchen aber Lehrlinge und die Mittelschulen Schüler. «Wir hatten in den letzten Jahren aber eine konstante Zahl an Lehrverhältnissen», sagt Knill. Die Schülerzahlen seien wieder steigend. «Die Talsohle haben wir bereits durchschritten.»

Entscheid liegt bei Schülern

Knill sagt, dass die Schüler bei der Diskussion um eine Maturaquote nicht vergessen werden dürfen. Sie haben im Endeffekt die freie Wahl, was sie machen wollen: ob Kanti oder Lehre. Lehre mit oder ohne Matura. «Unsere Aufgabe ist es lediglich, die Jugendlichen zu beraten und ihnen Angebote aufzuzeigen.»