Die Vorräte sind bald aufgebraucht

KALTENBACH. Auf Einladung der SVP Untersee-Rhy haben Politiker und Entscheidungsträger an einem Podium in Kaltenbach über Chancen und Risiken rund um den Thurgauer Strommix ohne Kernenergie diskutiert.

Manuela Olgiati
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Ueli Küng Gruppe «besorgter Etzwiler» (Bild: Manuela Olgiati)

Ueli Küng Gruppe «besorgter Etzwiler» (Bild: Manuela Olgiati)

Die Energie ist ein Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes. Darüber hinaus nimmt die Bedeutung der Energieversorgung stetig zu. Andrea Paoli, der Leiter der Fachstelle Energie Thurgau, fordert in seinem Referat am Freitagabend in der vollbesetzten Aula in Kaltenbach, dass jeder seinen Beitrag leisten kann, Chancen mit den vorhandenen Rohstoffen zu nutzen. Er macht darauf aufmerksam, dass bald alle fossilen Vorräte aufgebraucht sind. Dass diese Rohstoffe aufgrund des steigenden Energiebedarfs zu immer höheren Preisen bald zur Neige gehen werden, erfordere ein zügiges Umdenken in der Energiepolitik. Laut Energie-Strategie des Thurgauer Regierungsrates soll möglichst viel Strom im eigenen Kanton produziert werden.

Um die Stromnachfrage zu klären, gebe es verschiedene Systeme. Es sollen Strategien für den Thurgau festlegt werden, wie eine Stromversorgung ohne Kernenergie realisiert werden könnte. Im Grundlagenbericht nennt die Regierung die Energiesteuer «Investitionsförderabgabe». Demokratisch stehen verschiedene Parteien hinter dem Ziel Ausstieg aus der Kernenergie.

65 Prozent im Jahr 2020

Podiumsleiter und Kantonsrat Daniel Vetterli leitet eine Debatte mit den geladenen Gästen, die auf das Interesse zielt, den sparsamen Stromverbrauch zu fördern. Dieser Schritt in der Umsetzung müsse breit abgestützt sein. Es brauche Gesetzesänderungen. Im Thurgauer Energiekonzept ist vorgesehen, in den nächsten sechs Jahren den Atomstrom-Anteil um rund zehn Prozent zu senken. Somit dürfte der Atomstrom im Jahr 2020 im Thurgauer Strommix nur noch 65 Prozent ausmachen. Mit dem gesteigerten Stromverbrauch sei die Abhängigkeit von Atomstrom im Thurgau hoch. Dann müssten hohe Niedertarife überdacht werden, wirft ein Diskussionsteilnehmer in die Runde. Bandenergie liefern noch Kernkraftwerke jeden Tag rund um die Uhr, sagt Kantonsrat David Blatter aus Kreuzlingen. Der Verwaltungsrat des EKT betont, dass man in der lokalen Energieversorgung der 100 Werke herausgefordert werde. Wenn jede Gemeinde die Verantwortung für die lokale Energieversorgung tragen wolle, müsse ein intelligentes Netzwerk funktionieren.

Kontrovers diskutiert wird die Wasserkraft. «Hier wurden viele Projekte unterstützt, mehr gehe nicht», sagt Stefan Kunz, Geschäftsführer der Aquaviva und Gegner von «Höherstau Rhein». Daher gelte sein Augenmerk der Photovoltaikanlage.

Für die Schweiz Pionierprojekte

Ueli Küng ist als Vertreter der «Gruppe besorgter Etzwiler» des Geothermiekraftwerkes Etzwilen am Podium vertreten. Auch wenn sich die hydrothermale Geothermie auf jahrzehntelange Erfahrungen in der Bohrtechnik abstützen kann und in Deutschland solche Werke in Betrieb sind, seien es in der Schweiz Pionierprojekte. Die Mitglieder der Begleitgruppe Etzwilen setzen sich für eine Beweissicherung ein. Solange die Risiken für Mensch und Natur nicht bekannt seien, könne kaum Zuversicht in einem solch grossen Projekt stecken, sagt Ueli Küng.

Morgen und am Dienstag, 25. März, wird die Bevölkerung von Etzwilen zu weiteren Informationsveranstaltungen zum Projekt Geothermiekraftwerk Etzwilen eingeladen.