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Die Vögel werden faul

Viele Thurgauer Störche sind bereits aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt. Für Experten ist die frühe Rückkehr der Vögel nur noch wenig aussergewöhnlich. Seit einiger Zeit ist jedoch zu beobachten, dass sogar wilde Störche lieber hier bleiben als gegen Süden zu fliegen.
Donat Beerli
Daniel Schedler Gesellschaft Storch Schweiz (Bild: pd)

Daniel Schedler Gesellschaft Storch Schweiz (Bild: pd)

KRADOLF-SCHÖNENBERG. Kradolf hat seine Störche wieder. Der Horst auf dem Kamin der ehemaligen Kraftzentrale neben der Thurbrücke wird bereits seit zehn Tagen wieder von einem Storchenpaar besetzt. «Einer der beiden ist über den Winter gar nicht weggeflogen», sagt Hikmet Kahveci von der Firma Interpars AG nebenan. Seit zwei Jahren beobachtet der Interpars-Mitarbeiter das Treiben der Störche, wenn er frühmorgens zu Fuss vom Bahnhof über die Thurbrücke zur Arbeit kommt.

Nicht alle fliegen weg

Das Verhalten des Kradolfer Storchenpaars ist keine Überraschung für den Regionsleiter Ostschweiz von der Gesellschaft Storch Schweiz, Daniel Schedler. «Wir beobachten dieses Phänomen immer wieder», sagt er. Wahrscheinlich zögen ungefähr 30 bis 40 Prozent der Störche über den Winter nicht mehr in den Süden.

Dass viele Störche in der Schweiz bleiben, hat vor allem mit den Wiederansiedlungsprojekten in der Schweiz zu tun: Vor einem halben Jahrhundert wurden Weissstörche aus Nordafrika in die Schweiz importiert, weil die einheimische Population erloschen war. 1998 wurden die Wiederansiedlungen beendet. «Diese Projektvögel verlieren ihren natürlichen Zugtrieb», sagt Storchenkenner Schedler. In letzter Zeit sei jedoch ein neues Phänomen zu beobachten: Störche, die in der Wildnis aufgewachsen sind, würden über den Winter ebenfalls vermehrt in der Schweiz bleiben. Solche Fälle gebe es auch im Thurgau, sagt Schedler. «Störche sind Opportunisten. Warum einen weiten und gefährlichen Weg auf sich nehmen, wenn man zu Hause alles zum Überleben vorfindet?

Lieber Spanien als Afrika

Schon etwas länger zu beobachten ist die Anpassung der Flugroute der ziehenden Störche. Viele von ihnen, welche die westliche Flugroute gegen Süden wählen, bleiben im Winter inzwischen vorzugsweise in wärmeren Regionen Europas und fliegen nicht mehr bis nach Westafrika. In Südspanien beispielsweise finden sie Nahrung in Reisfeldern, aber vor allem auf den grossen, offenen Mülldeponien im Land.

Störche müssen sich anpassen

Dort erwartet die Vögel jedoch demnächst eine Veränderung: Die EU will bis 2016 den organischen Anteil des deponierten Mülls in den EU-Ländern auf bis zu drei Prozent reduzieren. Ziel dieser Massnahme ist die Reduktion der Emissionen von klimaschädlichem Methan. «Damit fällt der Müll als Nahrung für die überwinternden Störche weg», sagt Schedler. Die Folgen der Massnahme seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen. Bereits würden in Spanien jedoch Projekte realisiert, um natürliche Biotope für die Tiere zu schaffen.

Dass der weggezogene Kradolfer Storch bereits wieder aus seinem Winterquartier zurück geflogen kam, ist keine Seltenheit. Margrith Enggist von «Storch Schweiz» hat in den vergangenen Wochen mehrere Anrufe von Thurgauer Bürgern bekommen, die ihr das Eintreffen von Störchen an ihrem Wohnort gemeldet haben. So sind die Vögel neben Kradolf auch in Wigoltingen, Bürglen, Frauenfeld, Kesswil und Güttingen in ihre Sommerresidenz zurückgekehrt. Ein spezieller Fall ist Pfyn: Dort ziehen die Weissstörche schon seit einiger Zeit nicht mehr weg. Die Ankunft der Thurgauer Störche überrascht sie nicht: «Eine Rückkehr im Februar ist zwar früh», sagt Enggist, aber keine neue Erscheinung. Das habe vor allem mit dem Klimawandel zu tun, denn die Winter in der Schweiz seien milder geworden. Und auch wenn es jetzt nochmals kältern werden sollte, hat Enggist für die zurückgekehrten Störche keine Bedenken. «Das sind sehr anpassungsfähige Tiere.»

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