Die verschollenen Krippenfiguren

Im Oktober 2004 entschloss sich meine Mutter, zu uns in die Schweiz zu ziehen. Sie hatte ihren 90. Geburtstag in ihrem schönen Heim in der Lüneburger Heide noch feiern können. Das bedeutete für mich, meine Schwester und meine Familie Auflösung eines Haushaltes und Aufgabe eines wunderschönen Daheims.

Gerda Hanselmann-Höper, Mannenbach-Salenstein
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Im Oktober 2004 entschloss sich meine Mutter, zu uns in die Schweiz zu ziehen. Sie hatte ihren 90. Geburtstag in ihrem schönen Heim in der Lüneburger Heide noch feiern können. Das bedeutete für mich, meine Schwester und meine Familie Auflösung eines Haushaltes und Aufgabe eines wunderschönen Daheims.

Es war Sommer, die Kirchgemeinde Buchholz in der Nordheide organisierte einen Flohmarkt. Man konnte bringen und natürlich kaufen. Auch wir konnten etliche Sachen zur Verfügung stellen. Der Erlös sollte hilfsbedürftigen Familien zugute kommen. Ich war eigentlich schon lange auf der Suche nach schönen Krippenfiguren. 35 Zentimeter grosse Figuren wurden angeboten, die angeblich jemand wegen Nichtgebrauchs zum Verkauf gespendet hatte.

Nach längerem Hin und Her, Für und Wider entschloss ich mich, diese Krippenfiguren zu kaufen mit dem Hintergedanken, noch ein letztes Andenken an die Heimat meiner Mutter zu erwerben. 50 Euro sollten sie kosten, erworben habe ich sie dann aber für 100 Euro, um auch den guten Zweck zu unterstützen. Ich traf Mamas Nachbarin auf dem Flohmarkt und erzählte ihr voller Freude von meinem Kauf. Die Figuren brachte ich in der Originalschachtel – der Drechsler aus dem Erzgebirge war noch vermerkt – in die Schweiz.

Ende November öffnete ich dann die grosse Schachtel, ich wollte die Krippenfiguren aufstellen. Mama, meine Familie und ich waren angetan und gestalteten die Weihnachtsgeschichte immer wieder auf andere Art. Wir waren alle in vorweihnachtlicher Stimmung.

Dann kam der 20. Dezember. Das Telefon klingelte abends um zehn Uhr. Das Pastorat in Buchholz fragte an, ob ich im Sommer biblische Figuren auf dem Flohmarkt erworben hätte, sie würden ihre Krippenfiguren vermissen. Ich war erstaunt über die Anfrage und ahnte Schlimmes, es konnte ja jeder telefonieren, behaupten und etwas zurückverlangen, das ich rechtmässig erworben hatte. Ich kannte ja die Pastorin gar nicht. Anschliessend lief das Telefon heiss, die Buchholzer Nachbarn wurden informiert, es wurde nachgefragt und beraten. Aber ich konnte doch nicht die Krippenfiguren der Kirchgemeinde behalten! Also habe ich die grosse Schachtel mit den Figuren nach Konstanz auf die Post gebracht und per Express aufgegeben. Am 22. Dezember kam die Nachricht, dass die Fracht wohlbehalten in Buchholz angekommen sei. Ein Stein sei allen vom Herzen gefallen.

Nun ist die Geschichte noch nicht zu Ende: Da meine Mama das Ganze hautnah miterlebte, bestellte sie bei diesem Künstler die gleichen Krippenfiguren in kleinerer Ausführung. Diese Krippe bedeutet mir viel, es war das letzte Geschenk meiner Mama, mit der ich sehr eng verbunden war. Das Pastorat von Buchholz schickte mir noch einen dazugehörenden Engel als Dank für mein spontanes Retten der kirchlichen Weihnacht. Die Geschichte um unsere Krippe wird jede Weihnacht wieder lebendig.

Es war richtig, die schönen Figuren zurückzugeben. Ich hätte sonst jede Weihnacht ein schlechtes Gewissen gehabt.