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Die verhinderten fünf Parkplätze im Grünen

Konkrete Kunst statt Autos
Die Rasenfläche an der Ecke Promenadenstrasse/Zürcherstrasse mit Natale Sapones Stahlskulptur, rechts vorne angeschnitten das Haus «Zur Krone», in der Mitte das Haus «Zur Palme», rechts hinten das Bernerhaus («Zur Geduld»). (Bild: Reto Martin)

Die Rasenfläche an der Ecke Promenadenstrasse/Zürcherstrasse mit Natale Sapones Stahlskulptur, rechts vorne angeschnitten das Haus «Zur Krone», in der Mitte das Haus «Zur Palme», rechts hinten das Bernerhaus («Zur Geduld»). (Bild: Reto Martin)

In Frauenfeld redet man gerne über Parkplätze. Es gibt zu viele oder zu wenige. Die einen sind zu schmal, die anderen zu breit, also Parkplätze für die Geländelimousinen (SUV). Man sucht sie nicht im Parkhaus und findet sie nicht in der Altstadt. Parkplätze liegen manchmal richtig, aber meistens am falschen Ort. Und sowie­so. Gopferteckel. Immer diese Parkplätze und immer die, die über diese Parkplätze fluchen. Versöhnlich stimmt einen, dass die Frauenfelder Parkplatzfrage nicht neu ist. Das gab es schon früher.

«Der Umbau der Gebäulichkeiten gab immer wieder Probleme auf, die nur durch Kompromisse aller Beteiligten gelöst werden konnten.» So steht es in der TZ-Ausgabe vom 17. September 1971 in der dreiseitigen Baureportage zum Umbau der Filiale der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) am Bankplatz. Denn eine anfänglich projektierte Parkanlage auf der Westseite der Häuser «Zur Krone» und «Zur Palme» habe man aufgrund eines «regierungsrätlichen Beschlusses» fallenlassen müssen. Und weiter: «So dass die Grünzone weiterhin erhalten werden kann.» Effektiv ging es nicht um eine Parkanlage, sondern um eine Parkieranlage. Die SKA wollte im Rahmen des Komplettumbaus ihrer zwei Liegenschaften fünf Parkplätze erstellen lassen.

An der Promenadenstrasse gegenüber des Regierungsgebäudes gab es schon einmal Längsparkplätze. Die wurden vor wenigen Jahren mit der Eröffnung des Altstadt-Parkhauses aufgehoben. Das Trottoir wurde dort breiter. Anfang der 1970er-Jahre ging es um die Rasenfläche hinter dem Trottoir, an der Ecke Promenadenstrasse/Zürcherstrasse, vis-à-vis des Regierungsgebäudes. Gemäss amtlicher Vermessung sind es 397 Quadratmeter Grünfläche. An der Seite zur Zürcherstrasse steht das Haltestellen-Glashaus «Altstadt» des Stadtbusses. Daneben ein Baum. Der Rasen ist derzeit durch ein rot-weisses Band abgesperrt, wie einer provisorischen Beschilderung zu entnehmen ist. Gesperrt für Stadtgolfer, aber nicht für die Metallskulptur des konkreten Künstlers Natale Sapone. «Pentagon-Konstellation, 1988, Chromstahl lackiert, 210 × 120 × 80 cm», liest man in der Bushaltestelle auf Glas. Kunst im öffentlichen Raum, mitten auf dem Rasen, dort, wo einmal Parkplätze geplant waren. Dort, wo sich laut einer Empfehlungskarte des «Hôtel de la Couronne d’or» von 1815 ein grosser französischer Lustgarten befand.

Der kantonale Denkmalpfleger Ruedi Elser hat kürzlich im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der Credit Suisse in Frauenfeld über die Baugeschichte der «Krone» und der «Palme» referiert. Elser mutmasst mit einem Schmunzeln, die Parkplätze seien verhindert worden, um die Aussicht aus dem Regierungsgebäude nicht zu schmälern. Denn der kantonale Denkmalpfleger weiss natürlich, wie es wirklich gewesen ist. Ein Vorgänger Elsers brachte diese Parkplatz-Causa ins Rollen: Albert Knöpfli. Er war der erste Denkmalpfleger im Kanton Thurgau und hatte sein Büro im Bernerhaus (Haus «Zur Geduld»). Knöpfli hatte zwar bedauert, dass die «Palme» im Rahmen des Umbaus ausgehöhlt worden war. Er anerkannte aber den Aufwand der SKA, dass «die dominierende östliche Abschlussgruppe der Stadt, ‹Krone›, ‹Palme›, und Haus ‹Zur Geduld›, auf das Schönste erhalten werden konnte».

Knöpfli war aber auch derjenige, der sich wegen der geplanten Parkplätze an den Stadtrat wandte. Eine empörte Nachbarin hatte ihn über das Vorhaben der SKA informiert. So bat Knöpfli den Stadtrat in einem offiziellen Schreiben, die seiner Meinung nach unpassenden Parkplätze nicht zu bewilligen. Was letzten Endes der ausschlaggebende Grund gewesen war, wieso der Stadtrat der SKA die Baubewilligung für den Parkplatz verweigerte, kann Denkmalpfleger Elser aus den verfügbaren Akten nicht eruieren. Auf jeden Fall passte der Grossbank das Nein ganz und gar nicht. Die SKA legte beim Strassen- und Baudepartement des Kantons Thurgau Beschwerde ein gegen den Stadtrat. Im Mai 1970 bewilligte der Regierungsrat eine Übertretung der Baulinie beim Umbau der «Krone» und kündigte an, die Beschwerde separat zu beurteilen. Laut Denkmalpfleger Elser gibt es dann eine nächste Korrespondenz von August 1970. Die Bank hatte die Beschwerde offenbar zurückgezogen. Die fünf Parkplätze waren also endgültig gestorben. Das Verfahren werde als erledigt abgeschrieben, heisst es im Schreiben. Und: «Die Kosten werden auf die Staatskasse genommen.» Wenigstens das.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

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