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Die Vergessenen von Kathmandu

Es gibt sie eigentlich nicht, von ihrem Aufenthaltsstatus her. Sie sind vergessen worden. Aber sie sind da. Knapp 500 Flüchtlinge, die in prekären Verhältnissen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gestrandet sind.
Mathias Frei
Ihnen bleibt nicht mehr, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen: Flüchtlingskinder in Kathmandu vor ihrer Wellblechhüttensiedlung. (Bild: pd)

Ihnen bleibt nicht mehr, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen: Flüchtlingskinder in Kathmandu vor ihrer Wellblechhüttensiedlung. (Bild: pd)

Es gibt sie eigentlich nicht, von ihrem Aufenthaltsstatus her. Sie sind vergessen worden. Aber sie sind da. Knapp 500 Flüchtlinge, die in prekären Verhältnissen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gestrandet sind. Sarath Maddumage lebte auch ein halbes Jahr dort, in einer Wellblechhütte, wo sich eine mehrköpfige Familie einen Raum teilt, wo es 15 Stunden am Tag keinen Strom gibt. Das war 2009.

Mittlerweile wohnt er seit sechs Jahren in Frauenfeld, ist bei der SBB Mechaniker. Er gehörte damals zu den wenigen, die im Zusammenhang mit einem Asylverfahren ein Einreisevisum für die Schweiz bekamen. «Es ist schwierig in Kathmandu», sagt Maddumage. Vorgestern hat er mit einem Freund telefoniert, der dort lebt. Maddumage hat dieses Frühjahr den Frauenfelder Verein «Solidarität für städtische Flüchtlinge in Kathmandu, Nepal» mitgegründet. Ziel ist es, Hilfe zur Selbsthilfe und vor Ort zu leisten.

In Sri Lanka politisch verfolgt

In Sri Lanka war der heute 48jährige Singhalese Gewerkschafter und Journalist. Aber er wurde politisch verfolgt, sass zwei Jahre im Gefängnis. Dann konnte er fliehen – mit dem Flugzeug nach Nepal, in eines der wenigen Ländern, für das er ein Touristenvisum bekam. Auch Menschen aus Burma, Afghanistan oder Somalia flüchteten nach Nepal. Wenn ihre Touristenvisa abgelaufen sind, gelten sie in Nepal als Illegale. Wenn sie ausreisen wollen, zahlen sie nach Ablauf des Touristenvisums fünf Dollar Busse pro Person und Tag.

Als Illegale dürfen diese «Urban Refugees» nicht arbeiten. Für das Flüchtlings-Hochkommissariat der UNO (UNHCR) dagegen sind es anerkannte Flüchtlinge. Bis Ende 2015 unterstützte das UNHCR die rund 140 Familien in Kathmandu mit kleinen finanziellen Beiträgen. Diese wurden aber gestoppt. Das UNHCR begründete dies mit schwindenden Finanzen bei gleichzeitig drastischer Zunahme an Flüchtlingen weltweit.

Die «Urban Refugees» bekommen nur noch die medizinische Versorgung und einen Teil des Schulgelds der Kinder bezahlt. Wie Maddumage erzählt, sind die Flüchtlinge nun mehr denn je darauf angewiesen, illegal arbeiten zu können, um wenigstens noch ein wenig Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. «Überall fehlt das Geld, um Lebensmittel zu kaufen», sagt Maddumage. Ein Freund von ihm, ein gelernter Schneider, hat über vier Monate bei einem Nepalesen gearbeitet. Am Ende sei ihm der ganze Lohn verweigert worden, da er ja nicht arbeiten dürfe. Das passiere oft bei Handlanger-Jobs im Baugewerbe, in der Gastronomie oder Landwirtschaft, sagt Maddumage. Die Nepalesen seien selber ein eher armes Volk.

Wenig Geld für viele Menschen

Der Verein «Solidarität für städtische Flüchtlinge in Kathmandu, Nepal» unter Präsident Martin Strauss hat in den vergangenen drei Monaten zweimal je 1300 Franken nach Kathmandu geschickt. Das ist ein rechter Betrag für dortige Verhältnisse, aber muss auch für 500 Menschen reichen. «Eigentlich müsste man jeden Monat so viel schicken», sagt Strauss. Er war für die Entwicklungsorganisation Helvetas von 1979 bis 1982 in Nepal. «Das Land ist mir deshalb sehr nah.»

Wer spende, könne sicher sein, dass das Geld ankommt. «Unsere persönlichen Kontakte sind die Garantie dafür», sagt Irma Stämpfli. Sie ist für die Vereinsfinanzen zuständig und leitet das Solidaritätsnetz Frauenfeld. Spenden allein sei zwar gut, sagt Strauss, aber leider nicht nachhaltig. Das UNHCR finde offenbar keine Länder, welche die Flüchtlinge aufnehmen. Deshalb sei wichtig, dass die «Urban Refugees» in Kathmandu ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten, sagt Strauss.

Auf eigenen Beinen stehen

In Nepals Hauptstadt gibt es eine Gruppe aus Flüchtlingen und Nepalesen, mit welcher der Verein zusammenarbeitet. Mit der Hilfe aus Frauenfeld sollen alsbald Kurse für die Flüchtlinge stattfinden. Sie sollen beispielsweise das Schneiderhandwerk erlernen, um eigene Waren verkaufen zu können. Oder wie man Gemüse anbaut, damit es für den Eigenbedarf reicht. Es würde den Flüchtlingen auch helfen, dürften sie offiziell Arbeit suchen. Aber dafür müsste die nepalesische Regierung ihren Aufenthaltsstatus legalisieren, sagt Strauss.

In dieser Sache wurden Strauss und Maddumage schon beim UNHCR in Genf und beim zuständigen UNHCR-Büro Asien/Pazifik vorstellig. Aus den Brief- und E-Mail-Wechseln resultierte bislang leider noch nichts. Nun steht der Verein mit dem International Institute for Human Rights, Environment and Development in Kontakt, einer NGO mit Sitz in Kathmandu. Es gilt: «Nöd lugg lo.»

Verein «Solidarität für städtische Flüchtlinge in Kathmandu, Nepal» facebook.com/kathmanduhilfe; kathmandu-hilfe@gmx.ch; Spendenkonto: PK 61-587060-1 und IBAN CH38 0900 0000 6158 7060 1

Setzen sich von Frauenfeld aus für Flüchtlinge in Kathmandu ein: Sarath Maddumage, Martin Strauss und Irma Stämpfli. (Bild: Mathias Frei)

Setzen sich von Frauenfeld aus für Flüchtlinge in Kathmandu ein: Sarath Maddumage, Martin Strauss und Irma Stämpfli. (Bild: Mathias Frei)

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