«Die Unwetter werden in Zukunft immer extremer»

Der Meteorologe Roger Perret weiss, wie es zu den starken Regenfällen von Sonntagabend kam und dass der Mensch sicher eine Teilschuld trägt.

Samuel Koch
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Roger Perret Meteorologe bei Meteonews (Bild: pd)

Roger Perret Meteorologe bei Meteonews (Bild: pd)

Herr Perret, wie konnte es zu diesen heftigen Gewittern kommen?

Roger Perret: Die Voraussetzungen waren perfekt. Eine hohe Luftfeuchtigkeit, grosse Temperaturunterschiede zwischen tiefen und höheren Luftschichten und die aufeinander zufliessenden Winde haben optimale Bedingungen geschaffen. Je grösser die Temperaturunterschiede zwischen tiefen und höheren Luftschichten, desto stärker wird das Gewitter.

Die lokalen Unterschiede und die unterschiedlichen Regenmengen waren markant.

Perret: Ja. In Güttingen hat es beispielsweise mehr als fünfmal so viel Niederschlag gegeben wie in Berg. In der Region Wil muss es ähnlich viel geregnet haben. Die Gewitter sind vom Toggenburg und dem Alpstein in Richtung Thurgau gezogen und dort quasi stehengeblieben. Die entgegengesetzten Winde haben die Feuchtigkeit in die Höhe getrieben und so den Effekt des Extremereignisses noch verstärkt.

Haben Sie mit derart starken Regenfällen gerechnet?

Perret: Wo genau die Gewitter entstehen, war nicht zu prognostizieren. Ich befasse mich seit 15 Jahren täglich mit dem Wetter und habe mich auch verspekuliert. Wir wussten, dass es starken Regen und heftige Gewitter geben wird, doch wo, wussten wir nicht. Tendenziell hätte ich eher auf die Zentralschweiz und die Region Zürich getippt. Dass es nun die Ostschweiz derart getroffen hat, ist reiner Zufall.

Wird das Wetter immer schlimmer?

Perret: Schlimmer? Weiss ich nicht. Es wird aber sicherlich immer extremer. Es gibt mehr Starkregen und damit auch mehr Schäden. Klimaforscher predigen die Klimaerwärmung schon seit längerem. Je wärmer es wird, desto mehr Energie liegt in der Luft. Somit erhöht sich auch das Gefahrenpotenzial.

Ist der Mensch der Hauptschuldige?

Perret: Ob es eine natürliche Ursache hat oder der Mensch Hauptschuld trägt, kann ich nicht sagen. Der Mensch übt aber sicher einen grossen Einfluss aus, das ist bewiesen und messbar.

Können die Betroffenen mit einer Wetterberuhigung rechnen?

Perret: Ja. In der Ostschweiz wird es in den nächsten Tagen kaum mehr regnen. Vielleicht ziehen vereinzelte Schauer durch, doch das Wetter beruhigt sich klar.

Roger Perret Meteorologe bei Meteonews (Bild: pd)

Roger Perret Meteorologe bei Meteonews (Bild: pd)