Die tröstenden Weiten des Bodensees

Obwohl sie nicht in der Schweiz geboren sind, schätzen sie den Thurgau als Heimat sehr. Sicherheit, Ordnung und Ruhe stehen dabei an oberster Stelle. Und vielen Ausländern hilft der Bodensee über die Sehnsucht nach dem Meer hinweg.

Aylin Erol
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Bild: AYLIN EROL

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«Hier ist alles, was mir wichtig ist. Familie, Freunde, Arbeit und Sicherheit», sagt Isaak Dodes (57). Der Thurgauer Dialekt ist in der Schweiz zwar der unbeliebteste, seine Landschaft mit den kleinen Dörfern, den vielen Apfelbäumen und dem Bodensee jedoch sehr attraktiv. Vor allem bei Leuten, die ursprünglich weder aus dem Thurgau noch aus der Schweiz kommen. Die meisten von ihnen sehen Mostindien, trotz Heimweh, als ihre schöne, neue Heimat an. Der Bodensee vertreibt ihnen manchmal gar das Heimweh.

Das Bodenmeer

«Der Bodensee ist für mich das Schweizer Meer», sagt der Mechaniker José Canosa (55). Er kommt ursprünglich aus Spanien und kam in die Schweiz auf der Suche nach Arbeit. Wenn er seine Heimat vermisst, trösten ihn die Weiten des Bodensees. Dieser erinnere ihn wirklich an das Meer. Schliesslich grenzen, abgesehen von der Schweiz, zwei weitere Länder, Deutschland und Österreich, an den See, und nicht umsonst nennen ihn die Holländer liebevoll «das Bodenmeer». «Er ist zu jeder Jahreszeit schön», meint der Koch Hua Boon Tan (58) aus Malaysia. Ihm gefällt das Freizeitangebot am Bodensee besonders gut.

Ordnung und Sicherheit

«Der Thurgau ist sicher, sauber und man findet Arbeit, was nicht selbstverständlich ist», meint José Canosa. In Frauenfeld gehe er gerne spazieren. «Hier hat alles seine Ordnung, die Strassen sind sauber und die Leute halten meistens die Regeln ein», meint Jayanthi Liyana Arachchige (39). Die Detailhandelsfachfrau vermisst das Meer und ihre Familie in Sri Lanka zwar sehr, eines Tages zurückkehren möchte sie aber trotzdem nicht. In Sri Lanka verliebte sie sich in einen Schweizer und kam so in den Thurgau. «Wenn ich in der Schweiz bin, vermisse ich einige Dinge aus Sri Lanka, und wenn ich dort bin, ist es umgekehrt», sagt Jayanthi Liyana Arachchige. Für sie sei beides ihre Heimat.

Die schöne Natur

«Ich mag die Natur», sagt Julia Osmani (42). Sie kommt ursprünglich aus Kosovo. Auch José Dos Santos (42) schätzt die Landschaft unseres Kantons. «Ich fahre in meiner Freizeit bei schönem Wetter gerne mit dem Motorrad durch die Gegend», sagt der Portugiese. Hier habe man immer eine tolle Aussicht und entdecke die Region jedesmal von neuem. «Auch für Kinder ist der Thurgau wie geschaffen», meint der Chauffeur. Er kenne keinen Ort im Thurgau, an dem es keinen Spielplatz gebe. Man sei dank vieler Wälder auch schnell im Grünen. Mit seinen eigenen Kindern geht José Dos Santos gerne in den Plättli-Zoo in Frauenfeld.

Ein Kanton zum Altwerden

«Wir leben in einer Region, in der man gerne alt wird, vor allem in den kleinen, ruhigen Thurgauer Dörfern», meint Julia Osmani. Sie plant ihre Zukunft im Thurgau, obwohl ihr Mann eines Tages zurück nach Kosovo möchte. «Was soll ich in meinem Geburtsland, wenn meine Familie hier ist?», meint die junge Grossmutter. Sie kann sich nicht vorstellen, wieder zurück nach Kosovo zu gehen, während ihre Kinder und Grosskinder im Thurgau bleiben. Dem stimmt Isaak Dodes zu. Der Magaziner lebt schon länger im Thurgau als in seinem Geburtsland. Viele seiner Freunde, die ebenfalls aus Kosovo kommen, möchten, sobald sie pensioniert sind, zurück in ihr Land. Er jedoch nicht. Dodes: «Der Thurgau ist jetzt meine neue Heimat.»