Die Touristen kommen trotzdem

Das nasskalte Wetter und der tiefe Euro-Kurs sind nicht förderlich für den Tourismus. Beim Campingplatz in Wagenhausen nimmt man es gelassen, der schöne Frühling hat die Kassen klingeln lassen.

Barbara Hettich
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Barbara Sutter und Walter Wenk führen erfolgreich den 4-Sterne-Campingplatz in Wagenhausen. (Bild: Barbara Hettich)

Barbara Sutter und Walter Wenk führen erfolgreich den 4-Sterne-Campingplatz in Wagenhausen. (Bild: Barbara Hettich)

Wagenhausen. Auf dem Campingplatz in Wagenhausen herrscht emsiges Treiben. Das nasskalte Wetter scheint die Feriengäste nicht zu vergraulen. «Hier ist es doch wunderbar – bei uns zu Hause im Toggenburg ist es viel kälter», sagt ein Besucher. Er sitzt mit seinen Bekannten vor dem Wohnwagen und geniesst die Sonne, die sich für einmal nicht hinter Regenwolken versteckt.

Auf dem 4,5 Hektar grossen Gelände sind 240 Plätze an Dauermieter vergeben, 40 Plätze stehen Touristen zur Verfügung. Normalerweise sei um diese Jahreszeit alles ausgebucht, in der vergangenen Woche hätten nun doch einige wegen des Wetters ihre Reservation gekündigt, sagt Barbara Sutter. Seit rund fünf Jahren führt sie mit ihrem Partner Walter Wenk den Campingplatz am Rhein. Von den Dauermietern seien nicht so viele hier wie sonst, dies mache sich insbesondere beim Umsatz im Kioskladen bemerkbar. Lediglich die Biker würden sich vom Wetter nicht beeindrucken lassen. «Es ist ganz erstaunlich, wie viele Leute mit Zelt und Velo unterwegs sind.»

Kein Grund zur Klage

«Über die ganze Saison hinweg gesehen haben wir keinen Grund zum Klagen», sagt Barbara Sutter. Der Frühling habe sich von seiner besten Seite gezeigt, insbesondere an Auffahrt sei das Geschäft bombastisch gelaufen: «Wir waren komplett belegt und mussten noch etwa 20 Wohnmobile fortschicken.» Auch vom tiefen EuroKurs würden sie bislang keine Einbussen verspüren. «Für einen 4-Sterne-Platz hatten wir schon immer moderate Preise – im Gegensatz zu den Tessiner Campingplätzen.» In der Hochsaison gebe es in Wagenhausen auch keinen Preisaufschlag. «Wir wollen nicht die Familien bestrafen, die nur während der Schulferien verreisen können», sagt Barbara Sutter.

Über die Preise hat sich bislang noch kein Tourist bei Barbara Sutter beschwert. «Dafür bekommen wir viele Komplimente, wie schön gelegen und sauber unsere Anlage ist.» Ganz wichtig sei zudem, dass man freundlich und aufgestellt sei. Bei schlechtem Wetter müsse man diesbezüglich halt noch einen Zacken zulegen.

Verschiedene Gepflogenheiten

Die Mehrheit der Feriengäste auf dem Campingplatz in Wagenhausen sind Schweizer oder Deutsche. «Es kommen zudem sehr viele Dänen, aber auch Italiener, Franzosen, Spanier und Engländer. In den letzten drei Jahren kamen vermehrt Touristen aus den baltischen Ländern. «Das sind sehr angenehme Gäste, etwas zurückhaltend, aber sehr freundlich.» Ab Mitte August würden dann wie jedes Jahr die Israeli eintreffen. Meist einer Invasion gleich, spät abends und mit einem Berg voller Wäsche. Dann laufe die Waschmaschine auf Hochtouren. So habe jede Nationalität ihre Eigenheiten.

Kein Wohnsitz

Der Campingplatz mit eigenem Badeplatz am Rhein, mit Minigolfanlage und Restaurant, grossem Kinderspielplatz, Swimmingpool und Aufenthaltsraum einiges zu bieten. Was viele Gäste glücklich macht: Hunde sind angeleint erlaubt. All diese Annehmlichkeiten könnte doch den einen oder anderen Gast dazu verleiten, seine Zelte ganz in Wagenhausen aufzuschlagen. «Das erlauben wir nicht, zudem sind wir ein Saisonbetrieb», sagt Barbara Sutter. Um diesbezüglichen Problemen mit Randständigen vorzubeugen, dürfen Wohneinheiten deshalb nur über die Geschäftsstelle des Campingplatzes weiterverkauft oder vermietet werden.