Die Sturm- Katastrophe auf dem Bodensee

FRIEDRICHSHAFEN. Ein Unglück geschah vor Langenargen gegen 21/2 Uhr nachmittags, wo der Sturm ganz besonders stark wütete. Wie stark geht daraus hervor, dass aus soliden Ufermauern grosse Sandstein-Quader von 11/2 m Länge und 25 cm Durchmesser von den Wellen weggespült wurden.

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FRIEDRICHSHAFEN. Ein Unglück geschah vor Langenargen gegen 21/2 Uhr nachmittags, wo der Sturm ganz besonders stark wütete. Wie stark geht daraus hervor, dass aus soliden Ufermauern grosse Sandstein-Quader von 11/2 m Länge und 25 cm Durchmesser von den Wellen weggespült wurden. Eines der gekenterten Boote, das von drei Fischern von Egg in der Nähe der Insel Mainau besetzt war, kippte auf der Höhe des Schlosses Monfort um. Vom Land aus konnte der Unfall beobachtet werden; aber es war unmöglich, zu Hilfe zu eilen. Das Boot war mit Wasser übervoll, als es versuchte, das Ufer zu erreichen. Da wurde es von den Wellen im Kreise gedreht und sank in wenigen Sekunden, dabei die schon zu Tode ermüdeten Fischer unter sich begrabend. Noch einige Male sah man ihre Gestalten auftauchen, dann verschwanden sie im Wellengrab … Das Boot wurde später in der Nähe des Schlosses an Land geworfen samt der aus 200 Fischen bestehenden Beute.

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Zwei weitere Boote kenterten Richtung Rorschach. Von den drei Insassen des einen Bootes ertrank der 19 Jahre alte Bruderhofer, während seine Begleiter von den zu Hilfe geeilten Motorbooten gerettet werden konnten. Als ihr Boot umgeschlagen war, sassen sie rittlings 20 Minuten auf dem Kiel, auf Rettung harrend. Die Insassen des zweiten gekenterten Bootes wurden gerettet; dagegen ist das Boot selbst samt den Geräten verlorengegangen.

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Am Argenhorn etwa zwei Kilometer seeeinwärts von Tunau erwischte es ein Schweizer Fischerboot. In diesem befand sich der 40 Jahre alte Anton Deininger aus Arbon, während der zweite Insasse, Josef Ried aus Arbon, der als fünftes Opfer von einer Welle weggespült wurde und so den Tod fand. Die Rettung des total erschöpften und bereits geistesverwirrten Deininger gelang, weil das Boot von einer überaus grossen Welle an das Dampfschiff «Friedrichshafen» herangetragen wurde. In dem Augenblicke konnte der Fischer von wackeren Matrosen an Bord geholt werden.

Auf Höhe Nonnenhorn sah der «Friedrichshafen»-Kapitän nochmals ein Boot treiben, in dem sich die Fischer Anton Butscher und Jakob Gartemann aus Arbon befanden. Beide wurden vom Schiff aufgenommen.

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Es war das urplötzliche Auftreten eines Nordweststurmes die Ursache des Unglücks. Von allen Windrichtungen bewirkt der Weststurm den höchsten Seegang im östlichen Teil des Obersees. Anfangs erscheint die Wasserfläche vom darüber fegenden Gischte weissgrau. Das Wasser «fliegt», wird «stübt» sagen die Fischer. Diese Erscheinung mit ihrem böenartigen Auftreten kann den kleineren, offenen Booten rasch zum Verderben werden.

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