Die Stunde der Prognostiker

Dass sie selten einer Meinung sind, dafür sind vor allem die Rechtsgelehrten bekannt. Wie heisst es so schön: Zwei Juristen, drei Meinungen… Nun scheint dieses Virus die wissenschaftliche Artengrenze übersprungen und sich auch unter den Ökonomen festgesetzt zu haben.

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Dass sie selten einer Meinung sind, dafür sind vor allem die Rechtsgelehrten bekannt. Wie heisst es so schön: Zwei Juristen, drei Meinungen… Nun scheint dieses Virus die wissenschaftliche Artengrenze übersprungen und sich auch unter den Ökonomen festgesetzt zu haben.

Erst zwei Wochen ist es her, da liess die Regionalstudie der CS zum Standort Thurgau aufatmen. Unser Kanton sei mit Blick auf die nahende Rezession gut gerüstet, hiess es da, weshalb es nicht zu einem starken wirtschaftlichen Rückschlag kommen werde. Der Thurgau lande sanft – wir lasen es gerne.

Doch der Beruhigungspille Marke CS war nur eine kurze Wirkung beschieden. Mit der Vorhersage des genauen Gegenteils, dass also die rezessive Phase den Kanton Thurgau stärker treffen werde als die übrige Schweiz, holte uns der Konjunkturforscher der ETH Ende letzter Woche unsanft von der Insel der Zuversichtlichkeit zurück. Ja, was denn nun? Müssen wir uns richtig warm anziehen oder reicht ein Pulloverchen?

In dieser Situation kann vielleicht – dem Vorbild der Juristen sei Dank – eine dritte Meinung weiterhelfen. Bei soviel Prophezeiungseifer wollen wir nicht abseits stehen, lassen die Deckung links liegen und werfen, frank und frei, unsere eigene Vorhersage in den Ring. Wir sind überzeugt und das vollendet: Nur eine der beiden Prognosen wird Recht behalten.

Christian Kamm

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