Die Stunde der Frühschwimmer am Hüttwiler See

Zwei Frauen schwimmen seit zehn Jahren im Sommer jeden Morgen um sieben Uhr im Hüttwiler See. Sie sind nicht die einzigen Frühschwimmer, aber die regelmässigsten.

Evi Biedermann
Drucken
Teilen
Ein schöner Start in den Tag: Ursi Stahl und Margrit Bussinger steigen in den Hüttwiler See. (Bild: Evi Biedermann)

Ein schöner Start in den Tag: Ursi Stahl und Margrit Bussinger steigen in den Hüttwiler See. (Bild: Evi Biedermann)

HÜTTWILEN. Frühschwimmer tummeln sich nicht auf der Liegewiese, sie sind im Wasser. Einzig die bunten Badetücher auf der Holzbank und ein paar Kleiderhäufchen weisen darauf hin, dass sie da sind. Im See sind sie aus einiger Entfernung kaum zu identifizieren. Man muss schon genau hinschauen, denn der dunkle Punkt, der sich dort draussen bewegt, könnte ebenso gut eine Ente sein.

Spiegelglatt ist der See an diesem Montagmorgen, und es dampft über der Oberfläche. Die Sonne hat's noch nicht über die grossen Bäume geschafft, zudem muss sie sich durch dichte Wolken drängen. Wunderbar friedlich ist es zu dieser Morgenstunde, und mäuschenstill. Bis vom Eingang her Stimmen näherkommen.

Bei jeder Witterung

Die Stimmen gehören Ursi Stahl und Margrit Bussinger. Die 67jährige Hüttwilerin und ihre 60jährige Kollegin aus Nussbaumen schwimmen in den Sommermonaten jeden Morgen im See, seit zehn Jahren, bei jeder Witterung.

Das merkt man rasch, denn die Frauen sind sportlich unterwegs. Zwei drei entschlossene Schritte im Wasser, und schon sind sie am Schwimmen. «Es ist herrlich, den Tag so zu beginnen», sagt Ursi Stahl. Während wir dahingleiten, erzählen die beiden Frauen von den Stimmungen am See. «Der See ist immer wieder anders», sagt Margrit Bussinger. Die Adjektive reichen von klar, grün, dreckig über entspannend, abenteuerlich, beglückend bis «einfach schön».

Abenteuerlich wurde es etwa, als die Frauen in den Nebel hinein schwammen, plauderten und sich dabei verirrten. «Das Ufer haben wir schliesslich gefunden, doch an einem ganz anderen Ort, als wir glaubten», erzählt Ursi Stahl lachend.

Die beiden Frauen kennen noch andere Frühschwimmer im Seebachtal. «Wir sind nicht die einzigen», sagen sie lachend, «vermutlich aber die regelmässigsten» Sie machen es nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern weil es ihnen gefällt und sie sich dadurch gut und gesund fühlen.

Grenze bei 18 Grad

Ehrensache sei es aber schon, betont Ursi Stahl, dass sie bei jedem Wetter schwimmen, auch wenn das manchmal unangenehm sei. «Wir ziehen uns gegenseitig mit», sagt sie. So sei es einfacher. Grenzen kennen sie nur bei der Wassertemperatur. «Bei unter 18 Grad wird's ungemütlich.» Schliesslich wolle man ja mindestens eine halbe Stunde schwimmen, nicht nur kurz baden. An diesem Morgen ist das einfach, das Wasser ist 24 Grad warm, bestätigt später Bademeisterin Theres Guhl. Kühl wird's erst an Land, denn die Lufttemperatur beträgt 15 Grad. Schnell in die warmen Kleider, dann verschwinden die beiden Schwimmerinnen so schnell, wie sie gekommen sind. Zu Hause wartet schliesslich der warme Kaffee.

Aktuelle Nachrichten