Die Stadt umzingelt sein Bienenhaus

FRAUENFELD. Der Imker Ernst Ammann betreibt ein Bienenhaus in der Nähe des Kantonsspitals Frauenfeld. In den vergangenen Jahren ist das Haus immer mehr von Wohnblöcken eingekreist worden. Die Bienen haben damit kein Problem.

Viola Stäheli
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Der Imker Ernst Ammann sieht bei seinen Bienenvölkern nach dem Rechten. In diesem Bienenhaus leben zurzeit mehr als 440 000 Bienen. (Bild: Viola Stäheli)

Der Imker Ernst Ammann sieht bei seinen Bienenvölkern nach dem Rechten. In diesem Bienenhaus leben zurzeit mehr als 440 000 Bienen. (Bild: Viola Stäheli)

Die Bienen wirken im Schaukasten wie eine pulsierende Masse. Dicht an dicht gedrängt, gehen die Bienen ihren Geschäften nach. Die einzelnen Tiere sind dabei im wuselnden Gebilde kaum zu erkennen. Der Schaukasten gehört dem Imker Ernst Ammann und befindet sich in der Nähe des Kantonsspitals Frauenfeld. Er hat ihn eingerichtet, damit Passanten einen kleinen Einblick in die Welt der Bienen erhalten. Der Schaukasten dient zudem als Schulungsmaterial für Schulklassen, denen der Imker ab und zu die Welt der Bienen näherbringt.

Ernst Ammann Besitzer eines Bienenhauses mit elf Völkern in Frauenfeld (Bild: Viola Stäheli)

Ernst Ammann Besitzer eines Bienenhauses mit elf Völkern in Frauenfeld (Bild: Viola Stäheli)

Bienenhaus im Wohnquartier

Gleich nebenan steht das eigentliche Bienenhaus Ammanns mit elf Bienenvölkern. Einem Volk sind im Sommer rund 40 000 Bienen zugehörig, im Winter halbiert sich die Anzahl. Das Bienenhaus steht auf einer kleinen Wiese mit einzelnen Obstbäumen, eingekreist von mehreren Wohnblöcken. «Das Bienenhaus steht schon mehr als 100 Jahre an dieser Stelle, die Häuser sind erst später errichtet worden», sagt Ammann. Er nutzt das Bienenhaus bereits seit zwölf Jahren, damals hatte er frisch mit der Imkerei begonnen. In dieser Zeit habe er keinen Nachteil gemerkt, dass mehr und mehr Häuser um das Bienenhaus entstanden sind. Im Gegenteil, dank der vielen Blumen in Gärten und auf Balkonen würden die Bienen mehr Nahrungsquellen finden als auf eintönigen Landwirtschaftsflächen.

Nicht nur Ammann hält seine Bienen auf Frauenfelder Stadtgebiet, weitere zehn Imker haben Bienenstandorte in der Stadt oder am Stadtrand. Es besteht aber kein lokaler Verein, dem die Frauenfelder Imker zugehörig sind. So entscheidet jeder für sich, ob er in einen regionalen Verein eintreten möchte.

Nur der Lärm ist problematisch

«Bienen und ein Wohnquartier schneiden sich nicht», sagt Ammann. Für die Bienen seien weder Verkehr noch Häuser ein Problem. Nur der Lärm könne im Winter für die Bienen gefährlich werden. Wird beispielsweise im Winter eine Strasse neben einem Bienenhaus notfallmässig repariert, können die Tiere aufgescheucht werden. Im Winter ziehen sich die Bienen zu einer Traube zusammen und wärmen sich, um nicht zu erfrieren. Werden sie durch eine Lärmquelle in Aufruhr gebracht, verlassen sie die Traube und erfrieren. Den Völkern Ammanns sei aber noch nichts derartiges widerfahren.

Nur für Quartierbewohner mit einer Allergie auf Bienenstiche kann ein Bienenstandort in der Nähe problematisch sein. Dieses Risiko erhöht sich das ganze Jahr durch aber nicht, auch nicht in der sogenannten Schwarmzeit im Frühling. Während dieser Zeit teilen sich die grösseren Völker. Dafür werden Königinnen nachgezogen. Vor dem Schlupf der ersten Jungkönigin schwärmt die alte Königin mit der Hälfte des Volkes aus und sucht sich einen neuen Standort. Im Fall des Bienenhauses von Ammann ist die Wahrscheinlichkeit aber gering, dass ein solcher ausgeschwärmter Schwarm in einer Wohnung landet. Die Königin fliege schwerfällig und sei schnell erschöpft. Sie lasse sich rasch zum Ausruhen nieder. Das Volk versammelt sich dann um seine Königin und bildet ein traubenförmiges Gebilde. «Ich habe noch nie Probleme im Quartier gehabt, weil sich ein Schwarm in eine Wohnung verirrt hat», sagt Ammann.

Blüten-, Wald- und Blatthonig

Vor kurzem hat Ammann das erste Mal in diesem Jahr Honig geerntet. Dieser Honig ist der Blütenhonig, ein heller und feiner Honig. Die Bienen stellen ihn aus dem Nektar der Blüten her. Im Sommer könne dann der Wald- oder Blatthonig geerntet werden, vorausgesetzt, die Bienen finden genügend Blatt- und Rindenläuse. Diese zapfen die Blätter und Rinden an und scheiden einen süssen Nährsaft aus, den die Bienen sammeln und verarbeiten. Dieser Honig ist dunkler und herber als der Blütenhonig. Doch kein Honig wie der andere: Der Honig schmecke laut Ammann bei allen elf Bienenvölkern unterschiedlich.