Die späte dritte Karriere

Astrid Keller ist Schauspielerin, Regisseurin und seit neustem auch noch Model: Mit 60 schlägt sie erstmals Kapital aus ihrem tollen Aussehen und macht Werbung für Gartenartikel von Migros. Für Katzenfutter oder Unterwäsche würde sie sich aber nicht zur Verfügung stellen.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Schauspielerin Astrid Keller im Zentrum eines Werbefotos, aufgenommen am Zürisee in Meilen. (Bild: pd/Maik Floeder)

Die Schauspielerin Astrid Keller im Zentrum eines Werbefotos, aufgenommen am Zürisee in Meilen. (Bild: pd/Maik Floeder)

ALTNAU. Was für eine Szene: ein stimmungsvoller Sommerabend in einem Garten am See, ein schön gedeckter Tisch, rund herum die strahlenden Gesichter einer vereinten Familie, im Zentrum eine gutaussehende Jungseniorin. In der Realität heisst sie Astrid Keller. Doch das hier ist Werbung für die neue Gartenmöbelkollektion von Do it + Garten und Micasa. Der Prospekt wurde vor kurzem breit gestreut.

Astrid Keller ist im Thurgau bestens bekannt als Schauspielerin und Regisseurin. Die Altnauerin macht zusammen mit ihrem Mann Leopold Huber seit Jahren das See-Burgtheater. Dieses Jahr wird die Kulturschaffende 60. «Wieso also nicht noch einmal etwas Neues ausprobieren?», hat sich Astrid Keller gesagt und den Modelauftrag für Migros angenommen.

Produkt hat gepasst

Astrid Keller ist schon seit einiger Zeit bei einer Modelagentur in der Kartei, wo auch andere Schauspieler registriert sind. Sie hat bereits mehrere Anfragen erhalten, bislang aber stets abgelehnt. Einen Spot für Katzenfutter habe sie etwa nicht drehen wollen, sagt die Altnauerin. Und auch für Unterwäsche würde sie nicht hinstehen.

Bei den Gartenmöbeln hingegen passe das Produkt. Nicht zuletzt, weil sie Tochter eines Möbelhändlers sei. Ausserdem habe sie die Produktionsfirma unbedingt gewollt und sei ihr sehr entgegengekommen. «Eigentlich hatte ich ja gar keine Zeit. Ich wollte nach Wien zu meiner Tochter. Sie hatte am Burgtheater gerade Premiere.»

Finanziell lohnen sich Werbejobs auf jeden Fall. Drehs und Shootings spülen schnell ein paar tausend Franken in die Kasse. Insbesondere für Theater-schauspieler, die wenig verdienen, ist ein solcher Zustupf sehr willkommen. «Davon müssen wir dann aber wieder eine Weile leben», erklärt Astrid Keller.

Fast wie am Filmset

Das Shooting für den Gartenmöbelprospekt hat vergangenen September in einer Villa in Meilen am Zürichsee stattgefunden. Während vier Tagen wurden Aufnahmen gemacht. Für Astrid Keller war das eine spannende Zeit. Sie hat dem Fotografen, der extra aus Hamburg kam, gerne über die Schulter geschaut.

Der Einsatz beim Fotoshooting hat die Schauspielerin stark an die Arbeitsweise am Filmset erinnert. «Wir mussten verschiedene Szenen spielen – und wie das geht, weiss ich ja. Das Wichtigste ist, dass man Emotionen rüberbringen kann.» Der Job sei ihr leichtgefallen, sagt Keller.

Für ihr Aussehen tut die Schauspielerin nach eigenen Angaben nicht besonders viel. Sie schwimmt ab und zu, macht Pilates, ernährt sich gesund. «Grundsätzlich ist das Aussehen aber einfach ein Geschenk, das mir mitgegeben wurde.»

Das Wichtigste ist Ausstrahlung

Als junge Frau wurde Astrid Keller oft auf ihre Schönheit angesprochen. Damals war ihr das nicht wichtig. Erst mit dem Alter habe sie angefangen, mehr auf die Frisur zu achten oder Kleidung bewusster auszuwählen. Am allerwichtigsten seien aber Ausstrahlung und Ausdruck.

Dass diese bei der Schauspielerin stimmen, davon zeugen die aktuellen Aufnahmen. Gut möglich also, dass uns Astrid Kellers Gesicht bald von der nächsten Werbefläche entgegenlächelt. Sie sieht das auch so: «Wenn der Auftrag für mich stimmt, dann bin ich offen.»