Die Sozialdemokraten empfehlen viermal Ja

WEINFELDEN. «Eine Kantonalpartei darf schliesslich auch eine eigene Meinung haben», sagte Barbara Kern anlässlich des ausserordentlichen Parteitages von vorgestern abend im «Thurgauerhof». Die Präsidentin der SP Thurgau stiess mit dieser Aussage auf offene Ohren.

Christoph Heer
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WEINFELDEN. «Eine Kantonalpartei darf schliesslich auch eine eigene Meinung haben», sagte Barbara Kern anlässlich des ausserordentlichen Parteitages von vorgestern abend im «Thurgauerhof». Die Präsidentin der SP Thurgau stiess mit dieser Aussage auf offene Ohren. So fassten die Thurgauer die Ja-Parole für die «Änderung der Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich». Die nationale Partei entschied hierfür kürzlich eine Stimmfreigabe.

Lange fand der Kantonalvorstand keinen Referenten, welcher sich für diese Anpassung vor den Genossen äussern wollte. Als Kontra-Referentin trat EVP-Kantonsrätin Doris Günther auf. Ihre Voten gegen die Anpassung des ethisch überaus heiklen Themas fanden bei den 35 anwesenden SPlern kein Gehör. «Ein Mensch soll ein Mensch sein, von Beginn weg, und niemals aussortiert werden. Auch Embryonen sind menschenwürdig, zudem macht es mir Angst, dass Pflanzen und Tiere immer mehr einen höheren Stellenwert geniessen als der Mensch».

Der Facharzt punktet

In Remo Lachat aus Altnau, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, wurde doch noch jemand gefunden, der sich für eine Anpassung der Verfassungsbestimmung einsetzt. «Die Präimplantationsdiagnostik PID ist in Europa weit verbreitet und etabliert. Die Vorlage regelt die Fortpflanzungsmedizin nach strengen ethischen Vorgaben. Und Schweizer Paare, welche einen Kinderwunsch hegen, sollen ihr Glück doch nicht im Ausland finden.»

Mit 27 zu 3 Stimmen, bei 5 Enthaltungen, fasste die SP Thurgau die Ja-Parole. Die PID ist ein Verfahren zur genetischen Untersuchung von Embryonen. Dieses muss in den ersten Tagen nach der Zeugung durchgeführt werden und ist nur möglich, wenn die Befruchtung ausserhalb des weiblichen Körpers, in einem medizinischen Labor erfolgt.

Die Ja-Sager

Bei den drei anderen Vorlagen begibt man sich in die gleiche Spur wie die nationale SP. Zur «Änderung über das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen» und zu den Volksinitiativen «Stipendieninitiative und Totalrevision des Ausbildungsbeitragsgesetzes» sowie «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV» stimmten die Anwesenden mit klarer Mehrheit – zum Teil einstimmig – zu.

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