«Die sind ganz schön gefrässig»

Michael Stüssi züchtet Gänse auf seinem Hof in Frauenfeld. Besonders an Weihnachten oder rund um den Martinstag liefert er sie an Braten-Liebhaber. Dennoch ist Stüssi fasziniert von seinen Tieren. Gänse seien schön, unkompliziert, intelligent, aber gefrässig.

Martin Rechsteiner
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Michael Stüssi liefert regelmässig Gänse ans Schlachthaus. Dennoch sind ihm die Tiere ans Herz gewachsen. (Bild: Reto Martin)

Michael Stüssi liefert regelmässig Gänse ans Schlachthaus. Dennoch sind ihm die Tiere ans Herz gewachsen. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Er tritt in den Raum, seine Fans schreien. Unter ohrenbetäubendem Lärm scharen sie sich um ihn, sie drängeln, schubsen und stossen. Das ist das Leben eines Teenie-Stars. Aber auch das eines Gänse-Züchters.

«Wenn ich den Stall betrete, wird's ziemlich laut», sagt Michael Stüssi. Auf seinem Hof in Frauenfeld hält er rund 80 Gänse. «Grundsätzlich reagieren sie auf jeden Besuch mit lautem Schreien.» Vielleicht liegt sein Gehöft deshalb unweit der Autobahn, wo sowieso ein gewisser Lärmpegel herrscht. «Mit ihrem Lärm verteidigen die Gänse das Territorium und warnen ihre Artgenossen vor Gefahren», sagt Stüssi. «Man sagt nicht umsonst, Gänse seien bessere Wachhunde.»

Für Weihnachten und Martini

Stüssi züchtet auf seinem Hof Gänse zur Fleischproduktion. «Zu Weihnachten und für den Martinstag, denn an Martini ist Gans als Menu sehr beliebt», sagt er. Rund 20 seiner Tiere seien bereits von Kunden für den Martinstag vorbestellt.

Obwohl er die Tiere regelmässig zur Schlacht bringt, ist Stüssi ein Gänse-Fan. «Vor zwei Jahren habe ich begonnen, Gänse zu züchten. Ich war beeindruckt von der Schönheit und Grazie der Tiere», sagt er.

Völlig unkompliziert

Ein Vorteil der Gänse-Zucht sei, dass die Tiere unkompliziert zu halten seien. «Alles was es braucht nebst dem Stall, der Schutz vor Füchsen und Mardern bietet, ist eine genügend grosse Weide und ein Bad», sagt Stüssi. «Dieses braucht es unbedingt. Denn die Tiere sind sehr sauber und brauchen Wasser, um sich zu reinigen und zum Trinken.» Dabei sei es wichtig, dass die Gänse in ihrem «Bädli» schwimmen können. Unterschätzt würden Gänse oft wegen ihrer Gefrässigkeit, sagt Stüssi. Ihre Hauptnahrung sei Gras. Sehr viel Gras. «Wenn die Wiese wieder einmal kahlgefressen ist, muss ich die Gänse jeweils umzäunen», sagt er. «Dazu vertilgt jede Gans ungefähr 200 Gramm Futter am Tag.»

Beeindruckt ist Stüssi von der Intelligenz der Tiere: «Die Gänse finden den Weg vom Stall zur Weide und wieder zurück schon nach kurzer Zeit ohne Hilfe», sagt er. Ein Berner Kollege habe seinen Tieren sogar beibringen können, dem Ruf einer Glocke zu folgen. Gegenüber Neuem seien Gänse aber stets skeptisch. «Liegt beispielsweise ein Wasserschlauch auf ihrem Weg in den Stall, sorgt das für Verwirrung in den Gänse-Reihen. Sie bleiben dann stehen und trauen sich nicht, darüber zu steigen», sagt Stüssi. Neues Futter werde anfangs ebenfalls kaum angerührt. Interessant sei auch, wie sich Gänse in der Gruppe verhalten. Sie blieben stets zusammen. «Gänse sind Herdentiere,» sagt Stüssi.

Das passt dann wieder zu den Fans. Denn diese sind auch vornehmlich in Herden um ihren Star anzutreffen.