«Die Schweiz ist nicht EU-tauglich»

Der Schweizer Botschafter Paul Widmer forderte beim Männerverein Sirnach von der Schweiz mehr Selbstwertgefühl und Zuversicht für die kommenden Herausforderungen.

Christoph Oklé
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Botschafter Paul Widmer hat die Schweiz in Europa vertreten. (Bild: cho)

Botschafter Paul Widmer hat die Schweiz in Europa vertreten. (Bild: cho)

SIRNACH. Was ist die Kernidee unseres eidgenössischen Gemeinwesens? Warum wollen wir sie nicht preisgeben? Kommt es auf uns Bürger und auf unsere Gemeinden an? Warum sind wir mehr als ohnmächtige Zuschauer? Wie können Bürger, Unternehmen und Gemeinden vorsorgen? Trotz kurzfristiger Einladung aus terminlichen Gründen des Referenten, Botschafter Paul Widmer, fanden sich am Donnerstagabend rund siebzig Mitglieder im Saal des Gasthauses Engel ein.

Innerer Zustand weniger gut

Der Titel von Widmers Vortrag lautete «Krise in Europa. Was soll die Schweiz tun?». Der Diplomat aus dem Toggenburg, der die Schweiz in Europa vertreten hat, wies auf Stärken und Besonderheiten des «Sonderfalls Schweiz» hin, «die, wenn wir sie aktivieren, zu Trümpfen werden, mit denen auch unsere Generation bestehen kann.» Bis jetzt gehe es der Schweiz sehr gut, stellte Widmer fest, habe sie doch alles, was es zu einem bekömmlichen Leben brauche: eine blühende Wirtschaft, einen hohen Lebensstandard, einen gut funktionierenden Staat. Um den inneren Zustand der Schweiz sei es weniger gut bestellt, meinte er, würden sich doch einige Probleme deutlich bemerkbar machen wie etwa die steigende Kriminalität und die Angriffe auf unseren Finanzplatz. Paul Widmer plädierte dafür, sich die Vorteile unseres Systems zunutze zu machen, unterscheide es sich doch darin, dass unsere direkte Demokratie nicht von oben nach unten funktioniere wie in den andern Staaten, sondern von unten nach oben mit dem Bürger im Mittelpunkt und nicht mit der Bürokratie. Um dies zu erhalten, brauche es aber das stete Engagement aller Bürger und vor allem mehr Selbstwertgefühl und Zuversicht.

EU-Beitritt keine Option

Dabei stellte Widmer fest, dass die Schweiz mit ihrem Staatswesen gut gefahren sei und Grund zur Zuversicht habe, da positive Erfahrungen üblicherweise positive Erwartungen erzeugten. «Doch bei uns scheint diese Regel nicht zu gelten», zeigte sich der Botschafter befremdet, und verwies auch auf die positiven Erfahrungen mit der Neutralität, die trotzdem in Zweifel gezogen werde. Der Beitritt der Schweiz zur EU sei keine Option, weder für die Schweiz noch für die EU, da unser direktdemokratisch organisierter Staat gar nicht EU-tauglich sei.