«Die Schmerzgrenze ist erreicht»

Die Frankenstärke droht der ohnehin krisengeschüttelten Waldwirtschaft das Genick zu brechen. Um am Markt bestehen zu können, mussten die Holzpreise in der Ostschweiz zwischen 10 und 20 Prozent gesenkt werden.

Kurt Peter
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Urban Brütsch Präsident Waldwirtschaftsverband Thurgau (Bild: pd)

Urban Brütsch Präsident Waldwirtschaftsverband Thurgau (Bild: pd)

WEINFELDEN. Der Waldwirtschaftsverband Thurgau hat grosse Sorgen. Während im Geschäftsjahr 2014/2015 das Eschensterben die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog, macht nun die Frankenstärke zu schaffen.

Verbandspräsident Urban Brütsch sprach anlässlich der Delegiertenversammlung am Mittwochabend im «Trauben» von einer immer schwieriger werdenden Situation. Bereits die erste Frankenaufwertung auf 1.20 gegenüber dem Euro habe zu markant sinkenden Erträgen geführt, erklärte er. «Die erneute Aufwertung vom Januar führte nun zu einem nochmaligen Ertragsausfall von noch grösserer Tragweite und einem entsprechenden Rückgang der Holzmengen vor allem in Privatwald.»

Preise wie vor zehn Jahren

Die Aufhebung des Euromindestkurses «war für die Ostschweizer Holzindustrie existenzbedrohend, und sie brachte Waldeigentümer, Forstbetriebe und Forstunternehmer in grosse finanzielle Schwierigkeiten», erläuterte Urban Brütsch in seinem Jahresbericht.

Nicht nur im Export hätten die Schweizer Unternehmer einen schweren Stand, sondern auch im Binnenmarkt. Im Bauwesen betrage der Holzanteil aus der Schweiz heute weniger als 40 Prozent, obwohl Bauen mit Holz ständig Marktanteile gewinne.

«Die Marktpartner in der Ostschweiz verständigten sich darauf, die Richtpreisempfehlungen für Nadelholz um bis zu 15 Prozent zu senken, beim Laubholz betrugen die Abschläge zwischen 10 und 20 Prozent», erklärte Brütsch. Das Preisniveau sei nun mit demjenigen mit der Zeit von 2005 zu vergleichen. «Die Schmerzgrenze ist für uns Waldeigentümer nun erreicht.» Trotzdem hätten sich die Waldeigentümer mit der Holzindustrie solidarisch gezeigt und die Sägereien mit ausreichend Holz beliefert.

Holz nur auf Bestellung

Heinz Engler, Geschäftsführer von Holzmarkt Ostschweiz, riet in seinen Erläuterungen gar dazu, das Rundholzangebot weiter zu reduzieren. «Stellen Sie das Holz nur auf Bestellung bereit», sagte er vor den Delegierten. Denn neben dem starken Franken bereitete das Sturmtief «Niklas» vom Frühling Sorgen. «Die Schweiz war wenig betroffen, doch in Deutschland und Österreich wütete das Tief, und entsprechend viel Sturmholz mit niedrigen Preisen kamen auf den Markt».

Kantonsforstingenieur Daniel Böhi informierte über aktuelle Themen aus dem Forstamt. Die Waldwirtschaft profitiere in den Jahren 2016 bis 2019 von Beiträgen aus dem Neuen Finanzausgleich (NFA). 2,115 Millionen Franken seien vor allem für die Jungwaldpflege vorgesehen, 1,2 Millionen für Massnahmen bei der Waldbiodiversität.

Investiert werden soll weiterhin in den Schutzwald mit 400 000 Franken und Schutzbauten mit 420 000 Franken. Die entsprechenden Verträge mit dem Bund sollten Ende 2015 oder Anfang 2016 abgeschlossen sein, erklärte Böhi.

Der Forstwart fällt einen Baum. (Archivbild: Susann Basler)

Der Forstwart fällt einen Baum. (Archivbild: Susann Basler)