Die Schloss-Glocke läutet wieder

FELBEN-WELLHAUSEN. Während fünf Monaten wurde das Dach von Schloss Wellenberg saniert. Dabei hat Eigentümer Christof Schenkel einige positive Überraschungen erlebt. Am 7. und 8. September sind Teile des Schlosses nun für die Öffentlichkeit zugänglich.

Markus Zahnd
Merken
Drucken
Teilen
Auf dem Dach des Schlosses Wellenberg ist neben dem Glockenturm ein Zürcher Fähnlein. Das erinnert an eine frühere Herrschaft. (Bild: Markus Zahnd)

Auf dem Dach des Schlosses Wellenberg ist neben dem Glockenturm ein Zürcher Fähnlein. Das erinnert an eine frühere Herrschaft. (Bild: Markus Zahnd)

Seit kurzem läutet es im Schloss Wellenberg wieder um 11.50 Uhr. Früher wurde den Arbeitern auf dem Feld damit signalisiert, sich auf den Weg zum Mittagessen machen zu können. In den vergangenen Jahren war dieses Läuten aber nicht mehr zu hören. Zum einen hatte es seine praktische Bedeutung verloren. Zum anderen musste der Glockenturm bis anhin manuell bedient werden. Seit April aber wurde das knapp 500 Jahre alte Dach des südlichen Teils des Schlosses saniert und so wird der Glockenturm elektrisch gesteuert.

Die Sanierung ist mittlerweile fast abgeschlossen und dem anstehenden Fest der Sinne am 7. und 8. September steht damit nichts im Weg (siehe Kasten). Der Eigentümer des Schlosses, Christof Schenkel, ist stolz auf das Ergebnis. Die Sanierung verlief trotz des schlechten Wetters im Frühling im vorgesehenen Zeitrahmen. Schenkel erlebte während den fünf Monaten aber auch positive Überraschungen. Zum Beispiel fand er einen Kinderschuh, den Experten auf 1720 datiert haben und der wohl aus Aberglaube auf dem Dachstock versteckt worden war. Weiter wurden alte Inschriften gefunden, die teilweise so belassen werden.

Früher ein Schlafzimmer

Als «Prunkstück der Sanierung» bezeichnet Schenkel, dessen Familie das Schloss seit 1900 besitzt, aber einen Raum unterhalb des Daches. «Weil der Raum Fenster in Richtung Osten hat, muss er das Schlafzimmer eines früheren Schlossherrn gewesen sein», sagt Schenkel, der dabei an Joachim Mötteli vom Rappenstein denkt. Der Raum wurde vollständig restauriert – und zwar nach alten Vorlagen. «Er sieht nun zu neunzig Prozent wieder so aus wie damals.» Die Holzwände seien von den Handwerkern mit grossem Aufwand erstellt worden, einzelne Balken sind sogar noch die originalen aus dem Jahr 1520. Im Raum befindet sich nun auch ein Kachelofen, eine Dauerleihgabe des historischen Museums Thurgau.

Wie dieser Raum in Zukunft genutzt werden soll, ist noch offen. Konkrete Pläne hat Schenkel aber mit zwei anderen Räumen im Dachstock, die früher als Abstellräume dienten und nun ebenfalls saniert wurden. Dort wird eine Sammlung historischer Schusswaffen aus dem 12. bis 19. Jahrhundert ausgestellt. «Dazu wird eigens eine Stiftung gegründet», sagt Schenkel. Wie andere Teile des Schlosses kann diese Sammlung auf Anfrage besichtigt werden.

Viel Geld investiert

Die Sanierung des Dachs kostet rund eine Million Franken. Diesen Betrag teilen sich die Familie Schenkel, der Bund, die Thurgauer Denkmalpflege, die Gemeinde Felben-Wellhausen sowie die Stiftung Schloss Wellenberg. Bei den teilweise komplizierten Arbeiten wurde stets darauf geachtet, die Substanz zu erhalten. «Die Erhaltung des Schlosses ist wichtig, sonst zerfällt ein Teil Geschichte. Es hat sich in jeglicher Hinsicht gelohnt», sagt Stiftungspräsident Roland Kienast. Damit meint er auch das tägliche Läuten um 11.50 Uhr.

Christof Schenkel, Eigentümer Schloss Wellenberg. (Bild: pd)

Christof Schenkel, Eigentümer Schloss Wellenberg. (Bild: pd)