Die Schliessung ist nicht abwendbar

Nun ist es endgültig: Die Tubenherstellerin H. Obrist & Co. AG steht vor dem Aus. Damit wird Ende November auch die Tubi.ch geschlossen. In Bischofszell gehen damit 64 Arbeitsplätze verloren.

Kaspar Enz
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Blick in die Produktion der Tubenfabrik Bischofszell (Tubi). (Bild: Reto Martin)

Blick in die Produktion der Tubenfabrik Bischofszell (Tubi). (Bild: Reto Martin)

Es waren schlechte Nachrichten, mit denen CEO Richard Jauslin gestern, erst im basellandschaftlichen Reinach und dann in Bischofszell, vor die Mitarbeitenden trat. Die H. Obrist & Co. AG steht vor dem Aus. Die Schliessung der beiden Werke ist nicht mehr abzuwenden. Die 149 Mitarbeitenden in Reinach und die 64 Mitarbeitenden der Tubi.ch in Bischofszell stehen vor der Kündigung.

Vorschläge geprüft

Vor zwei Wochen hatte das in Reinach beheimatete Unternehmen das Konsultationsverfahren eingeleitet. Während des Verfahrens können die Mitarbeitenden Vorschläge einbringen, um eine Massenentlassung zu verhindern. «Die Mitarbeitenden haben diese Möglichkeit rege genutzt», sagt Richard Jauslin. So boten sie an, auf Leistungen zu verzichten oder regten Verbesserungen der Abläufe an. Die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat haben diese Vorschläge geprüft, sagt Jauslin. «Aber wir kamen zum Schluss, dass an der Schliessung nichts geändert werden kann.»

Keinen Käufer gefunden

Noch vor zwei Wochen hoffte Richard Jauslin, zumindest einen Teil des Betriebs verkaufen zu können. «Unsere Mitbewerber haben sich schnell gemeldet», sagt er. «Sie zeigten Interesse an Maschinen oder unserem Kundenstamm.» Aber einen Käufer, der in der Schweiz weiterhin Tuben produzieren will, konnte das Unternehmen nicht finden.

Die H. Obrist & Co. AG hatte hingegen am Produktionsstandort festhalten wollen. 2011 übernahm sie im Rahmen einer Nachfolgeregelung die Bischofszeller Tubenfabrik Tubi.ch. Anfang dieses Jahres wurde hier in eine zusätzliche Produktionsstrasse investiert und eine dritte Schicht eingeführt, um die Produktivität zu steigern. Denn schon damals wurde klar: Für die Herstellung von Tuben ist die Schweiz ein teures Pflaster.

Marktpreise reichen nicht mehr

Dabei wären die Auftragsbücher voll. «Wir müssen gewisse Mengen produzieren können, um die Fixkosten zu decken», sagt Richard Jauslin. Tuben sind Massenware, schon vor der Eurokrise waren die Margen tief. Mit der Frankenstärke sind sie endgültig dahingeschmolzen. Nicht nur bei den rund 60 Prozent der Tuben, die Obrist exportiert. «Lange glaubten wir, wir könnten das Problem mit Optimierungen der Prozesse lösen», sagt Jauslin. Doch zu den herrschenden Preisen könne das Unternehmen nicht mehr kostendeckend produzieren.

Geordnete Liquidation

Einen Konkurs könne die H. Obrist & Co. AG wohl abwenden, sagt Richard Jauslin. Im Vordergrund stehe eine geordnete Liquidation des Unternehmens. Die Löhne der Mitarbeitenden während der Kündigungsfrist seien gesichert, ebenso die Renten. Ein Massnahmenpaket zur Vermeidung von Härtefällen soll bis Mitte September vorliegen.